Freitag, Juli 03, 2026

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Anfang Juli wurde das Congress Center Villach mit der "ADV e-Government Konferenz 2026" zum Treffpunkt von über 400 Entscheidungsträger:innen aus Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft und Technologie, um die Zukunft der digitalen Verwaltung zu diskutieren. Villach wurde für zwei Tage zur internationalen Bühne für die digitale Souveränität aus Sicht von Staaten.

Roland Ledinger eröffnete die "ADV e-Government Konferenz 2026". (Foto: Zeia)

Präsident der ADV Austrian Digital Value, Roland Ledinger, ordnete diesen Anspruch zur Eröffnung als strategische Aufgabe für Staat und Verwaltung ein. Neben Fachkräftemangel, Budgetdruck und steigenden Serviceerwartungen verschärft vor allem der demografische Wandel den Handlungsbedarf, weil Wissen, Erfahrung und personelle Ressourcen in der Verwaltung künftig noch gezielter gesichert und durch digitale Lösungen wirksam unterstützt werden müssen.

Villachs Bürgermeister Günther Albel zeigte zur Eröffnung, warum gerade diese Stadt ein starkes Symbol für digitale Souveränität ist: Villach hat sich vom klassischen Eisenbahnknoten zu einer internationalen Hightechstadt mit rund 20 Prozent Beschäftigten im Technologiebereich entwickelt. Damit steht Villach sinnbildlich für ein österreichisches Silicon Valley, in dem industrielle Stärke, Forschung, Technologie und kommunale Innovationskraft zusammenwirken. Für Albel ist Digitalisierung ein Werkzeug, um zentrale Aufgaben unserer Zeit zu lösen, von Gesundheit und Pflege über Nachhaltigkeit bis zur modernen Verwaltung. Digitale Stadtzwillinge, digitale Bürgerservices und KI bei Förderanträgen zeigen, wie Technologie den Alltag erleichtert, Verfahren beschleunigt und Städte handlungsfähiger macht.

Alexander Pröll, österreichischer Staatssekretär für Digitalisierung, erweiterte den Blick in seiner Videobotschaft auf den Staat als verlässlichen Dienstleister für Bürger:innen. Digitale Souveränität bedeutet hier vor allem, dass Menschen öffentliche Leistungen sicher, verständlich und unabhängig von einzelnen Plattformen nutzen können. Mit der ID Austria zeigt Österreich bereits, wie das im Alltag funktioniert: Bürger:innen weisen sich digital aus, erledigen Amtswege online und kommen einfacher zu staatlichen Services.

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Markus Richter (Bild), Staatssekretär im deutschen Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung, führte diesen Gedanken europäisch weiter und zeigte, wie digitale Verfahren über Behörden hinweg besser funktionieren. Künstliche Intelligenz kann große Anträge vorsortieren, Unterlagen prüfen und Sachbearbeiter:innen entlasten, die Entscheidungsgewalt bleibt weiterhin beim Menschen. Für Bürger:innen bedeutet das kürzere Bearbeitungszeiten, klarere Abläufe und eine Verwaltung, die auch bei komplexen Anliegen verständlich und zuverlässig bleibt.

Europäisch relevant wird dieser Ansatz dort, wo Staaten ihre Systeme besser miteinander verbinden. Wer künftig grenzüberschreitend lebt, arbeitet, studiert oder ein Unternehmen führt, soll öffentliche Leistungen einfacher nutzen und Nachweise seltener mehrfach vorlegen. Die gemeinsame Botschaft aus Österreich und Deutschland ist daher klar: Digitale Souveränität wächst durch Zusammenarbeit, gemeinsame Standards und öffentliche Services, die Menschen über Grenzen hinweg entlasten.

Digitalisierung, die im Alltag ankommt

Vertreter:innen aus den einzelnen Bundesländern zeigten mit konkreten Best Practices, wie digitale Verwaltung aus politischen Zielbildern in den Alltag der Menschen kommt. Tirol stellte mit FRIDA eine Vermittlungsplattform für Kinderbildung und Kinderbetreuung vor, über die Eltern ihre Kinder zentral online anmelden können, während Gemeinden einen präziseren Überblick über den tatsächlichen Bedarf erhalten. Mehr als 11.000 Anmeldungen im ersten Betriebsjahr und eine vollständig digitale Abwicklung von über 99 Prozent verdeutlichen, wie gut digitale Verwaltung heute schon funktioniert.

Niederösterreich machte anhand der digitalen Katastrophenbeihilfe nach dem Hochwasser 2024 sichtbar, dass mobile Eingaben, Uploads, digitale Unterschriften vor Ort und Registerabfragen Hilfe schneller, rechtssicherer und transparenter ermöglichen.

Salzburg zeigte mit DIVAS, wie Verwaltungsverfahren für Behörden und Antragsteller:nnen einfacher gesteuert werden können, indem Anträge, Prüfschritte und Bescheide digitaler, einheitlicher und nachvollziehbarer ablaufen. Tirol zeigte zudem mit der digitalen Verkehrsstrafenlösung VSTV, dass digitale Verfahren auch im Rechtsbereich Vertrauen schaffen, etwa durch unmittelbar verfügbare Beweismittel im laufenden Verfahren.

Marc Fuchs und Oula Järvinen von Gofore zeichneten am Beispiel Finnlands das Bild eines Staates, der Menschen entlang ihrer Lebenssituationen begleitet, statt sie durch Zuständigkeiten zu schicken. Verwaltung wird damit zum digitalen Lotsen, der Orientierung gibt, Anliegen vorausdenkt und öffentliche Leistungen dort bündelt, wo Menschen sie wirklich brauchen. Louisa Solonar Unterasinger vom Hessischen Ministerium für Digitalisierung und Innovation ergänzte aus Deutschland die technische Grundlage dafür. Multi Cloud und wechsel­fähige Architekturen sorgen dafür, dass digitale Services beweglich bleiben, leichter weiterentwickelt werden können und der Staat bei neuen Anforderungen schneller reagieren kann. Der eigentliche Nutzen liegt damit im Hintergrund und wirkt gerade deshalb stark. Bürger:innen erleben eine Verwaltung, die mit ihrem Leben Schritt hält.

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