Dienstag, Juni 30, 2026

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Damianos Soumelidis, Managing Director Agile Actors, über die geografische und kulturelle Nähe bei Shoring-Kooperationen. Warum Kooperationen innerhalb der EU einfacher sind.

Damianos Soumelidis lacht in die Kamera
Bild: Christian Dusek

Bild: Damianos Soumelidis bietet mit den Agile Actors ein ­Nearshoring-Modell für die Softwareentwicklung.


Sie raten Unternehmen explizit zu Partnern in Europa, anstatt auf Offshore-Destinationen in Asien zu setzen. Warum?

Damianos Soumelidis: Ich habe aus erster Hand erlebt, wie mühsam Offshoring sein kann, wenn es um die tägliche Zusammenarbeit geht. Oft heißt es, der Zeitunterschied sei das größte Problem, aber das lässt sich regeln. Die wirklichen Hürden sind die Kultur, die Qualität und vor allem die rechtliche Komponente. Sobald man jemanden für eine kritische Phase oder eine Produktivsetzung kurzfristig einfliegen muss, beginnt bei Drittstaaten ein bürokratischer Spießrutenlauf für die Arbeitserlaubnis, der Tage oder gar Wochen dauert. In der EU hingegen ist das völlig unkompliziert: Tür zu Tür sind es vier Stunden, man steigt in den Flieger, macht den Job und fliegt wieder heim – ohne Visum, ohne Arbeitserlaubnis-Zinnober.

Was sind generell Erfolgsfaktoren in einem Shoring-Modell?

Soumelidis: Man sollte Shoring nicht als reinen Einkauf von Programmierstunden betrachten, sondern als einen echten Veränderungsprozess. Bei einem erfolgreichen Modell mit der Österreichischen Post, die sich in der Folge auch an dem Shoring-Anbieter Agile Actors mit Sitz in Athen mehrheitlich beteiligt hat, wurden drei wesentliche Dinge umgesetzt. Erstens: Englisch als Arbeitssprache. Sobald ein Kollege aus Griechenland in einem Meeting ist, wird auf Englisch umgeschaltet. Das war am Anfang ein Kraftakt, aber mittlerweile hat die gesamte Post-IT auf Englisch als offizielle Sprache umgestellt.

Zweitens: Akzeptanz von Remote-Arbeit. Ob die Leute im Homeoffice oder in Athen sitzen, muss für die tägliche Routine egal sein. Und drittens: Man darf den Nearshore-Standorten nicht nur die alten Applikationen geben, an denen beim Auftraggeber keiner mehr machen will. Dort sitzen junge, begeisterte IT-ler, die genauso an coolen, neuen Projekten arbeiten wollen. Es sollte die Arbeit an den Anwendungen – Legacy und neue Technologien – gut verteilt sein.

Wie unterscheidet sich die griechische Arbeitskultur von Offshore­-Regionen wie Asien?

Soumelidis: Ein wesentlicher Punkt ist das Qualitätsverständnis und die Art der Kommunikation. In asiatischen Kulturen herrscht oft eine starke Obrigkeitshörigkeit; man sagt selten »Nein«, auch wenn ein Termin nicht haltbar ist. Man bekommt dann oft erst zu spät mit, wenn etwas schiefgelaufen ist. Die Griechen – und das ist den Österreichern gar nicht so unähnlich – ticken da anders. Sie sind familiärer. Vor allem aber suchen sie anlassbezogen die Auseinandersetzung. Wenn man findet, dass eine Anforderung keinen Sinn ergibt, dann sagt man das auch. Diese offene Feedback-Kultur ist für die Softwarequalität essenziell.

Das Thema Shoring wird meist mit einer Kostenersparnis gleichgesetzt. Wie sieht die wirtschaftliche Realität aus?

Soumelidis: Man darf nicht den Fehler machen, nur die nackten lokalen Bruttogehälter zu vergleichen. Erfahrene Unternehmen rechnen mit Kostenwahrheit. Ein High-End-Experte bei Agile Actors in Athen kostet im Tagessatz etwa 680 Euro. Wenn Sie dieselbe Seniorität am Consultingmarkt in Österreich kaufen, liegen Sie bei 1.200 Euro oder mehr. Rechnet man bei lokal angestellten Mitarbeitern den Overhead für Management und Koordination ein, landen wir bei einer realen Kostenersparnis von rund 20 bis 30 Prozent bei mindestens gleicher Qualität.

Wichtig ist aber: Nearshoring ist kein Mittel für den schnellen »Quick Gain« im nächsten Quartal. Es sollte als strategische Entscheidung gewählt werden. Es braucht rund ein Jahr, um Wissen aufzubauen, eine stabile Integration der Teams und die Symbiose zwischen Standorten zu schaffen.

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