Monday, April 20, 2026

Mehrwert für Manager

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Der »Parallel Entrepreneur« Peter Lieber ist an Gesellschaften in Estland, Deutschland, Österreich, Schweiz, Slowakei und USA beteiligt und Präsident des Österreichischen Gewerbevereins. Sein Motto: Unternehmen erfolgreich zu führen, ist kein Zufall.

Foto: ÖGV/Fabian Sorger


»Wenn ich mit zwanzig gewusst hätte, was ich heute weiß, hätte ich vermutlich trotzdem vieles genauso gemacht. Aber ich hätte mir manchen Umweg bewusster ausgesucht. Ich habe früh gegründet. Nicht, weil ich einen Businessplan hatte, sondern weil ich Dinge ausprobieren wollte. Ich habe Software gebaut, Firmen gegründet, Beteiligungen strukturiert, Investoren gesucht, Investoren wieder verloren, Unternehmen verkauft, Unternehmen verloren und wieder von vorne begonnen.

Was ich damals nicht wusste: Selbstzweifel sind kein Zeichen von Schwäche. Sie sind ein Kompass. Wer sich nicht hinterfragt, bleibt stehen. Ich habe lange geglaubt, andere wüssten mehr, könnten mehr, seien geeigneter. Heute weiß ich: Unternehmertum ist kein Titel, sondern eine Entscheidung. Eine Entscheidung, Verantwortung zu übernehmen – auch dann, wenn es unbequem wird. Ich hätte mir früher sagen sollen: Eigentum und Unternehmertum sind nicht dasselbe. Eigentümer sind nicht automatisch die besseren Manager. Und Gründer nicht automatisch die besten Geschäftsführer. Ich habe gelernt, operative Verantwortung abzugeben und dennoch unternehmerisch präsent zu bleiben. Das war einer der wichtigsten Schritte.

Ich habe auch gelernt, dass Scheitern kein Makel ist. Ein Konkurs fühlt sich nicht gut an. Aber er definiert dich nicht. Entscheidend ist, ob du wieder aufstehst – und was du aus der Erfahrung mitnimmst. Heute weiß ich: Ein Unternehmen ist erst dann stabil, wenn es nicht von einem Kunden, einem Eigentümer oder einer einzelnen Person abhängt. Wenn ich etwas früher verstanden hätte, dann das: Fokus schlägt Energie. Man kann 100 Termine pro Woche haben und trotzdem nichts bewegen. Effektiv ist, wer mit einem Gespräch den Jahresumsatz sichert. Effizient heißt nicht automatisch wirksam.

Ich habe oft vom »blauen Ozean« gesprochen – Märkte suchen, in denen noch Raum ist, statt sich im roten Wettbewerb zu zerfleischen. Das klingt strategisch, ist aber eigentlich eine Frage der Ehrlichkeit: Was kann ich wirklich besser als andere? Und wo bin ich nur Durchschnitt? Durchschnitt ist kein Geschäftsmodell.

Was mich geprägt hat, sind nicht die Erfolge. Es waren die Momente, in denen ich erkannt habe, dass meine Landkarte nicht das richtige Gebiet ist. Dass Kommunikation erst dann funktioniert, wenn sie beim Gegenüber Wirkung entfaltet. Dass Menschen anders ticken als ich – und das es gut so ist. Und vielleicht das Wichtigste: Unternehmer sein heißt nicht, im Mittelpunkt zu stehen. Es heißt, Initiative zu ergreifen. Man muss nicht alles wissen, aber lernfähig bleiben. Man muss nicht immer gewinnen, aber weitermachen.

Wenn ich meinem jüngeren Ich einen Rat gebe, dann diesen: Gründe nur dort, wo du wirklich gestalten willst. Suche Sinn vor Skalierung. Und achte darauf, Mensch zu bleiben – auch wenn du manchmal aus einer anderen Galaxie kommst. Karrieren verlaufen selten geradlinig. Zum Glück.


Über die Person
Peter Lieber ist seit seinem 17. Lebensjahr Unternehmer. Er war in seinen frühen Jahren als freier Systemberater für einen amerikanischen Softwarekonzern im deutschsprachigen Raum tätig. Heute ist er Miteigentümer mehrere Softwarefirmen unter anderem von SparxSystems Europe, LieberLieber Software und Syntevo. Lieber ist Mitgründer innovativer Bioläden in Klosterneuburg, Deutsch Wagram, Mistelbach und Wolkersdorf im Weinviertel und in Wien. Er ist Vizepräsident des Verbands Österreichischer Software Innovationen, Präsident des Österreichischen Gewerbevereins und Präsident des Kuratoriums der Technischen und Gewerblichen Lehranstalt TGM.

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