Mittwoch, Juli 22, 2026

Mehrwert für Manager

Ticker

Interaktive Lernformate boomen – auch für das Management. Statt in trockener Theorie werden Führungskompetenzen und schwierige Entscheidungen mit dem Gamification-Ansatz erprobt und trainiert. Spielen hat den unseriösen Touch endgültig abgelegt.

Frau jubelt mit Konsolensteuerung in der Hand
Bild: iStock

 

Was haben Super Mario, Tetris und Uno gemeinsam? Sie sind Spieleklassiker, die unterschiedliche Generationen immer wieder begeistern. Hindernisse überwinden, taktieren, Kooperationen schließen, Fantasiewelten erschaffen oder einfach einem neuen Highscore nachjagen – all das geht jetzt während der Arbeitszeit. Auch betriebliche Weiterbildung setzt auf Gamification: Frontalunterricht war gestern, heute wird interaktiv und spielerisch gelernt. Nur im Spiel finden wir echte Freiheit, unabhängig von Pflichten und Zwängen – davon war schon Friedrich Schiller überzeugt: »Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.«

Als Kinder lernen wir im Spiel, mit Gefühlen wie Neugier, Mut, Spannung und Enttäuschungen umzugehen. Nahezu alle elementaren Fertigkeiten werden auf spielerische Weise erworben. Spielen erfordert aber auch Weitblick und weckt Begeisterung. Umso mehr verwundert es, dass der Spieltrieb ab dem Schuleintritt systematisch verdrängt wird – Spielen gilt plötzlich als Kinderkram und gehört in die Freizeit. »Mein 15 Monate alter Sohn entdeckt die ganze Welt anhand seines Spieltriebs. Wir Erwachsenen verlernen da sicher vieles beziehungsweise wird es uns abtrainiert«, bestätigt Daniel Horak, Co-Founder und Geschäftsführer der Investmentplattform CONDA. »Wenn ich mir aber eines unserer letzten Team-Buildings bei Topgolf ansehe, dann bin ich davon überzeugt, dass Gamification hier eine zentrale Rolle spielen kann – auch im Hinblick auf Teamwork und gemeinsamen Spaß.«

Next Level oder Game over?
Seit Forschungsergebnisse belegen, dass Gamification-Elemente den Lern­erfolg signifikant steigern, haben spielerische Ansätze insbesondere in digitalen Lernangeboten Einzug gehalten. Die Vorteile: Durch das eigenständige oder auch kollaborative Lösen von Aufgaben ist die Konzentration höher, das Wissen wird über Emotionen schneller und dauerhaft verfestigt. Die Vergabe von Punkten und Belohnungen spornt zusätzlich an. Besonders gut funktionieren Spielmechaniken, wenn Fortschritt durch Feedback oder Erfolgsnachweise sichtbar gemacht wird. »Spielen aktiviert unser gesamtes System«, erklärt Barbara Niederschick, Geschäftsführerin des auf Playfulness spezialisierten Consulters nwp: »Es verbindet abstraktes Denken mit räumlichem Vorstellungsvermögen, fordert beide Gehirnhälften und regt emotionale Verbindungen an. Spielerische Elemente lassen uns Situationen begreifen, Lösungen bauen, Rollen erklären und Menschen und Organisationen entwickeln.«

Arbeiten und Lernen dürfen wieder Spaß machen – auch dem Management. Playful Business – eine Weiterentwicklung des Gamification-Ansatzes – gilt als Führungsstil der Zukunft. In Unternehmen sind Kreativität und Beweglichkeit gefragt, multifunktionale Teams müssen als schlagkräftige Einheiten agieren. Bereits 2017 beschrieb das Zukunftsinstitut Playfulness im Sinne intellektueller, emotionaler und organisationaler Flexibilität als mögliche Antwort auf die komplexen Herausforderungen von Change-Prozessen. Es geht dabei nicht um »Spiele« im eigentlichen Sinn, sondern um eine neue, vernetzte Denkweise. Mit spielerischer Leichtigkeit werden Ideen entwickelt und getestet – und ganz nebenbei der Teamgeist gestärkt.

Auch das Üben und Abprüfen erlernter Inhalte ist auf diese Weise mehr als eine lästige Pflicht. Hier gilt wie so oft: Was man gern macht, macht man gut. Ein Beispiel ist das Cyber-Security-Quiz, das ovos media für die Plattform fit4internet entwickelte und 2021 mit dem eAward ausgezeichnet wurde: Vermeintlich trockene Themen wie Schadsoftware, Online-Betrug und Datenschutz werden kurzweilig, spielerisch und interaktiv in Microlerneinheiten aufbereitet. Ein Lernalgorithmus wählt je nach Wissensstand die passenden Fragen aus. Im Quiz­duell-Modus können Kolleg*innen und Vorgesetzte herausgefordert werden.

Die Österreichische Post AG konnte mit einer interaktiven Onboarding-Lösung und einer mobilen Lern-App für neue Mitarbeiter*innen die Fluktuation deutlich reduzieren. Beginnend mit einem E-Learning-Pilotprojekt für Briefzusteller*innen wurde das Programm innerhalb eines Jahres auf große Teile des Unternehmens ausgeweitet.
Für die Logistikbranche entwickelte ovos im Rahmen des EU-geförderten Interreg Bayern-Österreich-Programms eine digitale, mehrsprachige Führerscheinplattform für Ladekran, Hub­arbeitsbühne und Turmdrehkran. Der Mangel an qualifizierten Fachkräften und sprachliche Barrieren stellen die Branche seit Längerem vor große Herausforderungen. Durch das digitale Lern­angebot können Ausbildungsstandards für Logistik-Fachkräfte über Ländergrenzen hinweg sichergestellt werden.

Von Level zu Level
Das aus Videospielen übernommene Prinzip, Teamleistung und Lernfortschritte messbar zu machen, hilft dabei, kontinuierliche Weiterentwicklung attraktiver zu gestalten. Durch kleine, aufeinanderfolgende Lernstufen, bleiben die Teilnehmer*innen motivierter und erhalten direktes Feedback. Im Führungskräftetraining werden komplexe Managementaufgaben auf diese Weise schrittweise gemeistert. Der Aufstieg in der Unternehmenshierarchie – von der Teamleitung zur Abteilungsleitung bis zum C-Level – erfordert jeweils andere Führungskompetenzen. Angehende Manager*innen müssen lernen, Verantwortung zu übernehmen, aber auch zu delegieren. Der Fokus verschiebt sich auf strategische Abstimmung, Budgetplanung und das Auflösen von Silodenken zwischen den Abteilungen. Ein CEO oder CFO muss letztlich die langfristige Vision vorgeben und das operative Tagesgeschäft loslassen, um Platz für strategische Steuerung und Kommunikation mit Stakeholdern zu schaffen.

In sogenannten »Serious Business Games« können didaktische Methoden, z. B. das wertschätzende Führen eines Mitarbeitergesprächs, durchgespielt werden. Simulationen ermöglichen das risikofreie Testen von Entscheidungen, etwa in Krisensituationen. Der deutsche Spieleentwickler Fabula Games gestaltete für die Bayer AG mehrere Serious Games, u. a. eine Compliance-Schulung, die szenische Videos mit Computerspiel-Elementen verknüpft. Abstrakte Compliance-Vorgaben werden durch diese Szenarien aus der First-Person-Perspektive erlebbar. Die Spieler*innen durchlaufen zehn Levels und müssen im virtuellen Arbeitsalltag die richtigen Entscheidungen treffen.

Für Tomislav Bodrozic, Gründer und Geschäftsführer von Fabula Games, liegt der Vorteil gegenüber herkömmlichen E-Learning-Programmen im Experimentieren: »In einem Serious Game können wir eine Welt kreieren, die ganz bewusst von der realen Erlebenswelt losgelöst ist, um neue Denkmuster zu fördern oder neues Verhalten auszuprobieren.« So müssen beispielsweise in einer Simulation auf dem Mars die Spieler versuchen, sich mit anderen Völkern zu verständigen. Die Situation regt zum Ausprobieren verschiedener Verhaltensweisen an, Fehler und Missverständnisse sind dabei schon fast aufgelegt – mit dem Vorteil, dass Konsequenzen sichtbar werden, ohne dass echter Schaden entsteht.

Für viele Manager*innen steht Spiel in engem Zusammenhang mit Sport. Teamgeist, Leidenschaft und Führungsqualität lassen sich auch dort erleben, erlernen und üben. CONDA-Chef Daniel Horak hat seit seinem fünften Lebensjahr im Verein Fußball gespielt und dort gelernt, »dass Verlieren zum Siegen dazugehört«: »Als Führungskraft sehe ich meine Rolle ähnlich wie die eines Trainers oder Kapitäns: Man muss Orientierung geben, motivieren, Vertrauen schaffen und auch in schwierigen Phasen dafür sorgen, dass alle weiter an sich und an den gemeinsamen Erfolg glauben. Am Ende gewinnt selten die Mannschaft mit den besten Einzelspielern, sondern jene, die gut zusammenarbeitet, füreinander läuft und auch nach Rückschlägen wieder aufsteht.«

 

iStock-1420696952.jpg

Die Vorteile von Playfulness

1. Vernetzung
Abstraktes Denken und räumliche Vorstellungskraft arbeiten Hand in Hand. Neue Verbindungen entstehen, kreative Lösungen werden möglich.

2.Exploration
Neue Ideen werden geboren und getestet. Das Team erkennt Fehler und entwickelt weitere Varianten.

3. Flexibilität
Der spielerische Ansatz erhöht die Anpassungsfähigkeit und schärft die Beweglichkeit für neue Herausforderungen.

4. Resonanz
Gemeinsames Spielen stärkt den Zusammenhalt und fördert die Teamdynamik. Durch visuelle und haptische Prozesse werden Visionen greifbar.

 

»Motivation ist höchst individuell«

Hannes_Amon_Ovos_c_Markus_Bacher.jpg

Hannes Amon, Geschäftsführer von ovos media, spricht mit seinen Lerndesigns unterschiedliche Spielertypen an. Künstliche Intelligenz ermöglicht solche maßgeschneiderten Lernerlebnisse.

Welche spielerischen Elemente fördern das Lernen besonders?

Hannes Amon: Am wirksamsten sind Elemente, die sofortiges Feedback und kleine Erfolgserlebnisse liefern – etwa Punkte, Fortschrittsbalken oder Quiz mit direkter Auflösung. Sie vermitteln ein Gefühl von Fortschritt und stärken die Selbstwirksamkeit: Lernende erleben unmittelbar, dass sie etwas bewirken und dazulernen. Gute Gamification schafft zudem einen sicheren Rahmen, in dem Fehler erlaubt sind – das senkt Hemmschwellen bei komplexen oder unbequemen Themen.

Gibt es unterschiedliche Spielertypen?

Amon: Ja, Motivation ist höchst individuell: Manche treibt der Wettbewerb an, andere die Neugier, wieder andere wollen einfach Wissen sammeln oder gemeinsam mit Kolleg*innen ein Ziel erreichen. Gutes Lerndesign spricht deshalb nicht nur den »Highscore-Typ« an, sondern bietet mehrere Zugänge parallel – etwa kooperative Formate neben klassischen Ranglisten. So fühlen sich unterschiedliche Persönlichkeiten gleichermaßen abgeholt.

Wie verändern sich Lehrmethoden durch KI?

Amon: Recherche und Aufbereitung eines Lernthemas kann man an die KI auslagern – das eigene Verständnis der Inhalte nicht. Genau das ist unser Ansatz: KI übernimmt die Inhaltsaufbereitung, für die Lernenden bleibt es aber ein aktives Lern­erlebnis. Die KI nimmt uns das Lernen nicht ab, sie steigert durch Individualisierung Relevanz und Lerntransfer. Früher hieß es »One size fits all«, heute sind maßgeschneiderte Lernerlebnisse möglich – die fachliche Kontrolle bleibt aber Herausforderung. Der KI-Assistent von ovosplay.com unterstützt in dem Prozess die verantwortlichen Personen im Unternehmen.



Vier Spielertypen
Gamification-Aspekte sprechen Menschen unterschiedlich stark an. Bei der Auswahl des Spielformats sollte deshalb überlegt werden, welche Spielertypen unter den User*innen überwiegen. Der britische Forscher und Computerspielexperte Richard Bartle klassifizierte vier Kategorien von Spieler*innen:

Socializer
Diese User*innen suchen Gemeinschaftserlebnisse und werden durch soziale Interaktionen und Verbundenheit motiviert. Diskussionsforen, Gruppenarbeiten und gemeinsame Herausforderungen bieten ihnen die Möglichkeit, sich mit anderen zu verbinden und im Team Ziele zu erreichen.

Achiever
Diese User*innen sind durch Herausforderungen und das Erreichen von Zielen motiviert. Elemente wie Entwicklung und Leistung sprechen sie besonders an. Punktesysteme, Abzeichen und Ranglisten bieten ihnen klare Ziele, auf die sie hinarbeiten können.

Explorer
Sie sind neugierig und lieben es, neue Dinge zu entdecken. Unvorhersehbarkeit und Neugier sowie Empowerment durch Kreativität und Feedback sind für sie besonders ansprechend. In einer Lernplattform können sie durch das Erforschen neuer Module und das Experimentieren mit Lernmethoden motiviert werden.

Killer
Sie sind wettbewerbsorientiert und genießen das Kräftemessen. Elemente wie Eigentum und Besitz sowie Knappheit und Ungeduld sprechen sie verstärkt an. In einem Spiel können sie durch das Sammeln seltener Belohnungen oder das Besiegen anderer User*innen in Ranglisten motiviert werden.

 

Populär

IT-Projekte: Einreichen und gewinnen – eAward 2026!

IT-Projekte: Einreichen und gewinnen – eAward 2026!

Der Wirtschaftspreis eAward zeichnet Digitalisierungsprojekte aus dem Raum...

Best of ... Connectivity

Vernetzung und Kommunikation auf Wasserstraßen, im Außendienst, im Vertrieb, im...
Mistral: Expansion von KI-Diensten in Europa

Mistral: Expansion von KI-Diensten in Europa

Digital Realty hat eine strategische Partnerschaft mit Mistral AI geschlossen. Ziele sind...
Kosmos und IBM: Modernes Deployment und automatische Skalierung

Kosmos und IBM: Modernes Deployment und automatische Skalierung

Ob zu Ostern oder zu Weihnachten, während der Geschenkesaison geht es beim...
Agri-PV in Altenmarkt

Agri-PV in Altenmarkt

Die Energie AG hat nach knapp einem halben Jahr Bauzeitkürzlich in Altenmarkt...
Forschungsprämie als wichtiger Joker

Forschungsprämie als wichtiger Joker

Ende 2025 wurde die Forschungsprämien-Verordnung in Österreich novelliert....
Ein Wolf im Wald zwischen Bäumen

Tierlieb

Manchmal geht das mit dem Naturschutz auch nach hinten los – Zeit, die Krone...
Mann in Anzug und mit Krawatte lächelt in die Kamera

Neuer Präsident von Österreichs E-Wirtschaft

Die Spitzengremien von Oesterreichs Energie, der Interessenvertretung der...
Was CFOs 2026 erwartet

Was CFOs 2026 erwartet

Die Finanzchef*innen der Unternehmen werden zu strategischen Architekt*innen...
Mahlzeit am Morgen ohne Kummer und Sorgen

Mahlzeit am Morgen ohne Kummer und Sorgen

Wer sein Business-Breakfast nicht immer im Meetingraum veranstalten will, dem...
Großspeicher im Burgenland

Großspeicher im Burgenland

Der Eisenstädter Bürgermeister Thomas Steiner hat am 12. Mai gemeinsam mit...
Porträtbild von Helmut Leopold, er schaut in die Kamera

Wenn ich das damals gewusst hätte ...

Helmut Leopold verbindet als Head of Center for Digital Safety & Security die...

Firmen | News

Nagarro
07 Juli 2026
Firmen | News
Warum sich der Erfolg von KI-Projekten erst nach der Einführung entscheidet. Manche Prinzipien gelten unabhängig von Branche oder Sport. Während bei der Fußball-WM gerade Millionen Menschen über Aufstellungen, Taktik und Favoriten diskutieren, erlebe...
Firmen | News
07 Juli 2026
Firmen | News
Klickvinyl hat sich als pragmatische Antwort auf knappe Renovierungszeiten und steigende Designansprüche etabliert. Der Belag lässt sich schwimmend und ohne flächigen Klebstoff verlegen, ist strapazierfähig und kommt der Optik natürlicher Holzböden i...
Vertiv
02 Juli 2026
Firmen | News
Das neue Werk stärkt die regionale Produktion, die Widerstandsfähigkeit der Lieferkette sowie die Implementierungskapazitäten für Stromversorgungs-, Kühlungs- und integrierte Infrastrukturlösungen Vertiv, ein weltweit führender Anbieter für kritische...
Firmen | News
02 Juli 2026
Firmen | News
Zwei Tage vollgepackt mit Keynotes, Workshops und Networking – das war die techConference 2026 von Microsoft in der Messe Wien. Neben KI und anderen IT-Trends stand dabei das Thema Security besonders im Fokus. Axians steuerte dazu einen Workshop zum ...