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Messen statt meinen
Österreich hat 2024 so viel Geld in die Gebäudesanierung gesteckt wie nie – und im Februar 2026 mitten im Jahr den Förderhahn zugedreht. Der VIVA Forschungspark von Baumit liefert seit zehn Jahren die Daten, was Dämmung tatsächlich bringt. Mit eindeutigen Ergebnissen. (Inklusive Video)
Österreich hat 2024 so viel Geld in die Gebäudesanierung gesteckt wie nie – und im Februar 2026 mitten im Jahr den Förderhahn zugedreht. Der VIVA Forschungspark von Baumit liefert seit zehn Jahren die Daten, was Dämmung tatsächlich bringt. Mit eindeutigen Ergebnissen. (Inklusive Video)
Interview mit Robert Schmid, CEO Baumit Group.Video by Gerhard Popp. Mehr von Gerhard Popp gibt es unter https://www.linkedin.com/in/gerhard-popp-wien/
Die Ausgangslage ist paradox. Rund 2,1 Milliarden Euro flossen 2024 in die Gebäudesanierung, so viel wie nie zuvor. Die Sanierungsrate liegt trotzdem bei nur 1,6 Prozent, für die Klimaziele wären rund drei Prozent nötig. Am 2. Februar 2026 wurde der Sanierungsbonus für die thermisch-energetische Sanierung dann überraschend eingestellt, um die Förderungsaktion Kesseltausch weiterführen zu können. „Lieber keine Förderung als eine, auf die man sich nicht verlassen kann", hieß es dann auch in einem Positionspapier der Initiative PRO Bauen & Sanieren. Ganz so weit wollte die Bundesregierung aber nicht gehen, hat die Wünsche der Initiative aber zumindest zum Teil erhört. Ab 2027 werden getrennte Budgets für die thermisch-energetische Sanierung und den Heizkesseltausch eingerichtet. Dann stehen jährlich 181 Mio. Euro für die thermisch-energetische Sanierung und 179 Mio. Euro für den Kesseltausch zur Verfügung. " Das schafft mehr Planungssicherheit und Transparenz für Förderwerber und Betriebe", heißt es aus dem Umweltministerium.
Zehn Jahre messen
Im VIVA Forschungspark von Baumit in Wopfing im Piestingtal wird seit 2015 unter anderem untersucht, wie viel eine thermische Sanierung überhaupt bringt. Dreizehn Forschungshäuser mit je einem Raum von drei mal vier Metern stehen dort im Raster, mit identischen Fenstern, identischer Haustechnik, identischer Ausrichtung zur Sonne und simulierter Nutzung. Unterschiedlich ist nur der Wandaufbau. 33 Sensoren pro Haus liefern die Daten.
Der Auslöser war eine Lücke, sagt Robert Schmid, CEO Baumit Group, im Interview mit dem Bau & Immobilien Report. „Du kannst so bauen, dass es dich krank macht, im Extremfall. Und du kannst so bauen, dass es dich gesund macht." Belastbares dazu habe es damals nicht gegeben: „Die Daten und Fakten und die wissenschaftlichen Betrachtungen zu diesem Thema waren sehr, sehr mau. Es gab viele Gerüchte, es gab Erzählungen, es gab aber nichts Greifbares."
Auf drei Säulen lassen sich die Ergebnisse laut Schmid verdichten: Dämmung zuerst, dann Speichermasse, dann die Innenoberfläche. „Auf die letzten eineinhalb, zwei Zentimeter im Innenraum kommt es an, wenn du an Luftfeuchtigkeit, Staub und statische Aufladung denkst. Eine gute Innenbeschichtung, Masse in der Mitte und eine gute Dämmung außen – dann kannst du nichts falsch machen."
Was der Hitzesommer zeigte
Die Messreihe aus der Hitzeperiode zwischen 1. Juni und 20. Juli 2026 fällt deutlich aus. Bei einer Außentemperatur von maximal 37,4 Grad erreichte das ungedämmte Haus mit 25er-Ziegel 30,7 Grad Raumtemperatur, das gedämmte 26,4 Grad. Beim nachgebauten Gründerzeitaufbau mit 50er-Vollziegel standen 29,3 Grad gegen 24,5 Grad. Im Winterversuch, einer simulierten 48-stündigen Heizunterbrechung bei drei Grad außen, lag das ungedämmte Haus nach zwei Tagen bei zehn Grad, das gedämmte bei 17. Beim Jahresverbrauch stehen 4.023 Kilowattstunden gegen 1.568.
Vom Forschungspark ins Produkt
Dass die Forschung dem Geschäft dient, bestreitet Schmid gar nicht. „Wir sind ein Baustoffunternehmen, haben uns aber Ideen mit Zukunft auf die Fahnen geheftet. Wir wollen gestalten. Das bedeutet nicht immer nur neue Produkte, es geht auch darum, das Bauen und Wohnen besser zu machen. Mal verdienst du Geld damit, mal nicht. Aber der Anspruch ist, grundsätzlich besser zu werden."
Aktuelles Entwicklungsfeld ist der Beton-3D-Druck. Ganze Häuser zu drucken hält Schmid für einen Irrweg: „Das macht keinen Sinn. Nicht heute und wahrscheinlich auch in Zukunft nicht. Da gibt es bessere und billigere Methoden." Bauteile hingegen schon. Der Besucherpavillon neben dem Forschungspark ist mit einer gewichtsreduzierten, 3D-gedruckten Decke ausgestattet, die bei gleichen statischen Eigenschaften rund die Hälfte an Material und CO₂ einspart.
„Es wird ja nichts besser"
Am schärfsten wird Schmid beim Thema Regulierung. „Wir machen so viel Unsinn, von Datenschutz über Arbeitsschutz über Umweltschutz. Überall brauchen wir Beauftragte, überall müssen wir Zettel ausfüllen und Berichte abgeben und werden geprüft. Und ich sehe da keinen Sinn dahinter, weil nichts besser wird. Wenn es wenigstens dazu führen würde, dass es besser wird, dann akzeptiere und respektiere ich alle diese Bürokratie. Aber so wie es derzeit läuft, macht es uns alle fertig und schafft nichts als Kosten."
Das gesamte Interview sehen Sie im Video – inklusive Schmids Rat an sein jüngeres Ich.
Der VIVA Forschungspark in Zahlen
– Gründung 2015
– 13 Forschungshäuser mit je 3 × 4 Metern Innenmaß
– 33 Sensoren je Haus
– Identische Fenster, Haustechnik, Ausrichtung und Nutzungssimulation, unterschiedlicher Wandaufbau
– Wandbildner: Beton, 25er Ziegel, Holzständerwand, 50er Ziegel gefüllt, Holz-Blockhaus, Vollziegel, Porenbeton
– Forschungspartner: MedUni Wien, FH Burgenland, IBO, AGES, TU Wien
– Rund 3 Millionen Euro Investition allein in den ersten beiden Jahren
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