Donnerstag, Oktober 22, 2026

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Wie KI die Cybersicherheit in Unternehmen prägt und wie sich Unternehmen darauf vorbereiten können. Handlungsempfehlungen für Geschäftsführung und IT-Verantwortliche.

IT-Security im Wandel, Bild eines Schmetterlings
Bild: iStock


Künstliche Intelligenz verändert die Cybersicherheit gleich auf mehreren Ebenen. Angreifer nutzen KI, um ihre Methoden zu professionalisieren und Attacken zu automatisieren. Gleichzeitig entstehen durch den Einsatz von KI-Agenten in Unternehmen neue Risiken, die mit herkömmlichen Sicherheitskonzepten nur bedingt beherrschbar sind. »Cybersicherheit entwickelt sich zunehmend zu einer Frage der Unternehmensresilienz«, erklärt Michael Smetana, Managing Director HP Austria. Drei Entwicklungen würden die Bedrohungslage besonders prägen: der zunehmende Einsatz von KI durch Cyberkriminelle, die wachsende Zahl digitaler Endgeräte und Zugänge sowie strengere regulatorische Anforderungen in Europa.

Auch Kevin Schwarz, Head of CTOs in Residence beim Cloud-Security-Spezialisten Zscaler, beobachtet eine Veränderung der Angriffsmuster. Zwar gehe die Zahl der Phishing-Attacken zurück, die einzelnen Angriffe würden jedoch komplexer. KI eröffne Cyberkriminellen neue Möglichkeiten, ihre Aktivitäten zu automatisieren. Denkbar seien etwa unterschiedliche KI-Agenten, die jeweils einzelne Aufgaben innerhalb eines Angriffs übernehmen und dabei zusammenwirken. Das könne Geschäftsmodelle wie Ransomware-as-a-Service auf eine neue Stufe heben. Zunehmend schwierig werde zudem die Unterscheidung zwischen menschlichen und künstlich erzeugten digitalen Interaktionen. Schwarz verweist auf Videokonferenzen über Teams oder Zoom, bei denen künftig nicht mehr selbstverständlich davon ausgegangen werden könne, dass Aussagen tatsächlich von der vermeintlich sprechenden Person stammen. Zusätzliche Formen der Verifizierung könnten deshalb notwendig werden.

Vom Backup zur Cyberresilienz

Mario Zimmermann, Senior Regional Director Alps beim Datenmanagement-Spezialisten Veeam, sieht die Branche bereits mitten in einem Wandel. Noch vor wenigen Jahren sei Ransomware das beherrschende Thema gewesen. Mittlerweile würden die entsprechenden Schlagzeilen nach seiner Wahrnehmung seltener, was er auch auf verbesserte Sicherheitsmaßnahmen zurückführt. Die Bedrohungen seien damit allerdings keineswegs verschwunden. Vielmehr habe sich die Bedeutung der Datensicherheit verändert. Ursprünglich ging es bei Backup und Recovery vor allem darum, versehentlich gelöschte oder durch technische Fehler verlorene Informationen wiederherzustellen. Mit Ransomware wurde daraus ein strategisches Thema für das Management.

Nun beginnt nach Einschätzung Zimmermanns bei einem Kundenevent von Veeam im Oktober in Wien eine weitere Phase: KI-Agenten erhalten Zugriff auf Anwendungen und Unternehmensdaten, treffen Entscheidungen und führen Aufgaben selbstständig aus. Damit wächst die Gefahr, dass automatisierte Systeme Aktionen setzen, die weder beabsichtigt noch ausreichend kontrolliert sind.

KI-Agenten, die zu viel dürfen

Besonders problematisch wird es, wenn KI-Agenten über weitreichende Berechtigungen verfügen oder ohne Wissen der IT-Abteilung eingesetzt werden. Doch selbst wenn ein Agent technisch korrekt funktioniert, können unerwünschte Ergebnisse entstehen. Etwa dann, wenn er mit veralteten, unvollständigen oder ungeeigneten Unternehmensdaten arbeitet.

Die Herausforderung liegt auch in der Menge der vorhandenen Informationen. Viele Unternehmen verfügen über riesige Bestände unstrukturierter Daten, die über Jahre in Dokumenten, E-Mails und unterschiedlichen Speichersystemen entstanden sind. Ein Teil davon wird längst nicht mehr aktiv verwaltet. Wenn KI-Agenten auf diese Informationen zugreifen, können bisher unbeachtete Datenbestände plötzlich sicherheitsrelevant werden.

Hinzu kommt eine neue Dimension des Identitätsmanagements. Zimmermann verweist auf eine Untersuchung, die von einem künftigen Verhältnis von 82 KI-Agenten zu einem menschlichen Mitarbeiter ausgeht. Bei 3.000 Beschäftigten wären das rund 250.000 digitale Identitäten, deren Zugriffsrechte und Aktivitäten verwaltet werden müssten. Das Beispiel verdeutlicht, wie schnell menschliche Kontrollmechanismen an ihre Grenzen stoßen könnten.

»Wenn wir neue Mitarbeiter einstellen, dann haben wir einen Onboarding-Prozess für diese Mitarbeiter. Wie schaut der Onboarding-Prozess für Ihre KI-Agents aus im Unternehmen? Ich habe kaum noch welche bis jetzt gesehen. Sollten wir aber darüber nachdenken und beginnen«, empfiehlt Zimmermann.

Auch Kevin Schwarz sieht im Berechtigungsmanagement eine zentrale Herausforderung. Auch wenn künftig einzelne Mitarbeiter lediglich zehn, zwanzig oder dreißig KI-Agenten für unterschiedliche Aufgaben einsetzen, müssen diese Systeme jeweils auf bestimmte Daten zugreifen können. Fragen der Data Loss Prevention, der granularen Zugriffssteuerung, das Rechtemanagement und der automatisierten Kontrolle würden damit wichtiger.


KI-Agenten, Resilienz und Zero Trust: Das komplette Gespräch mit Kevin Schwarz, Zscaler

Zero Trust weitergedacht

Ein wesentliches Prinzip moderner Sicherheitsarchitekturen ist Zero Trust. Statt Nutzern und Geräten innerhalb eines Unternehmensnetzwerks grundsätzlich zu vertrauen, werden Zugriffe anhand von Identität, Kontext und Risiko überprüft. Die zunehmende Nutzung von Cloudservices und hybride Arbeitsmodelle haben die Verbreitung dieses Ansatzes beschleunigt. Gerade kleinere Organisationen verfügten häufig nicht über ausreichend Personal, um komplexe Sicherheitslösungen selbst zu betreiben. Für sie könnten Managed-Service-Provider eine sinnvolle Alternative darstellen.

Zimmermann sieht darüber hinaus die Notwendigkeit, Sicherheitskonzepte massiv zu erweitern: »Data Security und Konzepte, die wir haben, waren nicht für Maschinen ausgelegt. Zero Trust basiert auf Menschen, auf menschlicher Basis. Wir müssen beginnen, die Daten selber zu kontrollieren.«

Dafür müssten Unternehmen zunächst wissen, welche Informationen überhaupt vorhanden sind, wie sensibel sie sind und welche Berechtigungen damit verbunden sind. Ebenso entscheidend sei der Kontext, in dem Daten verwendet und zwischen unterschiedlichen Systemen bewegt werden. Veeam kann mit dem Portfolio aus einer Übernahme des Spezialisten Securiti AI die Bereiche Datensicherung, Klassifizierung, Governance und Kontrolle von KI-Systemen zusammenführen. Unter dem Begriff »Data and AI Trust« sollen Sicherheit, Compliance, Datenschutz und Resilienz stärker miteinander verbunden werden. Ziel ist es unter anderem, riskante Zugriffsrechte zu erkennen und Aktivitäten von KI-Agenten nachvollziehbar zu machen.

Was passiert, wenn ein Agent Fehler macht?

Eine bislang wenig beachtete Frage betrifft die Wiederherstellung nach fehlerhaften KI-Aktionen. Klassische Backup-Systeme können Dateien, Anwendungen oder ganze IT-Umgebungen wiederherstellen. Wenn ein KI-Agent jedoch innerhalb weniger Minuten zahlreiche Datensätze verändert oder löscht, ist eine vollständige Rücksetzung möglicherweise keine praktikable Lösung. Wie schaut der Restore von KI-Transaktionen bei im Unternehmen aus? Kann festgestellt werden, welche Transaktionen der Copilot getätigt hat, und diese granular rückgängig machen?

Wer dazu auch veraltete oder redundante Informationen löscht, senkt nicht nur Speicherbedarf und Kosten, sondern reduziert auch potenzielle Sicherheitsrisiken. Gerade vor der Einführung von Microsoft Copilot oder vergleichbaren KI-Lösungen sollten Unternehmen ihre Datenbestände und Berechtigungen deshalb genau überprüfen.

Führungsaufgabe IT-Sicherheit

Neben den neuen Herausforderungen durch KI-Agenten bleiben grundlegende Sicherheitsmaßnahmen unverzichtbar. Michael Smetana empfiehlt einen ganzheitlichen Ansatz, der Technologie, Prozesse und Menschen verbindet. Dazu gehören Systemaktualisierungen, mehrschichtige Schutzmechanismen, die Absicherung von Endgeräten und die frühzeitige Erkennung von Angriffen.

Ein besonderes Augenmerk legt HP auf Sicherheitsfunktionen auf Hardware-Ebene. Angriffe auf Firmware und BIOS seien mit klassischen Sicherheitslösungen häufig nur schwer zu erkennen. Technologien zur Überprüfung und automatischen Wiederherstellung des BIOS sowie zur isolierten Ausführung potenziell gefährlicher Inhalte könnten hier zusätzliche Schutzebenen schaffen.

Trotzdem, so betont Smetana, ist »die größte Schwachstelle in der Cybersicherheit selten die Technologie, sondern meist mangelnde Vorbereitung«. Mitarbeitende sollten regelmäßig geschult werden, um Phishing und Social Engineering zu erkennen. Das Thema »Awareness« sollte Teil der Unternehmenskultur werden.

Kein Unternehmen kann garantieren, niemals Opfer eines Angriffs zu werden. Geschäftsführung und IT-Verantwortliche sollten deshalb Notfallpläne, Wiederherstellungsprozesse und Zuständigkeiten regelmäßig überprüfen und üben. Auch Kommunikationswege und Eskalationsstufen sollten bereits vor einem Sicherheitsvorfall feststehen. Gerade im Zeitalter der KI-Agenten wird Cybersicherheit damit zu einer Voraussetzung für den Einsatz neuer Technologien.


Hintergrund: Lebenszyklus eines KI-Kollegen

Ein KI-Agent sollte von seiner Erstellung bis zu seiner Außerbetriebnahme kontrolliert und regelmäßig überprüft werden. Vieles davon kennen wir bereits aus der Identitäts-Governance. Für Agenten gilt dieselbe Abfolge: Erfassung > Registrierung > Benennung eines Verantwortlichen > Authentifizierung >  Autorisierung > Überwachung > Überprüfung > Sperrung > Außerbetriebnahme. Bei Erstellung eines KI-Agenten wird ein Verantwortlicher festgelegt. Erhält der Agent Zugriff, gilt das Least-Privilege-Prinzip. Ändert sich sein Zweck, werden seine Berechtigungen überprüft und angepasst. Ändert sich sein Verhalten, wird das Vertrauen in den Agenten neu bewertet. Wird der Agent außer Betrieb genommen, werden seine Anmeldedaten, Tokens, API-Berechtigungen und der Zugriff auf Tools widerrufen.

Zehn Fragen, die CISOs ihren Teams stellen

1. Wie viele Agenten sind in unserer Umgebung im Einsatz?

2. Wer ist für welchen Agenten verantwortlich?

3. Welche Agenten haben Zugriff auf sensible oder privilegierte

Systeme?

4. Welche Tools und Server können sie aufrufen?

5. Welche Operationen können sie ausführen?

6. Welche Aktionen sind ausdrücklich verboten?

7. Können wir auffälliges Verhalten von Agenten erkennen?

8. Können wir eine gefährliche Aktion vor der Ausführung stoppen?

9. Können wir einen Agenten sofort deaktivieren?

10. Können wir im Nachhinein rekonstruieren, was passiert ist?

Quelle: Check Point Software

 

Beste CISOs

Im Rahmen des CIS Compliance Summit 2026 in Wien standen Expert*innen im Mittelpunkt, die Österreichs Wirtschaft vor den immer raffinierter werdenden Gefahren aus dem Cyberraum schützen. Für die erfolgreiche Transformation der Informationssicherheit hin zu einem konzernweit etablierten und wirksam verankerten Informationssicherheitsmanagementsystem erhielt Sofie Mallinger, CISO der Linz AG, die Auszeichnung »CISO of the Year«. Florian Polt, Chief Security & Resilience Officer (CSRO) bei der Uniqa Insurance Group wurde für die Transformation einer fragmentierten Sicherheitsfunktion in eine unternehmensweite, standardisierte und messbare Management-Disziplin im Konzern ebenfalls geehrt. Er hat Resilienz systematisch steuerbar gemacht. Und Jörg Scheiblhofer, CISO des ORF, erhielt die Auszeichnung »Special CISO of the Year 2026« für die Absicherung eines der komplexesten und sichtbarsten Cybersecurity-Projekte im europäischen Rundfunk: dem 70. Eurovision Song Contest.
www.cis-cert.com/news/cis-compliance-summit-2026/

Cybersecurity für 5G

Datengetriebene Produktionssysteme benötigen drahtlose Konnektivität für unzählige Sensoren und mobile Assets. Das macht privates 5G zu einer unverzichtbaren Infrastruktur. Doch können Standard-Sicherheitslösungen Leistungsengpässe verursachen oder sie adressieren Bedrohungen in industriellen Umgebungen nicht ausreichend. In einer aktuellen Zusammenarbeit kombiniert Siemens eine Lösung für private 5G-Infrastruktur mit der Next-Generation Firewall (NGFW) von Palo Alto Networks. Die KI-gestützte Lösung erfüllt industrielle Sicherheitsanforderungen und sichert unterbrechungsfrei die Leistung, die KI-gesteuerte Produktionen erfordern.
www.siemens.at

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