Mittwoch, Oktober 21, 2026

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Johannes Kreiner, Geschäftsführer Sage DPW, über Karriereziele, die Schwierigkeit, als junge Führungskraft authentisch zu bleiben, und warum Neugier und Kundennähe für ihn bis heute die wichtigsten Erfolgsfaktoren sind.

Johannes Kreiner mit Laptop
Fotocredit: Philipp Lipiarski

Zur Person: Johannes Kreiner ist seit 2017 Geschäftsführer von Sage DPW, dem führenden Anbieter von Personalmanagement-Software in Österreich. Bereits während seines Studiums der Europäischen Wirtschafts- und Unternehmensführung sammelte er Erfahrung in der IT-Branche. Er war auch in Führungspositionen bei Raiffeisen Bank International, Generali VIS Informatik und Software Quality Systems tätig.


Ich wollte immer schon Verantwortung übernehmen, Dinge gestalten und gemeinsam mit anderen Lösungen finden. Schon in der Schule bin ich Klassensprecher gewesen. Vielleicht war das bereits der Anfang meines Weges in Führungspositionen. Jedenfalls habe ich früh sehr konkrete Vorstellungen von meiner Karriere gehabt: Vor meinem 30. Geburtstag wollte ich eine größere Führungsaufgabe übernehmen, vor meinem 40. Geschäftsführer sein. Beides ist gelungen. Mit Ende zwanzig habe ich bereits eine Abteilung mit rund 30 Mitarbeitern in einem großen Versicherungsunternehmen geleitet, mit 39 bin ich Geschäftsführer geworden.

Rückblickend war das nicht einfach nur Ehrgeiz. Mich hat immer angetrieben, neue Themen aufzugreifen, Herausforderungen zu erkennen und Lösungen dafür zu entwickeln. Je mehr Verantwortung man trägt, desto mehr Möglichkeiten hat man, tatsächlich etwas zu bewegen.

Wenn ich meinem jüngeren Ich etwas mitgeben könnte, dann wäre es, früher auf das eigene Bauchgefühl zu hören. Als ich mit etwa 27 Jahren meine erste große Führungsrolle übernommen habe, hat mir noch das Selbstbewusstsein gefehlt, diese Aufgabe auf meine eigene Art auszufüllen. Ich habe berufsbegleitend ein Wirtschaftsstudium absolviert und versucht, die dort gelernten Managementtheorien möglichst genau in die Praxis zu übertragen. Für jede Situation hat es vermeintlich die richtige Vorgangsweise gegeben, unabhängig davon, was ich selbst für richtig gehalten habe.

Das hat dazu geführt, dass ich mich über Jahre hinweg teilweise regelrecht verbogen habe. Wenn man ständig versucht, einer bestimmten Vorstellung von Führung zu entsprechen, anstatt authentisch zu handeln, erzeugt das einen enormen inneren Druck. Heute weiß ich, dass Managementtheorien wertvolle Orientierung bieten, aber niemals die eigene Persönlichkeit ersetzen können.

Gleichzeitig war die Verbindung von Studium und Beruf eine meiner wertvollsten Erfahrungen. Ich habe das Gelernte unmittelbar mit meinem Arbeitsalltag vergleichen und dadurch vieles besser verstehen können. Jungen Menschen würde ich deshalb raten, möglichst früh praktische Erfahrungen in jenem Bereich zu sammeln, in dem sie später tätig sein möchten, um die Zusammenhänge zu erleben.

Glück muss man auch suchen
Eine weitere Erkenntnis aus meiner Arbeit in großen internationalen Unternehmen ist, den Kunden niemals aus dem Blick zu verlieren. Das klingt selbstverständlich, wird aber mit zunehmender Unternehmensgröße immer schwieriger. Gerade heute, wo KI immer mehr Aufgaben übernimmt und Dienstleistungen zunehmend digitalisiert werden, bin ich überzeugt, dass der persönliche Kontakt zu Menschen ein entscheidendes Unterscheidungsmerkmal bleibt. Gleichzeitig sehe ich in KI enorme Chancen.

Ich finde es faszinierend, in einer Zeit zu arbeiten, in der wir solche Veränderungen nicht nur erleben, sondern selbst mitgestalten können. Meine erste Frage bei neuen Technologien lautet immer: Wie kann daraus etwas entstehen, das für unsere Kunden wirklich relevant ist?

Vielleicht ist das die wichtigste Erkenntnis aus meinem Berufsleben: Man sollte neugierig bleiben, Veränderungen offen begegnen und bereit sein, sich immer wieder neu zu erfinden. Nicht jeder Karriereschritt muss nach oben führen. Entscheidend ist, eine Aufgabe zu finden, in der man seine Fähigkeiten und seine Persönlichkeit einbringen kann.

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