Donnerstag, Oktober 22, 2026

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Regulatorische Hürden bremsen die Vergabe klassischer Bankkredite aus. Der Kapitalmarkt gewinnt als Finanzierungsquelle an Bedeutung. Wie Unternehmen zu Investitionskapital kommen und welche alternativen Finanzierungsmodelle es gibt.

Münze wird auf Stapel gelegt

 

Das Jahr 2026 markiert einen vorläufigen Tiefpunkt der Baukrise: Das reale Bauvolumen sinkt auf voraussichtlich 51,7 Milliarden Euro. Ob 2026 auch zu einem Wendejahr für die österreichische Bauwirtschaft wird, hängt maßgeblich davon ab, ob neue Wohnbauprojekte umgesetzt werden können. »Für 2026/2027 erwarten wir eine Übergangsphase, in der Liquidität und Strukturierung zum kritischen Erfolgsfaktor werden«, sagt Gerhard Veichtl­bauer, Leiter Corporate Finance der Infina Credit Broker GmbH.

Doch nicht nur die Baubranche leidet unter der schwachen Konjunktur. Auch andere Unternehmen verschieben Projekte oder Investitionen, weil Kosten und Finanzierungsmodalitäten nicht mit den erwartbaren Erlösen übereinstimmen. Zudem bringen strengere EU-Regularien die Unternehmen in Bedrängnis. Seit 1. Jänner 2025 ist das finale Reformpaket des Basler Ausschusses – kurz »Basel IV« genannt – über die europäische Eigenkapitalverordnung (CRR III) in Kraft. Die Kreditinstitute haben nun kaum Spielraum bei der Beurteilung von Unternehmen – Basel IV zieht einen strikten regulatorischen Mindestboden ein. Vor allem bei Immobilien- und Projektfinanzierungen müssen erhebliche Risikoaufschläge einkalkuliert werden, was die Konditionen für Unternehmen verschlechtert.

Suche nach Alternativen
Führte früher der erste Weg zur Hausbank, ist dieser nun weitaus seltener von Erfolg gekrönt. Die Kreditinstitute sehen deutlich genauer hin – Betriebe, deren wirtschaftliche Aussichten durch die Flaute getrübt sind, rutschen im bankinternen Rating nach unten. Standardisierte Risikomodelle haben die Bewertung übernommen. »Unternehmen müssen immer mehr Eigenmittel für eine Finanzierung einbringen. Das kann Investitionen und Wachstum bremsen«, bestätigt Infina-Finanzexperte Veichtlbauer. »Wir federn die regulatorische Hürde für Unternehmen ab, indem wir die Finanzierungsunterlagen regulierungskonform aufbereiten und die Vorhaben und Kennzahlen des Unternehmens direkt in die Prüfraster der Kreditinstitute übersetzen. Dadurch reduzieren sich unnötige Rückfragen sowie Durchlaufzeiten maßgeblich.«

Angesichts der schwierigen Bedingungen blicken die Unternehmen auf der Suche nach Alternativen zunehmend über den Tellerrand. Neben klassischen Bankkrediten können beispielsweise Mezzanin-Kapital, Nachrangdarlehen oder Private-Debt-Fonds eine sinnvolle Ergänzung sein. Auch Crowdfinanzierung erfreut sich steigender Beliebtheit. Wer wettbewerbs- und investitionsfähig bleiben will, sollte dennoch lernen, mit allen Finanzierungsinstrumenten zu spielen. »Formell bietet der Kapitalmarkt schon einige Möglichkeiten«, meint Gerhard Karner, geschäftsführender Gesellschafter der Kreditaustria (B-I-S Beratung-Information-Service GmbH). »Im Alltag wird vorwiegend auf Mezzanin- und Crowdfinanzierungen sowie selektive Tranchen aus Family-Offices zurückgegriffen – mit entsprechenden Risikoaufschlägen.«

Kapital von der Crowd
Crowd-Plattformen bieten die Möglichkeit, neue Zielgruppen zu gewinnen. Viel Kapital liegt schlecht verzinst auf Sparbüchern oder in Pensionskassen – Crowd-Investments versprechen dagegen Renditen von bis zu zwölf Prozent, freilich bei deutlich höherem Risiko. Die Investor*innen stellen das Kapital über ein qualifiziertes Nachrangdarlehen zur Verfügung. Beteiligungen sind schon mit kleinen Beträgen, von 250 Euro aufwärts, möglich. Ein Mitspracherecht gibt es jedoch nicht. Das Unternehmen verpflichtet sich im Gegenzug zur Auszahlung eines Basis- sowie eines Bonus-Zinssatzes, wenn sich das Business besonders gut entwickelt. Die Laufzeit beträgt meist zwischen drei und zehn Jahren. Da das eingesammelte Kapital eigenkapitalähnlichen Charakter hat, verbessert sich oft auch die Bonität der Unternehmen.

Die Falkensteiner Michaeler Tourism Group nutzt Crowdinvesting als strategisches Wachstumsinstrument. Seit 2017 wurden auf diese Weise rund 122 Millionen Euro realisiert – »das mit Abstand erfolgreichste Crowdinvest-Projekt in Europa«, ist FMTG-Chef Otmar Michaeler überzeugt. Derzeit läuft die 17. Finanzierungsrunde. Seit Juni 2022 betreibt das Unternehmen dieses Geschäftsmodell über die eigene digitale Plattform FMTG Invest. Geplant sind bis 2030 auch Investitionen in die IT-Infrastruktur und KI-gestützte Data-Management-Lösungen. Zusätzlich eröffneten heuer am Gardasee und in Sizilien zwei neue Destinationen. Die Hotelgruppe profitiert auch von einer engen Bindung zu den Anleger*innen: 69 Prozent entscheiden sich für eine Rendite in Form von Urlaubsgutscheinen, freut sich Michaeler: »Wir gewinnen nicht nur Kapitalgeber, sondern auch Gäste.«

 

Die alternativen Finanzierungsmodelle im Überblick

 

Begriffskunde

Genussscheine
Ein Genussschein ist ein Wertpapier, das dem bzw. der Inhaber*in bestimmte Vermögensrechte an einem Unternehmen einräumt. Dem Unternehmen wird ermöglicht, Kapital zu generieren, ohne (neue) Aktien auszugeben. Die Investor*innen erhalten eine jährliche Gewinnausschüttung, sind aber nicht stimmberechtigt.

Wandelanleihen
Wandelanleihen sind festverzinsliche Wertpapiere, die von dem bzw. der Inhaber*in in Aktien des emittierenden Unternehmens getauscht werden können. Das Umtauschverhältnis ist bereits vorab festgelegt. Wird das verbriefte Wandlungsrecht nicht in Anspruch genommen, wird das Kapital am Ende der Laufzeit wieder ausbezahlt.

Nachrange Anleihen
Nachranganleihen sind eine besondere Form festverzinslicher Wertpapiere, die attraktive Renditen bei höherem Risiko bieten. Im Falle einer Insolvenz oder Liquidation des Unternehmens werden zuerst alle anderen, vorrangigen Gläubiger bedient. Für Emittenten eröffnet sich die Möglichkeit, das Eigenkapital zu stärken, ohne das Stimmrecht zu verwässern.

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