Montag, Mai 27, 2024
»Vielleicht waren wir eine Spur zu früh am Markt«
Peter Lenz, T-Systems: »Unternehmen wollen mit Hilfe der IT flexibler und gleichzeitig resilienter werden.« (Credit: T-Systems)

Integre Daten in einer souveränen Cloud: Peter Lenz, Vorsitzender der Geschäftsführung T-Systems Österreich, über die enge Zusammenarbeit mit Google, den Trend zu »Data Security« und das Engagement der Österreicher*innen bei einer SAP-Branchenlösung, die der Hersteller selbst ausschleifen lässt. 

Was steckt hinter der Partnerschaft von T-Systems mit Google Cloud?

Peter Lenz: Wir bieten Unternehmen in einer Partnerschaft mit Google Cloud eine »T-Systems Sovereign Cloud«, die auf Google-Infrastruktur aufsetzt. Es ist eine nahezu hundertprozentige Standard-Google-Cloud, die mit einem Schutzschild à la T-Systems versehen ist. Dieser Schutzschild garantiert, dass der Datenzugriff ausschließlich durch T-Systems-Mitarbeiter*innen erfolgen kann, und dass auch kein anderer, auch kein Drittstaat, diese Daten abgreifen kann. Wir sind dadurch gemeinsam mit Google in der Lage, das komplette europäische Datenschutzniveau und die hundertprozentige Einhaltung der DSGVO (Anm. EU-Datenschutzgrundverordnung) zu garantieren. Die Prämie für die Nutzung der Sovereign Cloud ist im Vergleich zu einem Standard-Google-Cloud-Angebot minimal höher – wir sprechen von wenigen Prozent. Gerade für datenschutzsensible Kunden ist das ein spannendes Thema. Die Nachfrage ist groß.

Eine Zusammenarbeit hatte T-Systems vor einigen Jahren bereits mit Microsoft. Was ist jetzt anders?

Lenz: Bei der früheren Zusammenarbeit mit Microsoft sind wir beim »Feature Set«, den unterschiedlichen Funktionen bei den Cloudservices, stets hinterhergehinkt. Es dauerte einige Monate, bis neue Funktionalitäten auch in der souveränen Cloud bei T-Systems verfügbar waren. In der Zusammenarbeit mit der Google Sovereign Cloud ist das nur minimal. Wir können schneller alle Funktionalitäten, die Google in seiner Public-Cloud-Variante anbietet, auch in der datensouveränen Cloud von T-Systems liefern. Vielleicht, das kann man auch sagen, waren wir mit der Microsoft-Lösung eine Spur zu früh am Markt.

An welche Unternehmen und welche Branchen adressieren Sie mit dem neuen Cloud-Service?

Lenz: Die Industrie hat schon in der Vergangenheit auf Public-Cloud-Infrastruktur gesetzt – aber wir werden mit der Sovereign Cloud sicherlich auch dort beim Thema Datensicherheit besonders sensible Kunden gewinnen. IT-Verantwortliche können jetzt auf eine Cloud-Lösung zu setzen, bei der alle datenschutzrechtlichen Bedenken ausgeräumt sind. Die Daten liegen eben nicht bei einem amerikanischen 
Hyperscaler (Anm. die größten Cloud-Serviceanbieter), sondern in der Hand eines europäischen Players – als Teil der Deutschen Telekom mit deutschen Wurzeln. Das eröffnet auch die Möglichkeit für die öffentliche Hand und den Gesundheitssektor, auf eine technische auf dem letzten Stand befindliche Public Cloud mit souveränem Charakter zu setzen. Gerade staatsnahe Organisationen waren bei der Cloud-Nutzung bislang eher zögerlich.

In welcher Region steht das Rechenzentrum der Sovereign Cloud, die T-Systems nutzt?

Lenz: Mit dem Standort Deutschland ist das entsprechende Schutzniveau auch für österreichische Kunden garantiert.

Was sind Motivatoren für die Unternehmens-IT, Services auf einer Cloud-Infrastruktur zu betreiben?

Lenz: Es geht vor allem darum, flexibler und gleichzeitig auch resilienter zu werden. Kein Unternehmen kann sich gezielt auf eine künftige Krise vorbereiten, doch wir alle haben in den vergangenen dreieinhalb Jahren gesehen, in welchen Bereichen Organisationen verwundbar sein können – und welche Bereiche man mit etwas Voraussicht beeinflussen und steuern kann. Die Widerstandsfähigkeit von Unternehmen bedeutet in einem gewissen Maß auch eine Unabhängigkeit von fixen IT-Infrastrukturen oder auch einzelnen Lieferanten und Partnern. Mit der Flexibilität von Cloud-Lösungen, angefangen bei der Private Cloud über die Public Cloud bis zu hybriden Varianten, sind Unternehmen zukunftssicher aufgestellt.

Auch Plattformen zur Sammlung und Auswertung von Daten – etwa auch mit KI – sind am besten in einer Cloud aufgehoben. Während die Debatte um KI, vor allem auch mit ChatGPT, in den letzten Monaten eher in Richtung von Anwendungen für Konsument*innen und auch Schüler*innen gegangen ist, bedeutet Artificial Intelligence im Unternehmenskontext eine bestmögliche Bewirtschaftung und einen Erkenntnisgewinn aus vorhandenen Datensätzen – mit Aussagen über die Zukunft.

Welche Herausforderungen sehen Sie dazu bei der Sicherheit von gespeicherten Daten?

Lenz: Gerade beim Entwickeln und bei der Nutzung von KI benötigen wir integre Datenbestände. Analysen aus meinen Daten können nur zutreffend sein, wenn ich mit Daten arbeite, die unverfälscht und vollständig sind. Das macht »Data Security« zu einem starken Wachstumsmarkt in der Cybersicherheit – man hat es auch an der Ausstellung des T-Systems Sommerfests im August gesehen, wie viele Cybersecurity-Unternehmen daran teilgenommen haben. Nötig wird in allen Lagen eine sogenannte Ende-zu-Ende-Security sein, damit eine Artificial Intelligence eine richtige Auswertung über einen echten, unverfälschten Datenbestand macht. Andernfalls schickt mich eine KI-Lösung auf den falschen Weg, was natürlich fatale Auswirkungen haben kann.

SAP hat im Vorjahr rund um seine Cloud-Strategie angekündigt, die proprietäre Krankenhauslösung »Industry Solution Healthcare« nicht mehr weiterzuentwickeln respektive den Support mit Ende des Jahrzehnt zu beenden. T-Systems will nun die Kunden weiterhin mit IS-H servicieren – ein ungewöhnlicher Schritt.

Lenz: Wir haben mit SAP eine Vereinbarung getroffen, die Industry Solution Healthcare in Österreich, Schweiz und Deutschland weiterzuentwickeln. Dadurch müssen Krankenhausbetreiber nicht ihr IT-System wechseln. Das wird von den User-Groups sehr positiv gesehen – T-Systems hat das Know-how und auch ein Team von bis zu 35 Fachkräften, um die Branchenlösung mit Vollgas weiter voranzutreiben. Wir heben die Lösung im SAP-Umfeld auf die S4/HANA-Plattform und stellen sie dann als T-Systems zur Verfügung.

Es gibt ein großes Interesse im österreichischen Spitals- und Gesundheitssektor, sogar in der DACH-Region, hier gemeinsam in die Zukunft zu gehen. Die Betreiber können das nutzen, was sie früher schon gehabt haben, und für uns bedeutet das eine Riesenchance. T-Systems hat diesen Bereich bereits 20 Jahre für SAP betreut und entwickelt. Wir kennen die Fachprozesse und Funktionalitäten sehr gut und arbeiten nun daran, diese in den S4-Stack zu führen.


Mehr zum Thema: Auf einem Sommerevent von T-Systems Österreich wurden Digitalisierungstrends hautnah vermittelt. Kompetenz und Kernthemen der Digitalisierung

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