Montag, Mai 27, 2024

Gebaut wird immer – und auch Arbeitskräfte werden in der Bauwirtschaft immer gesucht. Das Berufsbild hat sich jedoch stark gewandelt: Digitalisierung und Automatisierung machen vor der Branche nicht halt, viele Tätigkeitsbereiche gewinnen dadurch an Attraktivität. 


Smart Buildings, Nachhaltigkeit und Building Information Modeling (BIM) sind nur drei Trends, die in den letzten Jahren die Baubranche revolutionierten. Damit haben sich auch die Anforderungen an die Fachkräfte gewandelt – gefragt sind neben einer soliden Ausbildung auch die Neugier und Bereitschaft, sich ein Leben lang weiterzubilden. Neue Arbeitsmethoden und digitale Formen der Kommunikation werden künftig eine noch wichtigere Rolle einnehmen.

Um die Baulehre attraktiver und zukunftsfit zu gestalten, wurden die Bau-Lehrberufe und ihre Inhalte 2020 neu ausgerichtet. Die neuen Berufsbilder tragen dem zunehmenden Einsatz von digitalen Geräten auf der Baustelle Rechnung. Neue Arbeitstechniken wie digitale Vermessung, elektronisches Datenmanagement und das Prüfen von Vorleistungen fließen in die Ausbildungspläne ein. Zudem wurden die Berufe neu gegliedert und erhielten die Bezeichnungen Hochbau (davor: Mauerer*in), Betonbau (davor: Schalungsbau) und Tiefbau (davor: Tiefbauer*in).

Als Anreiz für besonders geeignete Lehrlinge, die für eine Karriere als Führungskraft aufgebaut werden, gibt es nun die vierjährige Bau-Kaderlehre. Diese beinhaltet die Grundlagen von zwei Bau-Lehrberufen, eine vertiefte baubetriebswirtschaftliche Ausbildung sowie einen frei wählbaren, technischen Schwerpunkt. Für Mathias Moosbrugger, Geschäftsführer der Erich Mossbrugger Bau GmbH, waren die Umstrukturierungen längst überfällig. »Die Baubranche war in den vergangenen Jahren durch den massiven Fachkräftemangel gezwungen zu reagieren. Die Lehrberufe mussten attraktiver gestaltet, neue Berufszweige erschlossen werden.« Das Vorarlberger Familienunternehmen, das seit 2003 durchgehend das Prädikat »Ausgezeichneter Lehrbetrieb« trägt, sucht über Social Media gezielt nach potenziellen Mitarbeiter*innen und präsentiert sich aktiv am Markt als attraktiver Arbeitgeber. Zudem bemüht man sich, die Lehrlinge nach der Ausbildung im Betrieb zu halten. 

Mathias Moosbrugger, Erich Moosbrugger Bau GmbH: »Die Baubranche war durch den massiven Fachkräftemangel gezwungen zu reagieren.« (Bild: Erich Moosbrugger Bau GmbH)

Berufe, die nie langweilig sind

Als zwischenbetriebliche Aus- und Weiterbildungsstätte für die Bauwirtschaft hat sich die BAUAkademie mit acht Standorten etabliert. Das Ausbildungszentrum der Bauwirtschaft deckt mit seinem umfangreichen Bildungsangebot alle Ebenen vom Lehrling bis zum bzw. zur Baumeister*in ab. Quereinsteiger*innen haben die Möglichkeit, einen Lehrabschluss im zweiten Bildungsweg zu erlangen und nach entsprechender Praxiszeit eine Werkmeisterschule zu besuchen. »Die Baubranche bietet einen schönen und vielseitigen Beruf, der auch anstrengend sein kann, aber nie langweilig wird«, meint Andreas Hauser, Leiter der BAUAkademie Wien. »Darüber hinaus punktet eine Karriere am Bau mit ausgezeichneten Jobaussichten und sehr guter Bezahlung.«

»Bau-Fachkräfte sind so begehrt wie nie zuvor«, bestätigt Josef Gasser, geschäftsführender Gesellschafter der Lieb Bau Weiz GmbH. »Das eröffnet für Mitarbeiter*innen die Möglichkeit, rasch die berufliche Karriereleiter empor zu klettern bzw. sich auf sachlicher Ebene zu spezialisieren.« Moderne Technologien machen die Tätigkeiten spannender und ansprechender. Trotzdem ist das Gewinnen neuer Fachkräfte nur eine Seite der Medaille – dafür sorgt das steirische Familienunternehmen mit einer qualitativ hochwertigen Lehrlingsausbildung, auf die über unterschiedlichste Kanäle aufmerksam gemacht wird. Ebenso sorgsam bemüht man sich, bestehende Mitarbeiter*innen langfristig an den Betrieb zu binden. »Unsere loyalen Fachkräfte sind das Fundament unseres Erfolgs«, unterstreicht Gasser. »Der Ausdruck von Wertschätzung – durch Auszeichnungen, gemeinsame Veranstaltungen – und Mitarbeiter-Vergünstigungen in unseren Betrieben sowie eine Vielzahl an weiteren Maßnahmen sind dabei zentral.«

Josef Gasser, Lieb Bau Weiz GmbH: »Unsere loyalen Fachkräfte AC das Fundament unseres Erfolgs.« (Bild: Sandra Förster)

Vier-Tage-Woche als Anreiz

Auch Baumit forciert seit 15 Jahren die Lehrlingsausbildung in einer eigenen Lehrwerkstätte. Nach dem Abschluss haben die Mitarbeiter*innen beste Chancen, im Unternehmen eine erfolgreiche Berufslaufbahn zu starten. Mehr als zwei Drittel der selbst ausgebildeten Mitarbeiter*innen sind noch immer bei Baumit beschäftigt – viele davon in verantwortungsvollen Positionen.

Gabriel Asavoaei, frischgebackener Berufsstaatsmeister der Isoliertechnik, vertrat die Baumit Lehrwerkstätte bei den AustrianSkills 2021. 18 Stunden hatten die Wärme-Kälte-Schall- und Brandschutztechniker*innen Zeit, um ein Einzelstück zu fertigen, bei dem eigene Ideen gefragt waren und unter verschiedenen Isoliermaterialien die richtige Wahl zu treffen war. Handwerkliche Geschicklichkeit wurde ebenso bewertet wie Sicherheit, Sauberkeit und Genauigkeit. Der junge Techniker überzeugte die Jury mit einer Spitzenleistung und qualifizierte sich damit für die internationalen Berufswettbewerbe WorldSkills 2022 in Shanghai. Trotz der guten Reputation gelingt es Baumit nicht immer, alle freien Lehrplätze zu besetzen. »Wir freuen uns über jede Bewerbung«, sagt Manfred Tisch, Geschäftsführer der Baumit GmbH. »Wer in der Baumit Lehrwerkstätte beginnt, fasst schon bald international Fuß und kann auch in anderen Baumit-Werken eine Karriere starten.«

Gabriel Asavoaei (2. v.re.) freut sich mit Ausbilder Manfred Postl, Baumit-Geschäftsführer Manfred Tisch und Ausbilder Christian Beisteiner (v.li.) über den Erfolg bei den AustrianSkills 2021. (Bild: Baumit)

Die Unternehmensgruppe Rohrdorfer sorgt mit zahlreichen Automatisierungs- und Digitalisierungsprojekten dafür, dass die Mitarbeiter*innen »weniger Routinearbeit auf den Tisch bekommen und bessere Arbeitsbedingungen vorfinden«, so Personalleiterin Sandra Rieder-Grandits. An Standorten, die sich nicht in der Nähe von Städten oder Ballungszentren befinden, braucht es dennoch zusätzliche Angebote wie eine Vier-Tage-Woche, um qualifizierte Bewerber*innen zu überzeugen. Wer früh Verantwortung übernehmen möchte, darf das bei Rohrdorfer sehr rasch.Zudem bieten sich in den fünf Unternehmenssparten auch vertikale Karrieremöglichkeiten, wie Rieder-Grandits erklärt: »Aus der Sparte Sand und Kies kann man so beispielsweise auch in den Bereich Transportbeton, Betonwaren oder Zement wechseln. Unsere Mitarbeiter*innen sind auch deshalb oft viele Jahrzehnte bei uns, weil sie sich innerhalb des Unternehmens immer weiterentwickeln und neue Karrierestufen erklimmen konnten.«

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