Mittwoch, Februar 28, 2024
Beton braucht Putz
Foto: iStock

Beton ist einer der gängigsten Baustoffe im Wohnbau. Er ist langlebig, verfügt über hohe Festigkeit, hat eine ausgeprägte Wärmespeicherfähigkeit, ein hohes Schalldämmmass und schirmt gut gegen elektromagnetische Felder ab. Kommt zudem noch mineralischer Putz auf die Betonwand, verbessern sich Raumklima, Schallschutz und Schadstoffbelastung.

Putz auf Beton: Die Vorteile

Putz...
    ... dämmt Schall
    ... sorgt für gesundes Raumklima
    ... schafft den perfekten Untergrund für Fliesen, Streichen oder Tapezieren
    ... schützt vor Schimmel
    ... sorgt für ein schönes und behagliches Zuhause.

Man kann den alten Römern viel vorwerfen: rücksichtslosen Imperialismus, menschenverachtende Sklaverei oder überbordende Dekadenz. Trifft alles zu. Aber eines muss man ihnen lassen. Sie wussten, wie man baut. Sie errichteten architektonische Landmarken wie das Kolosseum oder zahlreiche Aquä- und Viadukte, von denen viele noch heute zu bewundern sind. Von den damals entwickelten Techniken und Materialien profitierte die Baukunst über Jahrhunderte. Und schon damals schätzte man die Vorteile von Putz. In der Antike verputzte Wände, die bis heute erhalten sind, beweisen seine Langlebigkeit.

Heute sind die Herausforderung oftmals andere. Gerade im Wohnbau geht es aktuell vor allem darum, möglichst schnell leistbaren Wohnraum zu schaffen. Dabei setzen viele Bauträger auf eine Betonkonstruktion, die von außen gedämmt und von innen gespachtelt wird. Beton ist nicht nur langlebig, er verfügt auch über hohe Festigkeit, hat eine ausgeprägte Wärmespeicherfähigkeit, ein hohes Schalldämmmaß und schirmt gut gegen elektromagnetische Felder ab.

Feuchtigkeitspuffer Putz

Die Feuchtepufferfähigkeit von Wand­elementen hat einen zentralen Einfluss auf die Ausgewogenheit des Raumklimas und damit auf die Behaglichkeit und Wohngesundheit. Kommt auf die Betonwände ein feuchtregulierender Innenputz kommt es zu einer deutlichen Verbesserung der Raumluftfeuchtigkeit und Behaglichkeit im Innenraum. Wie sehr bereits eine dünne Schicht von 1,5 bis 2 cm diffusionsoffener, mineralischer Putz auf Betonflächen das Innenraumklima verbessern kann, zeigen Messungen im Viva Forschungspark (siehe auch Seite 56).

Objektive Forschungsergebnisse

Verglichen wurden ein Betonhaus mit und ohne Putz. Das beschichte Forschungshaus wies eine konstante relative Luftfeuchtigkeit von 40 bis 60 % auf – das entspricht genau dem Behaglichkeitsbereich. Das nur mit Innendispersion beschichtete Betonhaus hingegen über und unterschritt die Behaglichkeitswerte immer wieder - das bedeutet die Luftfeuchtigkeit in diesem Gebäude wies weitaus stärkere Schwankungen auf und war immer wieder zu trocken oder zu feucht.

Diffusionsoffene, mineralische Putze können Luftfeuchte besonders gut aufnehmen und wieder an die Raumluft abgeben. Spezielle Feuchtigkeitspufferungs-Tests zeigen, dass bei einem plötzlichen Anstieg der relativen Luftfeuchtigkeit von 40 % auf 80 % etwa durch Duschen oder Kochen eine Betonwand mit nur 2 cm Putz in den folgenden zwei Stunden sogar doppelt so viel an Feuchtigkeit zwischenspeichern wie eine unverputzte Betonwand.

Ohne Putz entsteht auf Betonflächen an kritischen Wandstellen – das sind Stellen, die etwas kühler als die Raumluft sind – bei hoher Luftfeuchtigkeit Kondensation oder Wandfeuchten, die Schimmelbewuchs begünstigen. Werden diese Betonflächen verputzt, wirkt der Putz ausgleichend und kann kritische Wandfeuchten abpuffern.

In Zeiten hoher Luftfeuchtigkeit wird so die Luftfeuchte aufgenommen, um in Zeiten niedriger Luftfeuchte wieder abgegeben zu werden. Auch bei niedriger Luftfeuchtigkeit, wie das in modernen Wohnungen mit mechanischer Belüftung oft der Fall ist, können Putze zu einem ausgeglichenen Innenraumklima beitragen. So können sie vorhandene Feuchtigkeit, die beispielsweise durch Kochen oder nasse Wäsche zugeführt wird, speichern und langsam wieder abgeben.

Perfekter Untergrund

Putz verbessert aber nicht nur das Raumklima, er wirkt sich auch positiv auf die Schallabsorption und die Schadstoffbelastung aus. In Kombination mit einer Putzbeschichtung weisen Häuser praktisch keine Belastung durch chemische Reizstoffe oder Geruchssubstanzen und können rasch nach Fertigstellung bezogen werden.

Auch der Schallschutz wird durch die Aufbringung von mineralischem Putz deutlich verbessert. Untersuchungen des Österreichischen Instituts für Baubiologie und Ökologie haben gezeigt, dass im Vergleich zu anderen Bauweisen Betonhäuser mit Innenputz den höchsten Schallschutz bieten.  
Darüber hinaus schafft Putz auf Betonwänden den perfekten Untergrund für Fliesen, Streichen und Tapezieren.


Einfluss der Putzstärke auf die Feuchtepufferfähigkeit

Im Viva Forschungspark wurde in Laborversuchen getestet, wie sich die Stärke der Putzschicht auf die Feuchtesorption auswirkt. Untersucht wurden Schichtstärken von 0,5 cm bis 2,0 cm auf Betonprüfkörpern. Die Probekörper wurden bei 20 °C und 50 % relativer Luftfeuchtigkeit in Zeitintervallen von 2 Stunden auf 20 °C und 80 % relative Luftfeuchtigkeit konditioniert und anschließend wieder bei »trocknenden« Bedingungen gelagert.

Danach wurde die Feuchteaufnahme und -abgabe bestimmt. Es zeigte sich, dass sich die Feuchteabsorption verbesserte, je stärker die Putzschicht war. Das Optimum wurde bei einer Schichtstärke von 1,5 cm erreicht. Bei stärkeren Schichten kam es zu keiner wesentlichen Verbesserung der Feuchteabsorption mehr.

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