Dienstag, Juni 25, 2024
Frauenpower

Frauen stellen ein hohes Beschäftigungspotenzial zur Fachkräftesicherung und müssen vermehrt zur Unternehmensgründung motiviert werden, vor allem in frauenuntypischen Branchen. Das war eine der Forderungen des heurigen Unternehmerinnen-Kongresses.

»Frauen sind auf der Überholspur.« Mit diesen Worten eröffnete der damals Noch-WKO-Präsident Christoph Leitl den 5. Unternehmerinnen-Kongress in Linz, der im April unter dem Motto »Neue Märkte, Neue Chancen« stattfand. Daher müsse umso mehr Wert auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gelegt werden. Mehr als die Hälfte der selbstständigen Frauen hat Kinder. Martha Schultz, Bundesvorsitzende von Frau in der Wirtschaft, konkretisierte. Es brauche eine Arbeitszeitflexibilisierung, hochwertige und flächendeckende Betreuungsangebote, ebenso die Reduzierung der Schließzeiten von Kinderbetreuungseinrichtungen auf maximal drei Wochen pro Jahr, die Erweiterung der Öffnungszeiten auf mindestens 50 Stunden pro Woche sowie eine einheitliche Regelung der schulautonomen Tage und bundesweit einheitliche Standards der Kinderbetreuung. Müttern nach der Babypause müsse zudem der Wiedereinstieg ins Berufsleben erleichtert werden.

Gefordert ist ein Umdenken

Wie in Linz wieder deutlich wurde, braucht es gesellschaftliches Umdenken aktueller denn je. Gritta Grabner, Bundesgeschäftsführerin Frau in der Wirtschaft: »Bei frauenuntypischen Berufen wie z.B. Rauchfangkehrer werden Frauen selbst im Familienkreis vielfach noch immer nicht bei einer Unternehmensnachfolge berücksichtigt.« Die Arbeitswelt und damit auch die Arbeitsweisen haben sich massiv verändert. Das muss erkannt werden, die sich daraus ergebenden Chancen wie Home Office und neu entstehende Geschäfts- und Arbeitsmöglichkeiten etwa im Bereich Online Marketing oder Social Media sind zu realisieren. »Das meinen wir mit dem Motto des heurigen Kongresses«, so Grabner.

Bild: Der fünfte Unternehmerinnen-Kongress in Linz stand unter dem Motto »Neue Märkte, Neue Chancen«.

Initiativen für Frauen

Wege, qualifizierte Frauen auf ihrem Weg in die Technik generell, aber auch in Führungsetagen zu unterstützen, gibt es bereits. In Oberösterreich zeigt die Initiative »g’lernt is g’lernt« in Schulen Chancen auf, die sich mit einer Lehre eröffnen: von der Karriere als Facharbeiterin bzw. Facharbeiter bis zum eigenen Betrieb. Ein wesentlicher Eckpfeiler für Mädchen sind dabei weibliche Role-Models, Unternehmerinnen, die in ihrem Bildungsweg eine Lehre absolviert haben und somit eine Vorbildrolle einnehmen. Geplant ist neben einem Videofilm, in dem Jugendliche in ihrem Lehrberuf begleitet werden, ein Kinospot. In Kärnten wird u.a. über Schnuppertage die Möglichkeit geboten, technische Berufe kennenzulernen. Aktionstage wie der »Girls Day« bzw. Lehrlingsmessen und Förderprogramme an Hochschulen schaffen Bewusstsein für Technik. Eine bundesweite Initiative bildet das Programm »Zukunft.Frauen«, das vom Wirtschaftsministerium mit der WKO und der IV nach norwegischem Vorbild entwickelt wurde. Zielgruppe sind Frauen auf dem Weg in die Führungsebene bzw. in den Aufsichtsrat. Gecoacht werden sie in acht Modulen, einer Verbindung aus Workshops, Netzwerkaufbau und Mentoring-Programmen.

Gritta Grabner verweist auf die Aufsichtsrätinnen-Datenbank, einem Pool, in dem sich qualifizierte Frauen registrieren können: »Es ist zu begrüßen, dass mehr Frauen in Aufsichtsräten vertreten sind.« Seit Jänner 2018 gilt in Aufsichtsräten von Unternehmen, die entweder börsennotiert sind oder ständig mehr als 1.000 Mitarbeiter beschäftigen, eine gesetzliche Frauenquote von 30 %. Die Zusammensetzung des Aufsichtsrats muss nicht unmittelbar geändert werden, sondern erst im Zuge anstehender Neuwahlen. Derzeit gibt es in der Datenbank 606 Eintragungen.

 

TOP-7 Gründungsmotive für Frauen

1. Flexible Zeit- & Lebensgestaltung: 74,70 %
2. Die »eigene Chefin« sein: 58,80 %
3. Neue Berufsperspektive: 57,09 %
4. Wunsch nach Eigenverantwortung: 53,50 %
5. Steigerung des Einkommens:
53,50 %
6. Vereinbarkeit von Familie und Beruf: 50,09 %
7. Selbstständigkeit als zweites Standbein zum Beruf: 46,67 %
Quelle: Gründerservice, Motivumfrage 2017

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