Montag, Juni 29, 2026

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Die US-Wissenschaft steht vor einem historischen Einschnitt: Massive Budgetkürzungen, institutionelle Eingriffe und ein wachsender Talentabfluss gefährden die Innovationsbasis einer Supermacht – und damit die Supermacht selbst. „Das hat globale Folgen, auf die sich Anleger einstellen sollten “, erklärt Thorsten Fischer, Managing Director und Head of Portfolio Management bei Moventum AM.

US-Regierung streut Sand in ihre Innovationsmaschine
Thorsten Fischer ist Managing Director und Head of Portfolio Management bei Moventum AM.

Die Vereinigten Staaten erleben derzeit eine Erschütterung ihres Wissenschaftssystems. Die Regierung hat vorgeschlagen, das Budget der National Science Foundation (NSF) zu halbieren. Parallel wurden seit April 2025 über 1.600 laufende Forschungsprojekte abrupt beendet. Hinzu kommen institutionelle Eingriffe: Die Mitglieder des National Science Board wurden entlassen, der NSF-Direktor trat vorzeitig zurück. In der Forschungscommunity ist von „Chaos“ die Rede.

Doch die eigentliche Tragweite dieser Entwicklung zeigt sich nicht in aktuellen Kürzungen, sondern in den Innovationen, die künftig ausbleiben werden. „Technologien, Industrien und Unternehmen, die nie entstehen, tauchen in keiner Statistik auf und bleiben dennoch der größte Verlust“, erklärt Fischer. 

Wenn der Staat sich aus der Forschung zurückzieht, klafft eine riesige Lücke. Denn ein Blick in die Geschichte zeigt: Die technologische Dominanz der USA beruht auf staatlich finanzierter Grundlagenforschung. Internet, GPS, Cloud Computing und künstliche Intelligenz entstanden nicht aus kurzfristigem Renditedenken, sondern um die Forschung aus strategischer Sicht langfristig zu fördern. „Private Kapitalmärkte sind strukturell kaum in der Lage, diese Rolle zu übernehmen“, so Fischer. „Die Risiken sind hoch, die Zeithorizonte lang, die Visibilität künftiger Renditen begrenzt.“ Eine besondere Ironie: Auch die vom US-Präsidenten geschätzte militärische Überlegenheit der Vereinigten Staaten basiert historisch auf ziviler Grundlagenforschung.

An der Wissenschaft wird derzeit nicht nur gekürzt, besonders kritisch ist ihre zunehmende Politisierung. „Mit der Entlassung des National Science Board gerät die institutionelle Unabhängigkeit unter Druck – eine zentrale Voraussetzung für langfristige Innovationsfähigkeit“, sagt Fischer. Gleichzeitig verlieren die USA an Attraktivität für internationale Spitzenforscher. Politischer Druck auf Universitäten, restriktivere Einwanderungsregeln und steigende Forschungsinvestitionen in Europa und Asien führen dazu, dass sich globale Talentströme neu ausrichten.

Der strategische Konflikt verschiebt sich damit: Es geht nicht mehr nur um den technologischen Wettbewerb zwischen den USA und China, sondern um den Gegensatz zwischen offenen Innovationssystemen und politisierten Wissenschaftsstrukturen.

Was bedeutet das für Anleger? „Der Verlust technologischer Führungsfähigkeit erfolgt selten abrupt“, erklärt Fischer. Er beginne schleichend – mit weniger Forschung, weniger Talenten und weniger Durchbrüchen. „Genau diese Erosion könnte bereits eingesetzt haben.“ Für Investoren gewinnt damit ein neuer Faktor an Bedeutung: technologische Innovationskraft als geopolitisches Asset. Der Wettbewerb um Talente, Forschungskapazitäten und KI-Infrastruktur dürfte sich weiter verschärfen. Europa und Asien könnten selektiv von einer relativen Schwächung der USA profitieren.

Die USA riskieren damit erstmals seit Jahrzehnten ihren größten strategischen Vorteil. „Denn auch im 21. Jahrhundert entsteht geopolitische Macht nicht allein durch Kapital oder militärische Stärke“, so Fischer, „sondern durch die Fähigkeit, die Technologien der nächsten Dekade hervorzubringen.“

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