Donnerstag, November 05, 2026

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Die Debatte verfolgt die IT-Branche seit Jahren. Wie hoch ist der Energieverbrauch von IT-Infrastruktur und wie viel Wasser benötigt eigentlich ein Gebäudekomplex, der Server, Cloudservices und Rechenleistung beherbergt? Die Branchenorganisation Austrian Datacenter Association (ADCA) hat in Zusammenarbeit mit dem Datacenter-Betreiber Digital Realty dazu eine Studie in Auftrag gegeben. Sie unterstreicht die volkswirtschaftlichen Effekte des Sektors.

Rechenzentren: wenig Wasser, viel Wachstum
Fotos: iStock, Georg Krewenka


Rund 50 Rechenzentren mit einem Gesamtenergieverbrauch von gut 1,4 TWh Strom werden in Österreich gezählt. Fast die Hälfte, 46 Prozent der heimischen Datacenter sind in Wien und Wien-Umgebung angesiedelt. Der Strombedarf wird mit einem erneuerbaren Anteil von 58 % gedeckt und es gibt erste bereichsübergreifende Projekte, in denen die Abwärme eines Standorts für die lokale Versorgung eines Großverbrauchers – in Wien Floridsdorf ist es das Krankenhaus Nord – genutzt wird.

Während derartige Kopplungen von Energiesystemen noch Einzelfälle sind, ist die Branche beim Wasserverbrauch mustergültig aufgestellt. Der durchschnittliche Wasserverbrauchsgrad („Water Usage Effectiveness“) beträgt mit 0,14 einen Bruchteil des EU-Durchschnitts von 0,58. Der Quotient beschreibt das Verhältnis des Wasserbedarfs zum Energieverbrauch einer IT-Infrastruktur (Grafik). Der Grund ist der vergleichsweise geringe Einsatz von Kühlungen mit externem Wasserzulauf an den Standorten. Wenn Flüssigkeiten eingesetzt werden, dann meist in geschlossenen Kreislaufsystemen.

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Besonders wichtig ist für ADCA-Präsident Martin Madlo die Hebelwirkung der Rechenzentren. „Sie sind ein fundamentaler Baustein unserer digitalen Gesellschaft in den Regionen und im ganzen Land“, betont er. Nur wenige Dienstleistungen oder Produktionsbetriebe würden heute ohne Services aus einem Rechenzentrum funktionieren. Sektoren wie Gesundheit, Bildung, Verwaltung und Wirtschaft sind auf leistungsfähige IT-Infrastrukturen angewiesen.

„Der gesamte ökonomische Beitrag der Cloud-Nutzung in Österreich hat im Jahr 2023 mit 6,2 Milliarden Euro 1,3 Prozent der Wirtschaftsleistung entsprochen. Mit einer Ausgabe von einem Euro für die Cloud geht ein BIP-Effekt von 1,45 Euro einher“, erklärt Studienleiter Christian Helmenstein, Vorstand des Wirtschaftsforschungsinstituts Economica. Er betrachtet die Plattformen für Produktivität und Effizienz gar als die „Dampfmaschinen des 21. Jahrhunderts“. Ein Spill-over-Effekt in Regionen mit leistungsfähiger Rechenleistung würde „eine Vielzahl von neuen Ökosystemen“ entstehen lassen. Auch makroökonomisch, so bescheinigt Helmenstein, erhöht die IT-Branche mit Datacentern die Fertigungstiefe im Land.

Standortpolitik gefragt
Nun wirkt auch KI als Turbo auf die Nachfrage. „Im Jahr 2030 werden global rund 70 Prozent der gesamten Nachfrage nach Rechenzentrumskapazität auf KI-Anwendungen zurückgehen“, erwartet Martin Madlo. Er fordert für den Wettbewerb in Zentraleuropa nun von der Politik Standortkonzepte, ausreichende und planbare Anschlussmöglichkeiten ans Stromnetz, eine wettbewerbsfähige Energieversorgung und priorisierte Genehmigungsverfahren.

Gegenwärtig hinkt Österreich bei Flächenwidmungen und Netzzugängen deutlich hinter anderen Ländern nach. Gerade im Großraum Wien würden die Wartezeiten „mehrere Jahre“ betragen, die Warteschlange für Stromanschlüsse in Österreich ist bereits 1 GW (Leistung) lang. Das kommt einer Ewigkeit gleich, für die wirtschaftliche Planung in Projekt-Zeiträumen, die mit der rasanten Chipentwicklung und Leistungszuwächsen in der IT kaum Schritt halten kann.

Das größte Datacenter in Österreich betreibt Digital Realty. „In den letzten fünf Jahren haben wir einen mittleren zweistelligen Millionen-Euro-Betrag in den Standort investiert. Das zeigt, dass Datacenter-Projekte keine Einmalinvestitionen sind, sondern eine nachhaltige Investitionstätigkeit in den Standort bedeuten“, erläutert Yves Zischek, Managing Director Digital Realty Schweiz und Österreich. Auch er sieht mehr Aufmerksamkeit für die Branche und die herrschenden Hürden für den Ausbau neuer Standorte notwendig: „Das ökonomische Wachstum ist an die Digitalisierung gebunden“.

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Bild: Sehen Rechenzentren als Wachstumsmotor für die österreichische Wirtschaft: Christian Helmenstein (Economica), Martin Madlo (ADCA) und Yves Zischek (Digital Realty).

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