Tuesday, March 10, 2026

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Wie generative KI die Services von Lernplattformen verändert. Lukas Guschlbauer ist Lead Product Designer bei dem Educational-Tech-Unternehmen StudySmarter mit rund 40 Millionen Nutzer*innen.

Credit: Lilly Mörz

Das Münchener EdTech-Unternehmen StudySmarter bietet eine Lernplattform, auf der sich Schüler*innen und Studierende auf Prüfungen vorbereiten können. Die Nutzer*innen können ihre eigene Materialien hochladen, die mithilfe von KI in Karteikarten, Lernpläne und personalisierte Lernpfade übersetzt werden. Lukas Guschlbauer verantwortet die Design Leadership, die enge Zusammenarbeit mit den Co-Foundern in der Produktstrategie, die Definition von Designstandards, wiederkehrenden Mustern und neuen Features. "Das Design der Oberfläche ist das eine, uns geht es vor allem aber um die ständige Optimierung des Lernprozesses für die Nutzer*innen", beschreibt Lukas Guschlbauer gegenüber dem Report die derzeit größte Veränderung im Markt: KI.

Report: Wie verändert KI die Erwartungen der Nutzer und Ihren Entwicklungsprozess?

Lukas Guschlbauer: Fast jeder nutzt heute KI-Tools wie ChatGPT oder Google Gemini, um sich Inhalte erklären zu lassen oder auch Karteikarten zu generieren. Damit ersparen sich die Lernende bereits viel manuelle Arbeit. Damit haben sich auch die Anforderungen an Lernplattformen geändert, da Nutzer*innen diese Geschwindigkeit und Qualität auch von uns erwarten. Der Unterschied ist jedoch, dass ChatGPT einfach nur Antworten zu Fragestellungen oder einen statischen Lernplan liefert. Wir dagegen wollen den Lernprozess längerfristig begleiten.

Auch wir setzen auf KI und unterstützen die Schüler*innen entlang von Lernfortschritten, bieten ein Performance-Tracking über einzelne Themenstellungen hinaus und können auch den Lernpfad dynamisch anpassen. Die Inhalte im schulischen Bereich sind in der Regel standardisierbar, hier gibt es auch User Generated Content auf der Plattform – Karteikarten, die mit der Community geteilt werden. Im Studium sind der Lernstoff und die Fragestellungen stärker personalisiert. Dort lernen unsere Nutzer*innen oft anhand ihrer eigenen Skripte und lassen daraus Lernprogramme entlang ihres Bildungsniveaus erstellen.

Report: Auf welche Modelle setzen Plattformen wie StudySmarter?

Guschlbauer: Technisch arbeiten wir mit unterschiedlichen Modellen und Anbietern, je nach Anwendungsfall. Es kann sein, dass wir für einen bestimmten Zweck, ein günstiges GPT-Modell einsetzen, dann für eine andere Operation Google Gemini. Man muss hier stets die Stärken und Schwächen der einzelnen Modelle abwägen, auch in Relation zu den Kosten. Ein sehr akkurater Lernplan etwa kann ein teureres Modell erfordern, das ab einer bestimmten Token-Zahl vielleicht einige Cent pro Abfrage kostet. Wenn man das auf Millionen Requests hochrechnet, wird das betriebswirtschaftlich schnell relevant. Deshalb testen wir intensiv, welches Modell bei welchem Anwendungsfall das beste Verhältnis aus Qualität und Kosten bietet. Intern nutzen wir dazu ein Prompt-Management-Tool, in dem alle System-Prompts versioniert und getrackt sind. Über dieses Tool können wir A/B-Tests fahren, neue Prompt-Versionen gegen bestehende testen und die Qualität der Ergebnisse messen.

Report: In welchem Wettlauf befinden sich hier Applikationsentwickler mit den KI-Plattformen? Wie eng ist man mit seinen Services auch an die Anbieter gebunden?

Guschlbauer: Technisch können wir relativ einfach zwischen Modellprovidern wechseln, indem wir im Code im Prinzip nur eine Zeile anpassen. Aber strukturell besteht Abhängigkeit, weil die großen Anbieter Geschwindigkeit und Innovationszyklen vorgeben. Ich habe schon Pläne für komplexe Lösungen erarbeitet – in unserem Fall zum Beispiel, um ein Detail in der Wissensextraktion aus Lernmaterialien zu verbessern –, die eine Woche später mit dem Update eines KI-Modells schon wieder überholt waren. Schon vor dem KI-Hype wurden Start-ups auf diese Weise „sherlocked“. Nicht nur einmal wurde ein Alleinstellungsmerkmal in einem Geschäftsmodell mit nur einem Update eines Standard-Features am iPhone gekillt und war von einem Tag auf den anderen auf Millionen Endgeräten gratis verfügbar.

Die KI-Plattformen bestimmen derzeit das Tempo der Produktentwicklung. Gleichzeitig verbrennen viele dieser Anbieter enorm viel Kapital. Man wird sehen, ob das aktuelle Preisniveau für die KI-Anbieter langfristig haltbar ist.

Report: Welche Konsequenz sehen Sie daraus für Startups- und auch etablierte Unternehmen, die KI-gestützte Services anbieten?

Guschlbauer: Wer KI nur oben draufpackt, also einfach einen Assistenten auf seinen Service setzt, aber das eigentliche Produkt nicht von Grund auf neu denkt, wird es mittelfristig schwer haben. Unternehmen sollten vielmehr die Architektur ihres Produkts, die „User Journey“ ihrer Zielgruppen und auch ihr Businessmodell kritisch hinterfragen.

Gleichzeitig erleben wir eine enorme Beschleunigung in der Softwareentwicklung. Eine funktionierende App ist heute innerhalb von Minuten generiert, beispielsweise mit Lovable, einem KI-Programmier-Tool aus Stockholm, das nach einem Jahr am Markt einen Jahresumsatz von mehreren hundert Millionen Dollar und eine Bewertung in Milliarden-Dollar-Höhe erreicht hat. Das zeigt, wie schnell Skalierung möglich ist und auch Investoren gefunden werden, wenn man Nischen erkennt.

Report: Wie verändert KI die Rollenbilder im Unternehmen?

Guschlbauer: Am Arbeitsmarkt sind derzeit Juniorrollen deutlich weniger gefragt. Unternehmen suchen eher Seniors, die verlässlich arbeiten und sich schnell an Situationen anpassen können. Gleichzeitig sehe ich jedoch junge Entwickler, die KI wie selbstverständlich einsetzen und extrem produktiv sind. Sie erkennen oft schneller die neuen Möglichkeiten und sind offener, das auch einzusetzen. Die Generation, die mit KI aufwächst, wird einen Vorteil am Arbeitsmarkt haben.

Report: Wie entwickeln Sie Ihr Produkt weiter, um weiterhin einen Vorsprung zu haben?

Guschlbauer: Unser Anspruch ist eine holistische Lernplattform mit fundierten Lerntechniken und mit adaptiven, dynamischen Lernpfaden. Je länger Nutzer*innen bei uns lernen, desto präziser wird deren Profil. Wir wissen, wo die Stärken und Schwächen im Stoffgebiet liegen und ob sie besser mit Audio, Video oder Text lernen. Wir wollen auch noch stärker die Zusammenarbeit zwischen den Lernenden ermöglichen und auch mehr Spaß ins Lernen bringen. Letztlich geht es uns darum, möglichst den Stress und den Druck aus dem Lernen rauszunehmen – und trotzdem effektiv beim Erreichen von Lernzielen zu unterstützen.

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