Montag, Juni 29, 2026

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Der russische Angriffskrieg in der Ukraine hält unvermindert an. Trotzdem treffen im Hintergrund internationale Geldgeber und Institutionen bereits Vorbereitungen für die Zeit danach. Die Entwicklung von Infrastrukturprojekten für den Wiederaufbau eröffnet auch Geschäftschancen für österreichische Unternehmen.

Ein zerstörter Panzer vor einem zerstörten Haus.
Bild: iStock

 

Internationale Finanzinstitutionen treffen derzeit vorbereitende Maßnahmen, um nach Beendigung des Ukraine-Kriegs zeitnah Wiederaufbauvorhaben nach dem Grundsatz »Build Back Better« umzusetzen. Diese sollen das Land nicht nur strukturell modernisieren, sondern eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung ermöglichen. Schon jetzt werden in der gesamten Ukraine laufend beschädigte Wohnhäuser repariert, Brücken und Straßen instandgesetzt und die Gesundheits- und Energieversorgung wieder hergestellt.

Die ukrainische Regierung hat einen umfangreichen Wiederaufbauplan vorgelegt, der auf einen Zeitraum von zehn Jahren ausgelegt ist. Er umfasst 850 Projekte, darunter etwa die Errichtung von Photovoltaikanlagen für Krankenhäuser, Sanierungs- und Bauarbeiten für öffentliche Gebäude und Wohnhäuser sowie die Instandsetzung des Verkehrssektors.

Die Plattform go-international der Wirtschaftskammer Österreich stellt eine Übersicht aktueller, von internationalen Organisationen finanzierter Ausschreibungen zur Verfügung. Geldgeber sind u. a. die Weltbank, die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD), die Europäische Investitionsbank (EIB), die Nordic Environment Finance Corporation (NEFCO) und die Internationale Organisation für Migration (IOM).

Expertise aus Österreich
Eine wesentliche Säule des zukünftigen Wiederaufbaus werden aber auch der Privatsektor und ausländische Direktinvestitionen sein. Schon jetzt sind österreichische Unternehmen mit rund 200 Niederlassungen in der Ukraine aktiv und bringen ihre Expertise ein. Im Vorjahr lotete eine Wirtschaftsdelegation direkt vor Ort mögliche Chancen heimischer Betriebe aus. Kari Ochsner, Präsident der niederösterreichischen Industriellenvereinigung und Geschäftsführer der Firma Ochsner Wärmepumpen, unterzeichnete eine Kooperation zum Aufbau eines Produktionsstandorts in der Ukraine. Auch das Maschinenbauunternehmen Rubble Master, das bereits nach einem Erdbeben in der Türkei schweres Gerät zum Wegräumen von Schutt einsetzte, will sich beim Wiederaufbau in der Ukraine engagieren. Der Kranbauer Palfinger rüstet seine polnischen Standorte mit Lkw-Hebekranen aus. Das Salzburger Unternehmen nahm wie Andritz Hydro, Binderholz und Rockster an der Fachmesse »ReBuild Ukraine« in Warschau teil. Von 11. bis 12. November 2026 findet diese Veranstaltung bereits zum sechsten Mal statt.

Das Finanzministerium und die Oesterreichische Kontrollbank (OeKB) bieten Unternehmen über die Ukraine-Fazilität Unterstützung für Geschäfte in der Ukraine. Projekte mit heimischer Wertschöpfung werden auf Basis einer Staatsgarantie mit bis zu zehn Millionen Euro abgesichert. Zur Absicherung von Exporten im Privatsektor gibt es Deckungsvereinbarungen bis zu fünf Millionen Euro.

Ausgenommen sind die derzeit von Russland annektierten Gebiete und kriegsnahe Regionen. Die geopolitische Unsicherheit ist auch die Achillesferse der ambitionierten Wiederaufbaupläne – niemand weiß, wann und wie der Krieg enden wird. Für eine nachhaltige Entwicklung braucht es zudem stabile politische Verhältnisse. Die Bekämpfung der Korruption, die Schaffung verlässlicher rechtsstaatlicher Strukturen und die hohen Verluste an qualifizierten Arbeitskräften sind dann die weiteren großen Herausforderungen, die es zu bewältigen gilt.

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