Donnerstag, Juli 09, 2026

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Die steigende Unproduktivität

Unlängst mit der Frage »Was sind die Gründe für die sinkende Produktivität in der Baustoffindustrie?« konfrontiert, begab sich der Autor dieser Zeilen auf die Suche nach Antworten. Und wurde rasch fündig. Denn der Kostenanteil »Produktion« und jener für »Overhead« an den Gestehungskosten driften zunehmend auseinander - die letzten Jahre sogar recht rasant.

Trotz der Ankündigungen der neuen EU-Kommission, den »Clean Industrial Deal« zum Schwerpunkt der nächsten Legislaturperiode zu machen, braucht es einen enormen Kraftakt, um auf dem Produktivitätspfad eine Trendwende einzuleiten. Der neue EU-Kommissar für Wirtschaft und Produktivität, Valdis Dombrovskis, soll sich dieses Themas annehmen und für eine Entrümpelung der Rechtsvorschriften sorgen. 25% weniger sei das erklärte Ziel, das er mit seinem Statement unterstreicht, dass jede investierte Minute in das Ausfüllen von Formularen eine unproduktive Minute sei und es diese zu reduzieren gilt, will man wettbewerbsfähig bleiben – oder sollte man besser sagen: werden! Denn viel ist bereits in der »Pipeline« und viele Umsetzungsvorschriften aus dem bisherigen Green Deal sind noch gar nicht auf Ebene der Mitgliedsstaaten umgesetzt und werden uns noch einige weitere unproduktive Stunden einbringen.

Weitere unproduktive Stunden
Als aktuelles Beispiel sei die EU Deforestation Regulation (EUDR - VO 2023/1115,) also die Entwaldungsverordnung, genannt. Konkret geht es vereinfacht darum, ab 2025 nachzuweisen, dass Produkte »entwaldungsfrei« hergestellt werden. Bei Kaffee und Kork muss unmittelbar kein Baum gefällt werden, aber Verpackungen aus Papier können nur aus der Ressource Baum gewonnen werden. Die Industrie hat also hinkünftig nachzuweisen, dass z.B. der Zementsack der Entwaldungsverordnung entspricht. Ein weiteres Nachweisverfahren, das »unproduktive« Stunden generiert.
Ähnliches zeigt sich bei den Themen »Transformationsplan« bzw »Klimaneutralitätsplan«. Beide Begriffe finden sich in unterschiedlichen EU-Verordnungen, haben dasselbe Ziel – Unternehmen müssen Pläne zur Dekarbonisierung ihrer unternehmerischen Tätigkeit erstellen – arbeiten aber mit unterschiedlichen Anforderungskriterien. An eine Harmonisierung der Nachweisverfahren ist derzeit nicht gedacht. Vielleicht mag das auch den unterschiedlichen Zuständigkeiten in den Kommissionen liegen – who knows?

Eingriff muss rasch und massiv sein

Kommissar Dombrovski hat also eine Mammutaufgabe vor sich, will er die Wettbewerbsfähigkeit wieder herstellen. Es braucht einen massiven und raschen Eingriff, um nicht nur Europas Baustoffindustrie zu entlasten. Wer Zweifel hegt, dem sei ein Blick in den Draghi-Report empfohlen. Dieser geht deutlich weiter als es die neue Kommission im Clean Industrial Deal erkennen lässt. Vermutlich ist der Leidensdruck der Wirtschaft in der Legislative noch nicht angekommen. Solange man den Stimmen der Wirtschaft nicht Gehör schenkt, werden weitere Verordnungen für Zuwachs von Unproduktivität sorgen.

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