Friday, March 13, 2026

Mehrwert für Manager

Ticker

Ein Bauernopfer ist nicht genug

Wirtschaftskammer: Es wäre klug, zu signifikanten Erneu­erungsschritten zu wechseln. Ein Kommentar von Stephan Blahut, Generalsekretär des Österreichischen Gewerbe­vereines.

Eines vorweg: Ich mag Harald Mahrer. Er ist ein kluger Mensch. Aber es ist schon auch so, dass sein alter Spirit, große Veränderungen/Verbesserungen anzustoßen mit Amtsantritt, verloren gegangen ist. Bis zuletzt hat er Reformen versprochen, die es dann doch nicht wirklich gab. Mit seinem Abgang hat er den Stauts quo beschützt, statt die Chance dieser Krise zu ergreifen und zu nützen. In gewisser Weise lässt er damit viele Mitarbeitende, die sich jeden Tag mit viel Energie für die Mitglieder einsetzen, im Regen stehen.

Die Wirtschaftskammer möchte jetzt mit dem Wechsel an der Spitze – dem einzigen Wechsel – ihr Ansehen bei den Mitgliedern retten. Doch die Kammer täuscht sich, wenn es bei diesem durchsichtigen Manöver bliebe. Man kann ein solches Bauernopfer bringen, aber man sollte auch verstehen, dass es tiefgreifende Veränderungen braucht. Nähe zu Mitgliedern und praxisnahes Verständnis für deren wirtschaftliche Realität sehen anders aus.


Die Kammer könnte Fahnenträgerin der Zukunftschancen sein. Das tut sie bislang nicht, sie möchte lieber Altes bewahren. Unternehmende warten zu oft vergeblich auf »innovative unternehmerische Interventionen« im politischen Entscheidungsprozess. Die Sinnfrage wäre zu stellen: Praktisch: Sie sitzt auf Milliarden und wartet bis heute noch immer auf eine große Krise, um die Reserven zu nutzen. Inhaltlich: Welche dynamischen Treiber künftiger Entwicklungen unterstützt sie aktiv?


Neuerfindung? Zwei Beispiele
Die Liechtensteinische Wirtschaftskammer musste nach jahrzehntelangem Abwehrkampf, die Pflichtmitgliedschaft vor etwa 15 Jahren aufgeben. Sie zeigt nach einer Neuausrichtung auf die tatsächlichen Bedürfnisse, dass immer noch fast alle Betriebe als freiwillige Mitglieder (wieder) dabei sind. Transparenz und Qualität erarbeiten und bestärken Vertrauen. Oder die katholische Kirche in Italien. 1985 stellte das Land von der Pflichtkirchensteuer auf den »otto per mille« um: jede:r Steuerzahler:in bestimmt selbst, welche soziale oder kirchliche Organisation diese acht Promille erhalten soll. Das Ergebnis: Nach einer fulminanten Informationskampagne, kann die Kirche sogar auf höhere Beiträge zählen.

Transparenz und Mission sind wirkmächtig. Mit einer gewissen Ironie schreibe ich aus einer Organisation heraus, die ebenfalls alle Hände voll zu tun hat, Sinnstiftung und Qualität zu liefern, um für ihre Mitglieder attraktiv zu sein. Einer Organisation, die sich einst auch der Aufgabe widmete, die Handelskammer in Wien zu gründen, zu fördern und deren ersten Präsaidenten in Personalunion zu stellen. Seitdem ist viel passiert, auch in der Art, wie wir Unternehmen führen.

Erster Schritt: Entlasst EPU und KKMU aus der Kammerpflicht!
Es wäre also klug, vom Lösungsansatz ›Bauernopfer‹ zu signifikanten Erneuerungsschritten zu wechseln und die Kammern auf das Nötigste zu reduzieren. Man muss ja nicht das Kind mit dem Bade ausschütten, aber ein erster Schritt könnte beispielsweise sein, die EPU und die kleinsten KMU vom Zwang, dabei sein zu müssen, zu entbinden.

Das wäre ein starkes Zeichen für Vertrauen, Eigenverantwortung und eine moderne Interessensvertretung. Dann könnten auch Relikte wie dem Verfassungsrang der Kammern beiseite gelegt werden und die Gewohnheit, dass Kammervertreter gleichzeitig als Nationalratsabgeordnete und Lobbyisten aktiv sind, hielte keinem seriösen, demokratiepolitischen Maß mehr stand. Glück auf!

Bild: Stephan Blahut ist Generalsekretär des Österreichischen Gewerbe­vereines. (Foto: Lena Horvath)

×
Stay Informed

When you subscribe to the blog, we will send you an e-mail when there are new updates on the site so you wouldn't miss them.

Klarheit baut am besten
Zukunftsfit Bauen: heute bauen, morgen profitieren

By accepting you will be accessing a service provided by a third-party external to https://www.report.at/

Firmen | News

Vertiv
12 March 2026
Firmen | News
Vertiv, ein weltweit führender Anbieter für kritische digitale Infrastrukturen, stellt das unterbrechungsfreie Stromversorgungssystem (USV) Vertiv™ PowerUPS 6000 Industrial vor, das zuverlässigen Stromschutz für gewerbliche und industrielle Märkte (C...
Vertiv
06 March 2026
Firmen | News
Die nächste Evolutionsstufe der digitalen Infrastruktur zeichnet sich deutlich ab: KI im Gigawatt-Maßstab erfordert neue Architekturansätze, integrierte Systemkonzepte und deutlich verkürzte Bereitstellungszeiten. Statt klassischer Rechenzentrumsmode...
Vertiv
04 March 2026
Firmen | News
Steigende Leistungsdichten und wachsende Nachhaltigkeitsanforderungen rücken nicht nur den Betrieb, sondern bereits die Bauphase von Rechenzentren in den Fokus der CO₂-Bilanz. Insbesondere das sogenannte graue CO₂ aus Materialien und Konstruktion gew...
Vertiv
02 March 2026
Firmen | News
Mit steigenden Leistungsdichten durch KI- und HPC-Anwendungen stoßen klassische Luftkühlkonzepte zunehmend an ihre Grenzen. Flüssigkeitskühlung gewinnt daher an Bedeutung – insbesondere in Kombination mit präzise geregelten Coolant Distribution Units...

Neue Blog Beiträge

02 March 2026
Markt und Marketing
Der deutsche Gründer und reichweitenstarke Content Creator Christian Wolf, bekannt als Kopf hinter Upscale Invest und mit über einer Million Followern einer der einflussreichsten Unternehmer-Influencer im deutschsprachigen Raum, bündelt derzeit Fälle...
25 February 2026
Intelligente Netze
Neue Welt des Arbeitens
Cyberversicherungen decken technische Vorfälle ab, oft aber nicht moderne Betrugsformen. Welche neuen Strategien und Maßnahmen braucht es zur Risikoabsicherung? Ein Kommentar von Kerstin Keltner, Aon Austria. Die Cyberversicherung wird in der Außenwi...
23 February 2026
Europa
Politik
Die österreichische Industriestrategie 2035 will Wettbewerbsfähigkeit sichern, Innovation fördern und die Resilienz stärken. Diese Ziele sind richtig. Doch sie beruhen auf einem Denk­rahmen, der aus einer Welt stammt, die es so nicht mehr gibt. Wir o...