Freitag, Juli 10, 2026

Mehrwert für Manager

Ticker

Zukunft Wirtschaftsstandort: Warum der Emissionshandel so wichtig ist

Die kürzlich durchgeführte Konsultation der Europäischen Kommission zur Zukunft des EU-Emissionshandels nach 2030 ist zweifellos ein wichtiger Schritt – doch sie bleibt in zentralen Punkten bemerkenswert unkonkret. Ein Kommentar von Dr. Andreas Pfeiler, Geschäftsführer Fachverband Steine-Keramik.

Dass die Gratiszuteilung für energieintensive Industrien auslaufen wird, ist längst beschlossen. Für jene Sektoren, die dem CO₂-Grenz­ausgleichsmechanimus (CBAM) unterliegen – wie die europäischen Zementindustrie - endet sie bereits 2034. Für alle anderen spätestens 2039. Doch was danach kommt, bleibt vage. Anstatt echte Perspektiven aufzuzeigen, verliert sich die Diskussion leider in technischen Einzelfragen wie zur Effektivität der Marktstabilitätsreserve oder zur Kostenwirksamkeit des Systems. Das zentrale Problem wird aber kaum adressiert: Wie soll Europas energieintensive Industrie unter global ungleichen Wettbewerbsbedingungen dauerhaft wettbewerbsfähig bleiben? Die Einführung des CO₂-Grenzausgleichmechanismus ist ein Schritt, aber kein Allheilmittel. Er bleibt begrenzt auf bestimmte Sektoren, erfasst nicht die gesamte Wertschöpfungskette und wird international kritisch beäugt.

Billigprodukte aus dem Ausland
Ein Beispiel dazu sind Zementimporte aus dem nicht europäischen Mittelmeerraum. Trotz höherer CO₂-Intensität gelangen diese Produkte auf den europäischen Markt. Die Produktionskosten sind dort deutlich geringer, weil Umwelt-, Energie- und Sozialstandards schwächer ausgeprägt sind. Gleichzeitig können die deklarierten Emissionswerte mangels unabhängiger Prüfung kaum verifiziert werden. Dadurch entsteht ein systematischer Wettbewerbsnachteil für europäische Produzenten, die im Rahmen des ETS hohe Kosten und strenge Berichtspflichten zu erfüllen haben.

Damoklesschwert Deindustrialisierung
Ohne effektiven Schutz vor Carbon Leakage und ohne klare Strategie für jene Industrien, die weiterhin global konkurrieren müssen, droht eine schleichende Deindustrialisierung Europas. Die Integration von Carbon Removals und Carbon Capture and Utilisation (CCU) in das ETS-System mag technologisch faszinierend sein, ändert aber nichts an der Tatsache, dass diese Technologien weder breit verfügbar noch wirtschaftlich darstellbar sind – zumindest nicht in jenem Ausmaß, um eine substanzielle Wirkung zu haben. Wer hier zu viel Hoffnung setzt, riskiert politische Augenwischerei.

ETS entscheidet die Zukunft Europas

Was fehlt, ist eine industriepolitische Gesamtstrategie, die Dekarbonisierung nicht als Selbstzweck, sondern als Teil eines wirtschaftlichen Erneuerungsprozesses versteht. Stattdessen wird kleinteilig über Marktmechanismen diskutiert, ohne deren soziale und ökonomische Auswirkungen wirklich zu reflektieren. Die Konsultation ist notwendig – aber sie sollte nicht zur technokratischen Übung verkommen. Die Zukunft des ETS entscheidet auch über die Zukunft des Industriestandorts Europa. Diese Dimension muss endlich ins Zentrum der Debatte rücken.n 

×
Stay Informed

When you subscribe to the blog, we will send you an e-mail when there are new updates on the site so you wouldn't miss them.

Bauwissen 2025/2026: Die BAUAkademie BWZ OÖ starte...
Novelle Vergaberecht: Chance für Bauwirtschaft

By accepting you will be accessing a service provided by a third-party external to https://www.report.at/

Firmen | News

Nagarro
07 Juli 2026
Firmen | News
Warum sich der Erfolg von KI-Projekten erst nach der Einführung entscheidet. Manche Prinzipien gelten unabhängig von Branche oder Sport. Während bei der Fußball-WM gerade Millionen Menschen über Aufstellungen, Taktik und Favoriten diskutieren, erlebe...
Firmen | News
07 Juli 2026
Firmen | News
Klickvinyl hat sich als pragmatische Antwort auf knappe Renovierungszeiten und steigende Designansprüche etabliert. Der Belag lässt sich schwimmend und ohne flächigen Klebstoff verlegen, ist strapazierfähig und kommt der Optik natürlicher Holzböden i...
Vertiv
02 Juli 2026
Firmen | News
Das neue Werk stärkt die regionale Produktion, die Widerstandsfähigkeit der Lieferkette sowie die Implementierungskapazitäten für Stromversorgungs-, Kühlungs- und integrierte Infrastrukturlösungen Vertiv, ein weltweit führender Anbieter für kritische...
Firmen | News
02 Juli 2026
Firmen | News
Zwei Tage vollgepackt mit Keynotes, Workshops und Networking – das war die techConference 2026 von Microsoft in der Messe Wien. Neben KI und anderen IT-Trends stand dabei das Thema Security besonders im Fokus. Axians steuerte dazu einen Workshop zum ...

Neue Blog Beiträge

06 Juli 2026
Mensch und Gesellschaft
Politik
Vor etwa zehn Jahren durfte ich in meiner Funktion als Leiter der Abteilung Compliance bei Casinos Austria ein Seminar in den Räumlichkeiten der FIFA in Zürich besuchen. Der Verband gab sich damals demonstrativ geläutert. Man sprach von Reformen, von...
06 Juli 2026
Architektur, Bauen & Wohnen
Der steuerfinanzierte Waldfonds verfolgt legitime Ziele wie Klimaschutz, nachhaltige Waldbewirtschaftung und die Stärkung regionaler Wertschöpfung. Gleichzeitig zeigt die aktuelle Diskussion jedoch deutlich, dass die konkrete Ausgestaltung zunehmend ...
29 Juni 2026
Intelligente Netze
Europa
Mensch und Gesellschaft
Am 26. Juni 2026 lud epicenter.works zu einem Fireside Chat mit dem US-amerikanischen Experten für Kryptographie und Computersicherheit Bruce Schneier ins traditionsreiche Café Alt Wien. Thomas Lohninger führte durch ein gutes halbe Stunde dichtes Ge...