Wednesday, April 08, 2026

Mehrwert für Manager

Ticker

Baust du noch - oder schämst du dich schon?

Das Wohnbaupaket der Regierung bremst sich selbst aus. Bauen wird mit Ressourcenverbrauch und Flächenversiegelung gleichgesetzt. Polemische Stimmen behaupten, Österreich »ist gebaut«. Die Baubranche hat schon bessere Zeiten erlebt. Aber den Menschen Wohnraum und Infrastruktur zu verwehren, ist absurd und alles andere als sozial.

In Anlehnung an einen markanten Werbelogan der vergangenen Jahre darf zu Recht die Frage gestellt werden, ob man als Vertreter der Bauzunft überhaupt noch aus dem »Winkerl« oder wie es heute heißt, der »Schäm-dich-Ecke« heraus darf. Da gibt es zum einen das im Februar angekündigte Wohnbaupaket, das zwar sicher gut gemeint war, aber bis heute nicht am Markt greift und dies offensichtlich bis auf den Bausektor selbst niemanden stört. Zum anderen werden zunehmend Stimmen laut, die den Ressourcenverbrauch mit Bauen gleichsetzen und als Lösung zur Dekarbonisierung der Bauwirtschaft den Verzicht auf Neubau vorschlagen.

Stillstand statt rascher Hilfe
Das Wohnbaupaket bremst sich offensichtlich im Detail selbst aus. Dass die Abwicklung der Finanzen zwischen den Gebietskörperschaften keine triviale Funktion ist, weiß man als gelernter Österreicher, aber die ursprünglich als »rasche Hilfe« gedachte Unterstützung des Bausektors wird zunehmend zu einer unendlichen Geschichte. Und es sorgt erst Recht für Stillstand, weil jeder auf das Paket und eventuelle finanzielle Erleichterungen wartet.

Während also die einen das Paket kaum erwarten können, sind die anderen ohnehin der Meinung, dass das Land gebaut ist. Was auch immer darunter genau zu verstehen ist, weiß man zwar nicht, aber es löst scheinbar alle Ressourcen-, Klima- und Umweltprobleme. Dass der Einsatz von Mitteln aller Art so umsichtig wie möglich erfolgen muss, ist mittlerweile hoffentlich jedem klar und muss ein Selbstverständnis sein. Den Stopp von Bauaktivität im Wohnbausektor zu fordern, könnte man aber auch als Arroganz verstehen. Denn diese Forderung kann nur von jenen kommen, die ihre Schäfchen bereits im Trockenen haben, während viele junge Menschen schlichtweg derzeit einfach keinen Wohnraum finden. Wohnen ist ein Grundbedürfnis des Menschen und in der Masslow´schen Bedürfnispyramide ganz unten angesiedelt. Dieses Recht auf Wohnen zu verwehren, ist nicht nur absurd, es ist auch sozialpolitisch gesehen höchst bedenklich.

Verzicht, aber richtig
Keine Frage, es lässt sich zu Recht über Flächenwidmung und Raumplanung diskutieren, aber das grundsätzliche Bedürfnis nach einem Dach über dem Kopf zu verwehren, ist abwegig und alles andere als sozial. Aber wo soll nun wirklich angesetzt werden? Wäre die Antwort einfach, hätten wir diese bereits. Aber wer in sich geht und darüber nachdenkt, welchen Verzicht man am ehesten in Kauf nehmen würde, schreibt sicher nicht seine eigenen vier Wände ganz oben auf die Liste. Über das wie und wo ist sicher zu diskutieren, nicht aber über das ob. Denn nur eine ausreichende Infrastruktur gibt einer Gesellschaft auch den notwendigen Halt und Sicherheit, das erfordert eben auch das »Bauen«.

Bild: iStock

×
Stay Informed

When you subscribe to the blog, we will send you an e-mail when there are new updates on the site so you wouldn't miss them.

Fujitsu-Studie: Technologie als Nachhaltigkeitsbes...
Hitze-App: Adaptierung bringt endlich Sicherheit f...

By accepting you will be accessing a service provided by a third-party external to https://www.report.at/

Firmen | News

Kirchdorfer
08 April 2026
Firmen | News
FFG-Forschungsprojekt mit MABA Fertigteilindustrie, Mischek Systembau und TU Wien. Erdbebensicherheit und Ressourceneffizienz gelten im modernen Hochbau oft als konkurrierende Ziele. Doch aktuelle Forschungsergebnisse zeigen, dass beides vereinbar is...
Marija Kotnig
07 April 2026
Firmen | News
Die Qualitätsanforderungen im Bahnsektor entwickeln sich kontinuierlich weiter. Mit der geplanten Revision der ISO 9001, möglichen Harmonisierungsschritten zwischen ECM und IRIS sowie häufigen Missverständnissen rund um ISO 22163 und IRIS rev. 4 steh...
Vertiv
31 March 2026
Firmen | News
Das Vertiv™ CoolPhase Wall wurde für den 24/7-Betrieb in kritischen Rechenumgebungen entwickelt und bietet einen um bis zu 60 % höheren Luftstrom als herkömmliche Komfortkühlung Vertiv, ein weltweit führender Anbieter für kritische digitale Infrastru...
Vertiv
27 March 2026
Firmen | News
Die Transaktion soll Kunden mehr Wahlmöglichkeiten entlang der gesamten thermischen Kette bieten, um Strombedarf und Energieeffizienz von KI-fähigen Rechenzentren zu optimieren Vertiv, ein weltweit führender Anbieter für kritische digitale Infrastruk...

Neue Blog Beiträge

08 April 2026
Intelligente Netze
Europa
Ein Gastbeitrag von Harald Leitenmüller, National Technology Officer bei Microsoft Österreich Die Diskussion über digitale Souveränität hat in Europa spürbar an Bedeutung gewonnen. Geopolitische Entwicklungen, veränderte Sicherheitsanforderungen und ...
07 April 2026
Europa
Politik
Die Rufe nach Atomenergie schallen in regelmäßiger Häufigkeit aus dem Wald und werden von den meist gleichen Scheinargumenten begleitet. Während bei erneuerbaren Energie jedes einzelne Detail möglichst negativ betrachtet wird, sind die Fans der Atome...
30 March 2026
USA: Zwischenrufe aus Übersee
Europa
Politik
Was sagt man einem New Yorker Banker, der sich wundert, warum sein Frankfurter Pendant nur noch über Förderprogramme redet? Man zeigt ihm zwei Tabellen: 2008 lag das EU-BIP laut Weltbank bei 16,2 Billionen US-Dollar, die USA standen bei 14,7.  H...