Mittwoch, Oktober 14, 2026

Mehrwert für Manager

Bau | Immobilien

Partnerschaftliche Projektmodelle versprechen höhere Kosten- und Terminsicherheit, weniger Konflikte und bessere Lösungen. Der Vertrag allein reicht dafür nicht. Entscheidend sind Haltung, Unternehmenskultur und die Bereitschaft, Verantwortung tatsächlich gemeinsam zu tragen.

Vogelperspektive auf Büroarbeit mehrerer Menschen
Bild: iStock


Partnerschaftliche Abwicklungsmodelle haben in der österreichischen Bauwirtschaft deutlich an Aufmerksamkeit gewonnen. Mit der Orientierungshilfe »Partnerschaftlich bauen – Vom Impuls zur Umsetzung« will die IG Lebenszyklus Bau Auftraggebern, Ausführenden und Konsulenten Hilfestellung auf dem Weg zu einer partnerschaftlichen Projektabwicklung geben. Dabei setzt die Publikation bewusst früher an als Leitfäden, die sich mit der konkreten vertraglichen Ausgestaltung beschäftigen: Unternehmen sollen zunächst klären, ob überhaupt Bedarf für eine Alternative zur klassischen Projektabwicklung besteht und ob ein partnerschaftliches Modell die damit verbundenen Erwartungen erfüllen kann.

Im Fokus des Leitfadens stehen Early Contractor Involvement (ECI) und Integrierte Projektabwicklung (IPA). ECI beschreibt die IG als »kleines« Partnerschaftsmodell, bei dem Bauunternehmen frühzeitig in die Planung eingebunden werden, die klassische Vertragsstruktur jedoch grundsätzlich erhalten bleibt. Bei der IPA arbeiten Auftraggeber, Planende und Ausführende dagegen von Beginn an in einem integrierten Team und tragen auf Basis eines Mehrparteienvertrags gemeinsam Verantwortung für Kosten, Termine und Qualität.

Der Vertrag ist nicht genug
Die vielleicht wichtigste Erkenntnis des Leitfadens betrifft allerdings weniger die Vertragsgestaltung als die Menschen dahinter: »Kein partnerschaftliches Modell funktioniert auf Bestellung«, heißt es im Leitfaden. Notwendig seien der Wille aller Beteiligten und eine partnerschaftliche Grundhaltung. Zu den Mindestanforderungen zählt die IG unter anderem das Prinzip »best for project«, Zusammenarbeit auf Augenhöhe, Offenheit und Transparenz sowie eine lösungsorientierte Fehler- und Konfliktkultur.

Darin liegt gleichzeitig eine der größten Herausforderungen. Der notwendige kulturelle Wandel wird im Leitfaden ausdrücklich als größte Hürde bezeichnet. Partnerschaftliche Projektkultur beginnt deshalb bereits im eigenen Unternehmen. Gefordert ist ein Wandel »vom ICH zum WIR«, der vom Top-Management vorgelebt werden muss.

Was Partnerschaft am Bau braucht: alle Fakten auf einem Blick

 

Veranstaltungstipp: »Der Bestand als Business Case«
Am 3. November 2026 zeigt der 16. Kongress der IG Lebenszyklus Bau an der Hochschule Campus Wien, wie sich Bestandsentwicklung wirtschaftlich darstellen, finanzieren und skalieren lässt. Der Kongress bringt Entwickler*innen, Eigentümer*innen, Investor*innen, Finanzierungsunternehmen, Planende, Ausführende, Betreiber*innen und Vertreter*innen der öffentlichen Hand zusammen. Im Zentrum stehen konkrete Projekte und belastbare Zahlen: eine interaktive KI-Keynote von WONDERWERK, Impulse zu Transformation und Finanzierung von Bestandsimmobilien mit der Greyfield Group und der Erste Group sowie Praxisbeispiele von ÖBB-Infrastruktur, UniCredit Bank Austria und Digital Findet Stadt.

 

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