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Präziser schützen, verantwortungsvoll handeln: Florian Matusek, Director of AI Strategy bei Genetec empfiehlt Maßnahmen, bei denen KI die physischen Sicherheit in Unternehmen unterstützen kann.

KI in der physischen Sicherheit
Florian Matusek ist Director of AI Strategy bei Genetec.


Daten spielen eine Schlüsselrolle in der heutigen Sicherheitsarchitektur – doch erst durch KI wird aus den unzähligen Informationen ein operativer Vorteil. Intelligente Systeme analysieren Datenströme in Echtzeit, erkennen Abweichungen vom Normalzustand und entlasten Einsatzteams dort, wo jede Sekunde zählt. Diese Effizienzgewinne sind willkommen, werfen aber eine zentrale Frage auf: Wie lassen sich die Systeme für physische Sicherheit so gestalten, dass sie nicht nur funktionieren, sondern auf der vertrauensvollen Nutzung von KI basieren?

Ein Blick auf die aktuelle Marktentwicklung zeigt, dass diese Frage längst nicht mehr theoretisch ist. Laut dem Genetec-Report zur Lage der physischen Sicherheit 2025 planen 42 Prozent der Befragten, die für Beschaffung, Verwaltung oder Nutzung physischer Sicherheitstechnologie verantwortlich sind, den Einsatz von KI. Viele davon beabsichtigen, entsprechende Anwendungen in den kommenden Monaten in ihre Abläufe zu integrieren. Der Report macht aber auch deutlich: Die Entscheidung für KI erfordert ein Bewusstsein für deren Grenzen, Risiken und regulatorische Anforderungen.

Die folgenden vier Einsatzfelder zeigen anhand von konkreten Praxisbeispielen, wie KI und Sicherheit zuverlässig verknüpft werden können.

1. Personenströme erkennen und Lagebilder erstellen        

Der Umfang der von physischen Sicherheitssystemen erfassten Videos und Daten nimmt ständig zu. Umso schwieriger wird es für die Nutzer, die Informationen effektiv zu verarbeiten und angemessen darauf zu reagieren. KI-gestützte Anwendungen helfen, aus diesen Daten neue Erkenntnisse zu ziehen, beispielsweise mithilfe von Verkehrsstrom- oder Personenzählungsanalysen. Damit lassen sich Engpässe identifizieren, Sicherheitsvorschriften besser einhalten oder Evakuierungsabläufe optimieren. Einzelhändler können so fundierte Rückschlüsse auf das Kundenverhalten ziehen, andere Organisationen wiederum Belegung und Auslastung gezielter steuern.

2. Ereignisse analysieren und forensisch aufklären

Bei Sicherheitsvorfällen zählt Geschwindigkeit. Manuelle Sichtungen sind zeitaufwändig – und fehleranfällig. KI mithilfe von Objekterkennung und Filterfunktionen gezielt relevante Sequenzen finden. Ein Beispiel: Die Suche nach einer Person mit bestimmter Kleidung oder nach einem Fahrzeug mit auffälligem Fahrverhalten lässt sich auf Sekundenbruchteile verkürzen. Das spart Ressourcen und verbessert die Qualität forensischer Bewertungen – ohne die menschliche Bewertungskompetenz zu ersetzen.

3. Cybersecurity erkennen und früh abwehren

Die zunehmende Vernetzung physischer Systeme – von Zutrittsterminals bis zu Kameranetzwerken – macht Cybersicherheit zur Grundvoraussetzung für funktionierende Sicherheitsinfrastrukturen. KI erkennt Muster im Datenverkehr und warnt bei ungewöhnlichen Aktivitäten – etwa bei verdächtigen Login-Versuchen oder Datenabflüssen. In Verbindung mit Video- oder Zutrittsystemen entsteht ein integriertes Bild, das die Erkenntnisse aus den einzelnen Silos aufbricht und Risiken übergreifend und frühzeitig sichtbar macht.

4. Fahrzeuge identifizieren und Bewegungen nachverfolgen

Systeme zur automatischen Nummernschilderkennung leisten heute weit mehr als reine Zugangskontrolle. Sie helfen, den Verkehrsfluss zu überwachen, verdächtige Fahrzeuge zu identifizieren und Parkflächen effizienter zu nutzen. Moderne Systeme erfassen zusätzlich Fahrzeugtyp, Farbe oder Fahrtrichtung und ermöglichen so die gezielte Analyse von Bewegungsmustern.

Diese Informationen lassen sich mit weiteren Systemen verknüpfen – etwa zur Alarmierung, wenn ein bestimmtes Kennzeichen erneut erkannt wird. Solche Systeme tragen damit zur Früherkennung sicherheitsrelevanter Vorgänge bei und schaffen Transparenz im Betrieb.

Verantwortung sichtbar machen

Der Einsatz von KI in der physischen Sicherheit erfordert neben technischer Sorgfalt klare organisatorische Leitlinien. Vertrauen entsteht durch transparente Prozesse, klare Zuständigkeiten und kontinuierliche Kontrolle. In der Praxis haben sich sechs Prinzipien bewährt:

  • Gezielt einsetzen:KI sollte dort eingesetzt werden, wo sie konkrete Vorteile bietet – etwa bei der Auswertung großer Datenmengen oder der Priorisierung von Ereignissen. Wo Automatisierung nicht sinnvoll ist, bleibt sie bewusst außen vor.
  • Stakeholder früh einbinden:Die Verantwortlichen für IT, Datenschutz, Recht und Sicherheit sollten gemeinsam entscheiden, wie und wofür KI genutzt wird. Das schafft Akzeptanz und reduziert Zielkonflikte.
  • Transparenz sichern:Datenquellen, Systemlogik und Entscheidungswege müssen nachvollziehbar dokumentiert sein – sowohl für die interne Kontrolle als auch zur externen Nachvollziehbarkeit.
  • Rollen klar definieren:Es muss eindeutig sein, wann das System unterstützt – und wann der Mensch allein entscheidet. Die Verantwortung darf nicht verschwimmen.
  • Kompetenz stärken:Mitarbeitende müssen verstehen, wie KI-Systeme arbeiten – und wie sie diese wirksam und verantwortungsvoll nutzen können.
  • Systeme regelmäßig prüfen:KI entwickelt sich mit dem Umfeld weiter. Rückmeldungen aus der Praxis sollten strukturiert in Betrieb und Weiterentwicklung einfließen.

Diese Punkte zeigen: Verantwortlicher KI-Einsatz muss strategisch geplant und kontinuierlich weiterentwickelt werden.

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