Dienstag, Mai 24, 2022

Auch wenn es ohne CO2, also »Kohlenstoffdioxid« nur wenig Leben auf dieser Erde gäbe, so ist ein Übermaß wohl auch nicht optimal. Zumindest belegt das die Wissenschaft mit einer Unzahl an Studien. Es lohnt sich daher, auf die Thematik CO2 doch etwas differenzierter zu blicken.


Um den Anforderungen der Klimaneutralität gerecht zu werden, bedarf es also nicht nur der Reduktion von CO2-Emissionen, sondern es braucht auch dringend »Senken-Potenziale«, um zumindest bilanziell die Null zu erreichen. Aber was sind nun diese sogenannten Senken?

Als CO2-Senken werden jene Potenziale verstanden, die es ermöglichen CO2 zu speichern. Um ein Senken-Potenzial zu erheben, braucht es daher die Analyse von Kohlenstoffkreisläufen. Am plakativsten ist wohl der Wald, dessen Bäume CO2 aufnehmen – ein gewisses Alter der Bäume natürlich vorausgesetzt – und das CO2 so lange speichern, bis sie vermodern oder thermisch verwertet werden. Denn dann setzen sie das CO2 wieder frei.

Kalk mit hohem Senken-Potenzial

Ähnliche Kreisläufe gibt es viele, um das Senken-Potenzial in unserer Gesellschaft zu ermitteln. Als Beispiel sei der Kohlenstoffkreislauf bei Kalk genannt. Kalk ist ein vielfältig verwendeter Rohstoff, der zur Produktion von Baustoffen ebenso verwendet wird, wie zur Aufbereitung von Trink- und Abwasser, zur Behandlung saurer Böden oder auch in der Pharmaindustrie.

Während des Brennvorgangs wird das im Kalk über Millionen von Jahren eingelagerte CO2 – unabhängig vom Energieträger! – freigesetzt, aufgrund der natürlichen Karbonatisierung danach allerdings wieder im Kalkprodukt eingelagert. Dadurch kann je nach Anwendung zwischen 30 Prozent und 100 Prozent CO2 wieder eingebunden werden. Dennoch werden die rohstoffbedingten »Produktions-Emissionen« vollständig auf der »Verschmutzerseite« der Bilanz berücksichtigt, während die Wiedereinspeicherung, wie jene im Wald, keinerlei Niederschlag findet.

Dr. Andreas Pfeiler, Geschäftsführer vom Fachverband Steine-Keramik, meint: »Wir werden akzeptieren müssen, dass es auch in Zukunft Prozesse geben wird, die CO2 verursachen.«

Kreisläufe und Lebenszyklen

Mit der Forderung nach Klimaneutralität bis 2040 wird das Dilemma der bisherigen Berechnung von Senken zunehmend sichtbar – manche werden berücksichtigt, andere nicht. Verheizt man nämlich Biomasse, verbraucht man zwar keine fossilen, klimaschädlichen Energieträger, setzt aber dennoch CO2 frei. Diese Freisetzung bleibt in der Gebäudebilanz ebenso unberücksichtigt wie das Senken-Potenzial der Karbonatisierung von Bauprodukten. In dieser Logik kann der Konsument nur verzweifelt zurückbleiben.

Es ist an der Zeit, endlich in Kohlenstoffkreisläufen und Lebenszyklen zu denken. Und wir werden akzeptieren müssen, dass es auch weiterhin Prozesse auf dieser Erde geben wird, die – zum Glück für das Pflanzenwachstum – CO2 verursachen. Mit einem umfassenden CO2-Management, könnten aber unnötige Freisetzungen vermieden werden.

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