Thursday, January 29, 2026

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Unklare Regeln, überlastete Behörden und Verfahren, die länger dauern als jede technische Umsetzung – das bremst heimische Unternehmen.

(v.l.n.r.): Martin Schiefer, CEO von Schiefer Rechtsanwälte I Rudolf Schrefl, CEO von Drei Österreich I Birgit Kraft-Kinz, CEO der CEOs FOR FUTURE GmbH I Christiane Brunner, Initiatorin Climate Business Circle und Vorständin CEOs FOR FUTURE I Marco Porak, Generaldirektor von IBM Österreich; ©CEOs FOR FUTURE / Martin Hron


Österreichs Unternehmen wollen loslegen: Laut CEOs FOR FUTURE stehen 45 Milliarden Euro für Dekarbonisierung, Digitalisierung, KI und Energiewende bereit. Doch obwohl die Technologien vorhanden sind, bleibt vieles liegen. Der Grund ist nach Einschätzung vieler Unternehmen der Hemmschuh Bürokratie. Das erklärten Vertreter:innen von CEOs FOR FUTURE im Rahmen einer Diskussion, an der Birgit Kraft-Kinz, Christiane Brunner, Martin Schiefer, Rudolf Schrefl und Marco Porak teilnahmen.

Laut Christiane Brunner, Initiatorin des Climate Business Circle und Vorständsdirektorin von CEOs FOR FUTURE, entscheidet die Digitalisierung über die Zukunftsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts. Sie betonte, dass die Energiewende ohne digitale Grundlagen nicht funktionieren könne: „Das digitale Netz ist genauso wichtig wie das physische.“ Datenbasierte Steuerung, flexible Lasten und intelligente Netze seien bereits heute zentrale Voraussetzungen für Versorgungssicherheit.

Wie groß der Bedarf inzwischen ist, zeigt ein Beispiel aus der Energiebranche: Nach Angaben Brunners liegen die jüngsten Anschlussanfragen für Rechenzentren in Österreich „in der Größenordnung aller Donau-Kraftwerke zusammen“. Diese Entwicklungen machen laut ihr deutlich, warum Unternehmen für ihre Investitionsentscheidungen klare Prozesse und stabile Rahmenbedingungen benötigen. Ohne verlässlichen Vollzug bleibe die Transformation Stückwerk.

Auch Drei-Österreich-CEO Rudolf Schrefl verwies darauf, dass Österreich über eine leistungsfähige Telekommunikationsinfrastruktur verfüge, die zunehmend zur Grundlage industrieller Produktion und Energieprozesse werde. 5G, Glasfaser und IoT seien weit ausgebaut; das digitale Wetterstationsnetz „Drei Wetter“ sei inzwischen das dichteste des Landes und werde bereits von Gemeinden und Infrastrukturbetreibern genutzt. Gleichzeitig zeigte Schrefl, dass die Unternehmen technologisch weiter seien als die Verfahren. Laut einer jährlich durchgeführten Drei-Studie beschäftigen sich drei Viertel der mittelständischen Unternehmen aktiv mit KI, sechs von zehn nutzen IoT- oder Machine-to-Machine-Lösungen und drei von zehn setzen Data-Analytics ein, um Energie, Wasser und Wärme präziser zu steuern. Doch trotz dieses Fortschritts stünden viele Digitalisierungsprojekte still, weil „klare Regelwerke und Rechtssicherheit“ fehlen. Nach seiner Einschätzung ist die technische Infrastruktur vorhanden – nur die Prozesse, um sie wirksam zu nutzen, hinken hinterher.

KI möglich, Grundlagen mangelhaft

Nach Darstellung von IBM-Generaldirektor Marco Porak gilt Künstliche Intelligenz als Schlüsseltechnologie, deren Einsatz jedoch an klare technische und organisatorische Voraussetzungen gebunden ist. Er verwies auf eine IBM-Studie, laut der acht von zehn internationalen Führungskräften KI bis 2030 als entscheidend für Wettbewerbsfähigkeit einschätzen. Gleichzeitig betonte Porak, dass Unternehmen nur dann langfristig profitieren könnten, wenn sie Kontrolle über Infrastruktur, Daten und Modelle behalten: „Damit Unternehmen die Chancen von KI nutzen können, müssen sie die Kontrolle über Infrastruktur, Daten und Modelle behalten.“

Kleinere, domänenspezifische KI-Modelle würden deshalb an Bedeutung gewinnen, weil sie mit eigenen Unternehmensdaten trainiert werden können und deutlich weniger Rechenleistung benötigen. Wie groß das Automatisierungspotenzial sei, zeigt laut Porak IBM im eigenen Unternehmen: Dort wurden Kernprozesse für rund 280.000 Mitarbeitende in über 170 Ländern automatisiert. Im HR-Bereich liege der Automatisierungsgrad bei 94 Prozent; die Bearbeitungszeit sei von rund drei Stunden auf fünf Minuten gesunken. Die Technologie funktioniere also – nur die Strukturen vieler Unternehmen seien dafür noch nicht bereit. Die meisten scheiterten nicht an der KI selbst, sondern an fehlender Datenqualität, mangelnden Kompetenzen und unklaren Prozessen.

Wille vorhanden, Strukturen fehlen

 Der strukturelle Engpass in der öffentlichen Verwaltung, sei ein Dauerthema.  Verfahren würden zu lange dauern, Fachwissen sei begrenzt und viele Schlüsselabteilungen seien personell überlastet. Brunner formulierte es besonders deutlich: „Das Bottleneck ist die Ausstattung der Behörden mit Sachverstand und Personal.“

Auch kulturelle Faktoren bremsen laut Brunner: „Entscheidungen fallen sehr langsam. Unternehmen haben aber ein Tempo, das sie gehen müssen.“ Eine interne CEOs-FOR-FUTURE-Abfrage zeigt zudem, dass Unternehmen Arbeitskräfte- und Kompetenzmangel durchgehend unter den drei größten Umsetzungshemmnissen sehen. In Summe führt das dazu, dass Unternehmen zwar in Energieprojekte, Digitalisierung oder Produktionsumstellungen investieren möchten – die Verfahren, Zuständigkeiten und Kapazitäten dafür jedoch nicht schnell genug bereitstehen.

Industriestrategie mit richtiger Richtung, aber offenen Fragen

Die Industriestrategie der Bundesregierung wird laut den Vertreter:innen der beteiligten Organisation grundsätzlich positiv gesehen. Sie setze wichtige Schwerpunkte auf Digitalisierung, KI und Energiewende. Mehrere Stimmen betonten jedoch, dass zentrale Fragen weiterhin ungeklärt bleiben: Welche Prioritäten gelten? Welche Verfahren sollen beschleunigt werden? Und wer stattet die Behörden so aus, dass Entscheidungen überhaupt zeitgerecht möglich werden?

Brunner fasste diese Einschätzung zusammen: „Wenn wir die Maßnahmen jetzt in die Umsetzung bringen, dann können wir weiterkommen.“ Die Strategie helfe zwar bei der Orientierung, liefere aber noch keine Antworten auf die strukturellen Voraussetzungen. Zahlreiche Beispiele aus Wirtschaft und Infrastruktur – von Rechenzentrumsanfragen im Kraftwerksmaßstab über die hohe IoT-Nutzung im Mittelstand bis zu den Milliardeninvestitionen, die bereitstehen – zeigen laut den Gesprächspartner:innen, dass Österreich technisch und wirtschaftlich gut positioniert ist- aber viele Möglichkeiten bleiben ungenutzt.

Am Ende entsteht ein konsistentes Bild: Österreich verfügt über moderne Netze, starke Technologieanbieter und eine Wirtschaft, die investieren möchte. Aber Transformation scheitert nach Einschätzung der Beteiligten nicht an Rechenleistung, Infrastruktur oder KI-Modellen – sondern an Strukturen, die mit dem notwendigen Tempo nicht mithalten. Die Wirtschaft ist bereit. Die Technologie ist bereit. Aber: ohne Klarheit keine Wirkung.

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