Saturday, January 31, 2026

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Während die Bereitschaft zur Selbstständigkeit im deutschsprachigen Raum sinkt, gewinnt Franchising als Organisationsform an Bedeutung. Eine aktuelle Erhebung des Österreichischen Franchise-Verbands zeigt, wie sich das Modell in einem anspruchsvoller werdenden wirtschaftlichen Umfeld behaupten will.


Der Österreichische Franchise-Verband (ÖFV) sieht die Franchise-Branche in Österreich auf Wachstumskurs. Beim jüngsten Pressegespräch präsentierte der Verband Ergebnisse einer aktuellen Erhebung, die gemeinsam mit MN Insights umgesetzt wurde. Vertreter des ÖFV verwiesen dabei auf eine aus ihrer Sicht verhaltene gesamtwirtschaftliche Entwicklung und auf strukturelle Vorteile von Franchise-Systemen in einem zunehmend anspruchsvollen Marktumfeld.

Die Datenerhebung erfolgte laut Verband vom 25. März bis 25. September; 56 Franchise-Systeme nahmen daran teil. Auf Basis dieser Befragung beziffert der ÖFV die Zahl der Franchise-Systeme in Österreich mit rund 510, mit einer Abgrenzungsunsicherheit von plus/minus zwei bis drei Systemen. Insgesamt arbeiten die Systeme mit etwa 10.200 Franchise-Partnerinnen und -Partnern, die zusammen rund 12.800 Standorte betreiben. Die Zahl der Beschäftigten gibt der Verband mit 95.600 an. Den Gesamtumsatz der Branche beziffert der ÖFV mit rund 12,4 Milliarden Euro, was laut Verband einem Zuwachs von etwa einer halben Milliarde Euro gegenüber der letzten Erhebung entspricht. Damit wächst die Branche nominal, obwohl Inflation die Aussagekraft von Umsatzsteigerungen relativiert.

Struktur und Entwicklung der Franchise-Landschaft

Ein wesentlicher Trend ist laut ÖFV die zunehmende Bedeutung von Multi-Unit-Franchising. Dabei betreiben einzelne Franchise-Partner mehrere Standorte parallel. Martin Zagler, CEO des Franchise-Systems Soluto und Präsentator der Studie, verwies darauf, dass dieses Modell im US-Markt seit längerem etabliert sei und nun auch im europäischen Raum an Bedeutung gewinne. Diese Entwicklung steht im Kontrast zu einer insgesamt sinkenden Neigung zur Selbstständigkeit im deutschsprachigen Raum, auf die der Verband mehrfach hinweist.

Franchise-Systeme seien zudem längst nicht mehr auf klassische Bereiche wie Systemgastronomie oder Textilhandel beschränkt. Laut Verband gewinnen Dienstleistungsbranchen wie Bildung, Pflege, Handwerk oder Immobilien an Gewicht. Parallel dazu nimmt die Internationalisierung zu: Rund 60 Prozent der Systeme sind über Österreich hinaus tätig, häufig in mehreren Ländern. Gleichzeitig bleibt ein erheblicher Teil der Systeme lokal verankert; je nach Abgrenzung sind etwa ein Drittel der Franchise-Marken österreichischen Ursprungs.

Nach Angaben des ÖFV betreiben rund drei Viertel der Franchise-Systeme auch eigene Standorte. Franchise ist damit häufig als Mischsystem organisiert, in dem zentrale Einheiten neue Prozesse, Produkte oder IT-Lösungen zunächst intern testen, bevor sie im Partnernetzwerk ausgerollt werden.

Erwartungen und wirtschaftliche Kennzahlen

Trotz des anspruchsvollen Umfelds bleibt die Erwartungshaltung der Branche expansiv. Für das Jahr 2025 gehen laut Erhebung 64 Prozent der Franchise-Systeme von steigenden Umsätzen aus, für 2026 liegt dieser Wert bei 79 Prozent. Gleichzeitig betont der Verband, dass nominale Zuwächse im Lichte der Inflation zu interpretieren seien. Bei der Eigenkapitalquote erwarten 40 Prozent der Systeme steigende Werte. 36 Prozent rechnen mit steigenden Gewinnen, weitere 40 Prozent mit gleichbleibenden Ergebnissen.

Die durchschnittliche Vertragslaufzeit beträgt laut ÖFV häufig fünf Jahre, die tatsächliche Dauer einer Franchise-Partnerschaft liegt jedoch bei rund 15 Jahren, da Verträge regelmäßig verlängert werden. Beim Frauenanteil weist die Erhebung einen Anteil von 40 Prozent unter den Beschäftigten und 29 Prozent in Führungspositionen aus.

Wachstum unter erhöhten Anforderungen

Als zentrale Herausforderungen nannte Zagler insbesondere die Finanzierung, die Gewinnung neuer Franchise-Partnerinnen und -Partner sowie die laufende Weiterentwicklung der Geschäftsmodelle. Investitionen in Digitalisierung, IT-Strukturen und neue Dienstleistungen erhöhten den Kapitalbedarf der Systemzentralen. Gleichzeitig sinke die Bereitschaft, unternehmerisches Risiko einzugehen. Viele Systeme reagierten darauf mit einer stärkeren Expansion über bestehende Partner, die zusätzliche Standorte übernehmen.

Die aktuellen Zahlen zeigen damit ein Spannungsfeld: Franchising wächst, internationalisiert sich und erschließt neue Branchen – gleichzeitig steigen Komplexität, Kapitalbedarf und strukturelle Anforderungen. Aus Sicht des Verbands liegt gerade in dieser Kombination ein wesentlicher Grund für die relative Stabilität des Modells.

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