Samstag, Juli 11, 2026

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In der Welt- und Wirtschaftspolitik folgt eine Hiobsbotschaft auf die andere. Die Aktienmärkte zeigten sich davon bisher wenig beeindruckt. Sorgen gibt es dennoch genug.

Die Zukunft war früher auch besser
Bild: iStock


Kriegskasse oder Friedensdividende wurde an dieser Stelle vor einem Jahr gefragt und damit das Risiko von militärischen, hybriden und Handelskriegen thematisiert. In der Zwischenzeit gab es u. a. die Pressekonferenz im Rosengarten, hohe US-Zölle, Einigungen zu etwas niedrigeren US-Zollsätzen, Gespräche zum Krieg Russlands gegen die Ukraine, Spannungen innerhalb der NATO, die Beendigung des Gaza-Kriegs, die US-Intervention in Venezuela, die eskalierte USA/Israel-Iran-Auseinandersetzung, (unerfüllte) Wünsche des US-Präsidenten an eine lockerere Geldpolitik, einen dann doch vom Fach kommenden designierten Nachfolger für Jerome Powell, die Beendigung der EZB-Zinssenkungen bei 2 % und last but not least das Ende der längsten, wenn auch nicht tiefsten Rezession der österreichischen Nachkriegsära.

Die oben angerissenen Wirrnisse haben die Finanzmärkte nur kurz nach der Zollankündigung im Rosengarten erschüttert, anschließend setzten die Aktienmärkte zu neuen Rekorden an. Der ATX, der in der Total-Return-Variante schon 2024 ein Rekordhoch erreicht hatte, übertraf auch in der »normalen« Variante seinen bisherigen Höchststand und startete freundlich ins Jahr 2026.

Mehrere Faktoren trugen zur Resilienz der Aktienmärkte bei, insbesondere:

- Die unmittelbare Wirkung der Zölle wurde offenbar überschätzt.
- Investitionen in und Erwartungen an die Künstliche Intelligenz boomten.

Beiden Themen wurde in den letzten Wochen ein neues Kapitel hinzugefügt:

- Der Supreme Court entschied, dass länderspezifische, durch den US-Präsidenten dekretierte Zollsätze rechtswidrig sind.
- Während zunächst vor allem die Gefahr von Überinvestitionen und/oder Materialverknappungen die KI-Euphorie trübte, wurde in der letzten Februarwoche ein düsteres Szenario für ihre makroökonomischen Konsequenzen publiziert, das am Kapitalmarkt auf viel Resonanz stieß.

Aus der Zollentscheidung könnte Erleichterung resultieren, sie wurde aber postwendend mit der Einführung eines generellen Zollsatzes von 10 % für 150 Tage beantwortet, um Zeit für Ersatzlösungen zu finden. Produktspezifische oder als Antwort auf Handelshemmnisse konzipierte Zölle gelten ohnehin weiter. Zudem ist die Unsicherheit jetzt wieder höher und die 2025 mühsam gefundenen Handelsabkommen könnten wieder aufgeschnürt werden. Im Vorfeld der US-Zwischenwahlen sind Kompromisse womöglich besonders schwierig. Die Unternehmen prüfen nun, ob und wie sie zu Unrecht bezahlte Zölle von der Regierung zurückverlangen können.

Allerdings hat sich 2025 gezeigt, dass die Unternehmen recht gut mit schwankenden Handelshemmnissen umgehen können. Der IWF hat sowohl im Oktober 2025 als auch im Jänner 2026 seine Erwartung an das Weltwirtschaftswachstum angehoben. Die KI-Dystopien sind Szenarien, die das Bewusstsein für notwendige Regulierung (eine europäische Kernkompetenz) schärfen und an den Aktienmärkten die klassischen Industrie- und Dividendenwerte (endlich) wieder stärker ins Scheinwerferlicht lassen. Der ATX kann davon nur profitieren.

Die Eskalation im Iran hat den Ölpreis in die Höhe getrieben, aufs Gesamtjahr gerechnet dürfte er aber wieder abnehmen, ebenso wie der Druck auf die Aktienkurse. Weniger Entlastung ist von der Zinsseite zu erwarten. Die Segmentierung des Welthandels und die erhöhten Sicherheitsausgaben – insbesondere der Staaten, aber auch der Unternehmen, etwa zur Abwehr von Cyberangriffen – tragen dazu bei, dass die Inflation wohl zurückgekommen ist, um zu bleiben. In der Eurozone besteht fast kein und in den USA nur ein auf 50 bis 100 Basispunkte begrenzter Spielraum für weitere Zinssenkungen.

 

Über die Autorin

Uta_Pock_c_Volksbank_Wien_Sigrid_Johns.jpg

Die Diplom-Volkswirtin Uta Pock ist seit Oktober 1999 Head of Research der Volksbank Wien AG.

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