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Kirschen gefällig?
Digitalisierung, künstliche Intelligenz und geistiges Eigentum verständlich und niederschwellig zugänglich zu machen, ist das Ziel von Manuela Weixlbaumer. „Gerade diese aktuell prägenden Themen wirken auf viele Menschen abstrakt, technisch oder einschüchternd“, sagt die Urheberin des „cherry compiler“.
Report: Auf welche Inhalte setzen Sie bei Ihrer Initiative „the cherry compiler“?
Manuela Weixlbaumer: Bei diesem Medienprojekt mit YouTube als Hauptkanal geht es um die Themenblöcke geistiges Eigentum, Digitalisierung und Female Empowerment, die natürlich auch ineinandergreifen. Eine Säule des geistigen Eigentums ist zum Beispiel das Urheberrecht. Aspekte der Digitalisierung, wie KI, tangieren dieses Rechtsgebiet massiv. Auf der anderen Seite haben technische Aspekte mit Patentrecht und Erfinder:innen zu tun. Gerade weibliche Pionierinnen der Technikgeschichte hole ich in meinem Format vor den Vorhang. Es gibt aber auch noch weitere Themen wie Medienrecht oder Unternehmertum – was ich gerade in meinen neueren Folgen thematisiere.
Das Ziel der Plattform ist, diese Themen, die oft für sich allein gedacht werden, miteinander zu verbinden und in einem Wissensangebot zu vereinen. Ich halte es gerade in Zeiten der Digitalisierung für eine wertvolle Eigenschaft, Dinge vernetzt zu sehen und Entwicklungen antizipieren zu können. Insbesondere für den Rechtsbereich halte ich es für notwendig, aus dem leider oft üblichen Silodenken auszubrechen und Recht mit anderen Disziplinen zu verknüpfen.
Neben YouTube betreibe ich auch meinen LinkedIn-Auftritt mit großem Engagement, wo ich oft unter der Marke „the cherry compiler“ über IP- und digitalisierungsrechtliche Themen poste – auch in Kooperation mit Partner:innen. Und ich trete als Speakerin unter dem Namen „the cherry compiler“ auf – der Titel ist in Anlehnung an meinen Nachnamen gewählt.
Was ist Ihr persönlicher und beruflicher Hintergrund? Warum haben Sie sich entschlossen, Video-Content zu produzieren?
Ich bin Juristin mit einer Spezialisierung auf Intellectual Property. Seit zirka einem Jahr bin ich als Head of Intellectual Property in der KEBA Group AG tätig, einem international tätigen Konzern in der Automatisierungsbranche. Im Unternehmen bin ich seit fast neun Jahren. Ich mag meine Rolle, denke aber selbst auch unternehmerisch. Meinen Vlog habe ich mir als kreatives Ventil gesucht, um die Themen, mit denen ich beruflich ständig zu tun habe, auf meine eigene Art dar- und vorzustellen.
Außerdem habe ich eine Affinität für die sozialen Medien und folge auf YouTube diversen Meinungsblogger:innen. Es war mir einfach eine persönliche Freude, mein eigenes Format zu entwickeln und zu kuratieren.
Sehen Sie generell ein Problem eines fehlenden Verständnisses für technische Themen in unserer Gesellschaft? Und in welcher Weise betrifft das auch Unternehmen?
Ich sehe generell ein fehlendes Verständnis für IP-rechtliche Themen in der Wirtschaft und Gesellschaft, wobei diese Themen gerade durch KI eine Renaissance erleben und daher besonders relevant sind. So ist Urheberrecht ein Rechtsgebiet, das oft falsch verstanden wird – etwa wie das Thema der Rechteeinräumung funktioniert, dass ich als Auftraggeber nicht automatisch Rechte am Ergebnis habe, das Zitatrecht und vieles mehr. Es sind Themen, die oft unter „ferner liefen“ firmieren, in der Praxis aber für Ungemach sorgen können und deshalb eigentlich kein Nebenthema sein sollten.
Technik wird oft als Expertenthema gesehen. Aber gerade wenn es um KI-Nutzung geht, sollte das nicht so sein. KI wird uns noch lange begleiten und ich sehe es als Aufgabe der Gesellschaft, dass wir hier niemanden zurücklassen. Vom Schulbub bis zur Großmutter sollte hier jeder zumindest Grundkenntnisse entwickeln und hierzu sollte es auch niederschwellige Angebote geben. Dass die Rolle von Frauen in der Technik noch Entwicklungspotenzial hat, steht für mich außer Frage. Das war einer der Gründe, warum ich in meinem Vlog Frauen in MINT (Anm. "Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik“) als Role Models vorgestellt habe.
Wo stehen wir generell bei der Sichtbarkeit von Frauen in der Technik in Österreich? Was sollte sich ändern?
In Österreich sind laut einer Statistik des Österreichischen Patentamtes nur etwa 8 Prozent aller Patentinhaber weiblich. Ein Patent ist eine technische Erfindung oder ein technisches Verfahren, das man schützen lassen kann. Diese Quote deckt sich leider mit meinen Erfahrungen aus der Praxis. Wenn ich etwa zu KI-Veranstaltungen gehe, ist hier auch ein großer Männerüberschuss zu bemerken, Frauen sind bei solchen Events oft eher als Begleitung denn als Teilnehmerinnen anzutreffen. Das finde ich schade, es ist vieles gesellschaftlich tradiert. Denken wir an die Flugpionierinnen der 20er- und 30er-Jahre. Heute sind Frauen in technischen Berufen oft unterrepräsentiert. Hier geht viel Potenzial verloren.
Ich selber bin Mitglied eines „Do Tanks“: Women in AI Austria. Vereine wie diese fördern die Sichtbarkeit von Frauen in MINT beziehungsweise KI und vernetzen auch Gleichgesinnte miteinander. Entsprechende Initiativen sollten bekannter gemacht werden, um ein Umdenken anzuregen.
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