Mittwoch, Juli 08, 2026

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Sieben Windkraftanlagen mit insgesamt 28,8 MW Windkraftleistung hat die EVN AG vor zwei Wochen in der Gemeinde Gnadendorf-Stronsdorf nördlich von Wien in Betrieb genommen. Für den in den Kernmärkten Niederösterreich, Bulgarien und Nordmazedonien tätigen Energiekonzern ist dieser Windpark ein weiterer Mosaikstein im Rahmen seiner Strategie 2030. Eine Milliarde Euro jährlich will die seit 1989 börsennotierte Gesellschaft in den Ausbau der Stromnetze, in Großbatteriespeicher sowie in die Wind- und Solarenergie investieren.

Drohnenfoto einer großen PV-Fläche am Standort Dürnrohr.
Der Energieknoten Dürnrohr der EVN.

Österreichs zweitgrößter Stromversorger will mit diesem Schritt das Profil seines integrierten Geschäftsmodells als Energie- und Infrastrukturdienstleister weiter schärfen. Damit reagiert die EVN auf die grundlegenden Veränderungen, die sich für die Energiebranche aus dem Ausbau der Erneuerbaren Energien und Stromnetze und den volatilen Strompreisen ergeben. Zugleich will sich das Unternehmen die regulatorischen Rahmenbedingungen zunutze machen, wie sie etwa die Initiative „REPower EU“ vorgibt. Um die europaweite Abhängigkeit von Drittstaaten zu verringern, so sieht es der ambitionierte Plan vor, soll innerhalb der EU der Anteil der erneuerbaren Energien am Energiemix von 23 Prozent im Jahr 2022 bis 2030 auf mindestens 42,5 Prozent steigen.

„Im Rahmen der Strategie 2030 investieren wir vorrangig in organisches Wachstum. Gleichzeitig verstärken wir unsere Schwerpunkte in Richtung Speichertechnologien, Digitalisierung und Künstliche Intelligenz“, erläutert Finanzvorständin Alexandra Wittmann. 80 Prozent der Investitionen entfallen auf das Bundesland Niederösterreich, wo die EVN in Maria Enzersdorf südlich von Wien ihren Hauptsitz hat. Der Ausbau der Netzinfrastruktur spielt dabei eine zentrale Rolle: Um die im Netzgebiet deutlich gestiegenen Schwankungen von Angebot und Nachfrage bei erneuerbaren Energien auszugleichen, will die EVN bis 2034 zusätzlich zu ihren schon bestehenden 90 Umspannwerken in Niederösterreich 55 neue errichten und zugleich die bestehenden Anlagen modernisieren.

Neben dem klaren Schwerpunkt Stromnetze sollen jeweils zehn Prozent der Investitionssumme in die erneuerbaren Energien und den Ausbau der Fernwärme gehen. Weitere 15 Prozent der Investitionen sind für die Aktivitäten in Bulgarien und Nordmazedonien geplant. In diesen beiden Märkten erzielt EVN mittlerweile die Hälfte des Konzernumsatzes. Die regulierten Stromnetze in diesen zwei Ländern stehen für stabile Einnahmen und Erträge.

Bei den erneuerbaren Energien hat sich die EVN zum Ziel gesetzt, bis 2030 in der Windkraft die Installationskapazitäten Windkraft von 561 auf 770 MW und von 120 MWp auf 300 MWp in der Photovoltaik auszubauen. Die Speicherleistung in Großbatterien soll von 12 auf 300 MW steigen, davon 200 in Österreich und 100 in Bulgarien und Nordmazedonien. Die Software für die ertragsoptimierte Bewirtschaftung der Batterien wurde von der konzerneigenen Tochter CyberGrid entwickelt. Im Bereich E-Mobilität hat die EVN im laufenden, am 30. September endenden Geschäftsjahr 2025/26 eine Kooperation mit AVIA Österreich gestartet. Dabei geht es darum, den Ausbau von Schnellladestationen für E-Fahrzeuge zu forcieren und an den AVIA-Tankstellen österreichweit zusätzliche Ladepunkte zu errichten.

Zwei klare Investitionsschwerpunkte verfolgt die EVN im Geschäftsfeld Trinkwasserversorgung. Nach den Worten von Technikvorstand Stefan Stallinger liegt ein Fokus auf der überregionalen Vernetzung der Versorgungsinfrastruktur über Transportleitungen. Des Weiteren will EVN die Trinkwasserqualität mit der Installation von Naturfilteranlagen weiter hochhalten.

Regulierte und stabile Erträge sind auch das Schlüsselwort für die Equity Story der EVN-Aktie, die sich seit neun Monaten im Aufwind befindet. Rund 80 Prozent des EBITDA stammen aus Geschäftsfeldern mit gut kalkulierbaren Einnahmen. Als Wachstumspotential obendrauf kommen Zukunftsthemen wie der Betrieb von E-Ladeinfrastruktur, das Flexibilitätsmanagement mittels Batteriespeicher sowie die Digitalisierung zur weiteren Ergebnisoptimierung im Kerngeschäft.

Mit den Halbjahreszahlen hat die EVN das Fundament für ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2025/26 gelegt. Verglichen mit dem Vorjahr stieg der Umsatz leicht von 1,73 auf 1,79 Milliarden Euro. Ergebnisseitig schaffte der im Wiener Leitindex ATX gelistete Konzern beim EBITDA einen Zuwachs um 7,9 Prozent auf 553,3 Millionen Euro. Der Konzerngewinn kletterte um 24,7 Prozent auf 312,4 Millionen Euro. Regulatorische Preiseffekte im Netzgeschäft, operative Verbesserungen im Energievertrieb und positive Einmaleffekte gaben dafür den Ausschlag. Beim Ausblick für das Gesamtjahr hält der Vorstand am Prognosekorridor von 430 bis 480 Millionen Euro für das Konzernergebnis fest. Im Bestfall entspricht das zehn Prozent Steigerung gegenüber 2024/25.

Über drei strategische Beteiligungen hat die EVN zusätzliche Ertragspfeiler eingebaut, die das Wachstum stützen. Den 12,6-Prozent-Anteil am Wettbewerber Verbund, einem der europaweit größten Produzenten von Wasserkraft, sieht die EVN als stabilisierenden Faktor gerade in Zeiten steigender Strompreise. Dazu kommen zwei weitere wesentliche Beteiligungen: 73,63 Prozent hält die EVN an der Burgenland Holding, die wiederum zu 49 Prozent am größten Windkraftproduzenten in Österreich beteiligt ist. Auf 50,03 Prozent beläuft sich der Anteil an der RAG Austria AG, einem Betreiber von Gasspeichern in Oberösterreich.

Für Anleger bietet sich die EVN als defensives Investment mit einem Renditekick durch die neuen Geschäftsfelder. Im Branchenvergleich ist die Aktie mit einem 2027er-KGV von 12 und einem Kurs-Umsatz-Verhältnis von zwei günstig bewertet. Als integrierter Energiekonzern und Infrastrukturdienstleister, der sich in seinen drei Ländermärkten in einem stabilen regulatorischen Umfeld bewegt, ist die EVN im internationalen Energiemarkt vergleichsweise robust aufgestellt. Die im Vergleich zu europäischen Blue Chips wie RWE, Iberdrola oder Engie günstige Aktienbewertung ist vor diesem Hintergrund ein klares Argument für Investoren, einen Blick auf diese außerhalb Österreichs noch weniger bekannte Energieaktie zu werfen.

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