Dienstag, Juli 07, 2026

Mehrwert für Manager

Bau | Immobilien

Gemeinsam mit einer deutschen Delegation hat Ulrich Lotz, Geschäftsführer der Betonverbände Baden-Württemberg führende österreichische Unternehmen der Betonfertigteil- bzw. Baubranche besucht. Der Bau & Immobilien Report hat Lotz während seiner Station bei Mischek Systembau zum Gespräch über Unterschiede und Ähnlichkeiten zwischen Österreich und Deutschland sowie die gemeinsamen Herausforderungen gebeten. Kleiner Spoiler: Österreich ist Deutschland mehr als ebenbürtig.


Welche Eindrücke konnten Sie bei Ihrer Studienreise gewinnen? Wo sehen Sie Unterschiede zu Deutschland, wo Ähnlichkeiten?

Ulrich Lotz: Der technische Stand in der Vorfertigung ist sehr ähnlich. Sehr beeindruckt hat mich, dass die systemintegrierten Bauteile wie Heizen und Kühlen in Österreich in deutlich größerem Maßstab verwendet werden als in Deutschland. Da ist Österreich und speziell der Wiener Raum ein europaweites Vorbild.

Was können Sie von so einer Studienreise für Ihre Mitglieder mitnehmen?

Lotz: Wir haben viele Anregungen zu den Produktionsprozessen bekommen, etwa zum Thema Lean Management. Da gibt es zwar in Deutschland auch einige Vorreiter, in der Breite ist Österreich aber deutlich weiter. Es geht in unserer Branche generell darum, dünner und schlanker zu werden, die Potenziale der Vorfertigung zu nutzen, um Ressourcen zu sparen. Mischek und Strabag haben ein ausgeklügeltes System an Wohnungstypen entwickelt, das vorproduziert werden kann. Das bringt serielles und damit leistbares Wohnen auf den Punkt.

Nicht nur die Strabag, auch die Porr oder Leyrer + Graf haben kürzlich serielle Wohnbaulösungen vorgestellt. Gibt es in Deutschland ähnliche Tendenzen?

Lotz: Leider noch zu wenig. Aus einem einfachen Grund. In Deutschland haben fast alle mittleren und großen Bauunternehmen in den 10er-Jahren ihre Fertigteilwerke verkauft. Da war man in Österreich weitsichtiger. Erst durch den Eintritt von Goldbeck in den Wohnungsmarkt hat das Thema wieder Fahrt aufgenommen. Der große Unterschied ist auch, dass deutsche Unternehmen häufig nur einzelne Elemente produzieren, während hier ganze Systeme mit schlanken Betonbauteilen angeboten werden. Das ist die Zukunft.

Sie haben sich bislang sehr positiv über die österreichische Beton- und -fertigteilindustrie geäußert. Was können wiederum die österreichischen Unternehmen von ihren deutschen Kollegen lernen?

Lotz: Deutschland bietet eine große Diversität an Produkten. Zudem sind viele Prozesse heute weitgehend digitalisiert. Technologisch sehr weit ist Deutschland auch bei Themen wie Schwammstadt, Behälterbau oder Retention.

Sie sind auch im europäischen Verband aktiv. Wie schwierig ist es aktuell, den Baustoff Beton in Brüssel zu vertreten und gegenüber Holz zu positionieren?

Lotz: In Brüssel halten viele Politiker ähnlich wie in Deutschland und Österreich nur Holz als nachhaltig, obwohl schon jetzt zu viel abgeholzt wird. Wir sehen schlanke Betonbauteile als Game­changer der Transformation. Wichtig ist die Technologieoffenheit, dafür setzen wir uns in Brüssel ein. Gleichzeitig sehen wir in Deutschland aber auch, dass das Thema Nachhaltigkeit etwas an Dynamik verliert. Niemand ist bereit, für CO2-reduzierte Produkte mehr zu bezahlen. Gleichzeitig gibt es aber die Vorgaben der Klimaneutralität bis 2040. Wir müssen also für den Beton Lösungen finden, sonst können wir nicht mehr bauen. Die Wege dorthin sind aber vielfältig.

Was ist aus Ihrer Sicht der Königsweg?

Lotz: Schlanke Betonbauteile schonen Ressourcen und optimieren die CO2-Bilanz durch die Zementeinsparung. Klimaneutral wird es erst durch Carbon Capture, nur dafür fehlt auch mittelfristig die Infrastruktur.

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