"Je mehr Wissende, desto besser für unsere Gesellschaft"

Foto: Peter Lenz, T-Systems: »Unternehmen sollten selbst viel in die Ausbildung ihrer Mitarbeiter investieren, um am Markt erfolgreich zu sein.« Foto: Peter Lenz, T-Systems: »Unternehmen sollten selbst viel in die Ausbildung ihrer Mitarbeiter investieren, um am Markt erfolgreich zu sein.«

Peter Lenz, neuer Vorsitzender der Geschäftsführung von T-Systems ­Austria, im Gespräch über das Regierungsprogramm, das Bildungsthema bei IT und das Ende des Hypes um das Internet of Things (IoT).

Zur Person: Mit 1. Jänner 2018 hat Peter Lenz, 48, den Vorsitz der Geschäftsführung von T-Systems in Österreich übernommen. Der Manager arbeitete zuvor in leitenden Funktionen bei Magna Europe, Magna Powertrain und der OMV AG. Von 2011 bis 2016 war Lenz bei den Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) als Konzern-CIO tätig.


(+) plus: Herr Lenz, haben Sie sich bereits das Regierungsprogramm durchgelesen? Wie finden Sie es hinsichtlich der Technologiethemen? Was ist Ihnen dazu besonders wichtig?

Peter Lenz: Ich habe es gelesen und finde das Programm speziell in den IT-Aspekten gut. Das Thema Digitalisierung ist ein Schwerpunkt, allein der Begriff kommt insgesamt 92 Mal vor. Die Regierung hat erkannt, dass die Digitalisierung für die österreichische Wirtschaft und die Organisationen wichtig ist. Für T-Systems, – wo wir uns Digitalisierung auf die magenta Fahne geschrieben haben –, sehe ich das natürlich sehr positiv. Ich weiß auch, dass wir mit Margarete Schramböck eine ausgewiesene Expertin haben, die als Wirtschaftsministerin die Branche gut kennt und entsprechend positiv lenken kann.

T-Systems ist Teil der Internetoffensive Österreich – eine Initiative in der Informations- und Telekommunikationsbranche tätiger Unternehmen –, die sich auch immer wieder bei der Bildungsfrage dazu eingebracht hat, etwa mit welchem Alter technikorientierte Bildung beginnen sollte. Ich persönlich finde, es sollten sich bereits Kinder im Volksschulalter mit IT beschäftigen können. Mit Block-Programmierung oder der Programmierung von Lego-Robotern können Kinder bereits erste Erfahrungen sammeln. Ich mache das auch selbst mit meinen Kindern – und es macht viel Spaß.

(+) plus: Sollten alle Kinder programmieren können?

Lenz:  Sie sollten jedenfalls eine Idee davon haben, was man mit Programmierung tun kann. Es geht hier um einen spielerischen Zugang zur IT, und das Erkennen von Vorgängen in einer digitalen Welt. Je mehr Wissende wir aus den jüngeren Generationen dazu ausbilden, desto besser ist dies für unsere Gesellschaft. Gerade in der Beeinflussung durch Social Media spielen Algorithmen eine große Rolle. Besser einschätzen zu können, woher Inhalte kommen, wie sie generiert und auch gefiltert werden, sollten eigentlich alle beherrschen.

(+) plus: Bekommen Sie die Fachkräfte, die Sie am Arbeitsmarkt suchen?

Lenz:  In bestimmten Bereichen ist es schon lange schwierig, Leute zu bekommen – beispielsweise SAP-Spezialisten. Das war vor zehn Jahren ein Mangelberuf und das ist es heute noch. Als Unternehmen ist es hier wichtig, Modul-Experten und SAP-Architekten mit einer Vielzahl an Projekten, einer breiten Kundenbasis und auch persönlichen Entwicklungsmöglichkeiten ein spannendes Einsatzfeld zu bieten. Diese Fachkräfte sind sich ihres Marktwertes bewusst. Sie können sich den Arbeitgeber aussuchen.

(+) plus: Welche Maßnahmen wären hier gefragt? Brauchen wir mehr Fachhochschulen oder mehr Engagement der Firmen?

Lenz:  Letzteres haben wir selbst mit einem umfangreichen PraktikantInnen-Programm, wo wir junge Leute ins Unternehmen holen und ein Jahr lang bei spannenden Themenstellungen einsetzen. Der Praktikant oder die Praktikantin sieht, wie T-Systems als Arbeitgeberin tickt, auch welche Sozialleistungen wir bieten und in welcher Weise eine persönliche Weiterentwicklung möglich ist. Zum anderen können natürlich auch wir so prüfen, wen wir langfristig an unser Haus binden wollen. Das Ergebnis: 70 bis 80 Prozent resultieren in einem fixen Anstellungsverhältnis.

Cybersecurity ist ein weiteres Gebiet, in dem wir als Unternehmen in die Ausbildung von Leuten stark investieren. Der Marktbedarf ist klar da und es ist einfach wichtig, genügend Fachkräfte im eigenen Haus oder auch bei Partnern verfügbar zu haben und diese für Kunden einsetzen zu können. Hier gehen wir auch konsequent in die Fachhochschulen und gewinnen Interessierte.

Meines Erachtens brauchen wir in der Bildung mehr Ausbildungsplätze in Österreich bei Spezialausrichtungen wie Cybersecurity und SAP. In anderen IT-Bereichen wie bei .Net oder Java sehe ich keine Engpässe.

(+) plus: Welche Schwerpunkte sehen Sie bei der Unternehmens-IT Ihrer Kunden? Was steht für die nächsten ein bis zwei Jahre auf dem Programm?

Lenz: Es ist auf jeden Fall ein breites Portfolio. Manche wollen klassisches IT-Outsourcing weiterbetreiben. Dann gibt einige Unternehmen, die damit noch gar nicht gearbeitet haben. Mit diesen Kunden beginnen wir ein »First Generation Outsourcing«, wie wir es nennen. Dabei übernimmt ein professioneller IT-Dienstleister wie T-Systems Rechenzentrumsleis­tungen in die Verantwortung, die früher von einer Unternehmens-IT selbst erbracht wurden. Zum Teil geht das auch mit einer Übernahme von Mitarbeitern einher. Das ist schon zu einer Commodity geworden und es ist, muss man fairerweise sagen, ein mittlerweile sehr preisaggressiver Markt.

Noch spannender finde ich neue Dimensionen wie Ende-zu-Ende-Services im Bereich der Cybersecurity. Die IT eines Unternehmens oder einer Organisation alleine schafft es gar nicht mehr, all die unterschiedlichen Aspekte von IT-Sicherheit in den eigenen Reihen vorzuhalten. Hier wird es ver­stärkt in Abolösungen für Rundumservices eines großen Anbieters wie T-Systems gehen.

(+) plus: Ist dies eine Frage der Größe des Unternehmenskunden? Je kleiner eine Firma, desto aufwendiger ist es, Fachwissen im eigenen Haus zu haben.

Lenz:  Da stimme ich Ihnen zu, aber auch die ganz Großen in Österreich stehen vor der gleichen Herausforderung. Das Feld der Cybersecurity ist so breit geworden, dass es schwierig ist, all diese Ressourcen im Haus abzudecken: Application-Penetration-Tests, Frühzeit­erkennung weltweiter Bedrohungsszenarien, Vorfälle wie Meltdown, Spectre oder der Ransomware-Wurm WannaCry im letzten Jahr – all das sind besondere Situationen, in denen wir sehr von unserer internationalen Infrastruktur profitieren. T-Systems hat im Konzern der Deutschen Telekom über 1000 Fachleute im Cybersecurity-Umfeld tätig. Wir haben weltweit Fallen, sogenannte Honeypots, ausgelegt, um frühzeitig Angriffsvektoren zu erkennen. Wir stehen auch direkt mit den IT-Herstellern im Dialog. All das kann selbst auch ein großes österreichisches Unternehmen nicht mehr leisten.

(+) plus: Allerorts ist der Trend Industrie 4.0 respektive Internet of Things ausgerufen. Wie weit werden Projekte bereits zu Boden gebracht und in die Praxis umgesetzt?

Lenz: Wir gehen hier bereits in konkrete Proof-of-Concepts und darüber hinaus. Das findet bei einem Kunden in der fertigenden Industrie statt, der weltweit seine Güter und Umgebungsbedingungen, welcher Feuchtigkeit sie etwa ausgesetzt sind, mit Hilfe von Sensorik verfolgt. Zu wissen, wo die Produkte gerade transportiert oder zwischengelagert werden, war früher nicht selbstverständlich. Dieses Wissens und Nachverfolgbarkeit ist generell für Unternehmen ein Vorteil, die sich mit Logistik beschäftigen. Bei den Proof-of-Concepts versuchen wir gemeinsam mit dem Kunden unterschiedlichste Fragestellungen technisch zu lösen.

Ich bin der Meinung, dass wir die Phase des Hypes dieses Themas überwunden haben und nun beginnen, konkrete Projekte umzusetzen. Ein schönes internationales Beispiel das T-Systems in Hamburg plant, ist »Smart Parking«. Damit können Autofahrer per App freie Plätze finden, suchen und auch gleich bezahlen. Dies hilft vor allem Zeit, aber auch Lärm und Abgase im Stadtverkehr zu reduzieren. Damit Echtzeitinformationen über verfügbare Parkplätze vorliegen, werden in Hamburg in den nächsten drei Jahren bis zu 11.000 Parkplätze im öffentlichen Raum vernetzt. Die Technologie, die hinter der Kommunikation zwischen App und Sensor steckt, basiert auf dem Schmalband-Mobilfunknetz, dem »Narrowband Internet of Things«.

(+) plus: Welche Ziele haben Sie für das  IoT-Geschäft in Österreich?

Lenz: Unser Umsatzziel ist klar auf Wachstum getrimmt. Wir wollen auf jeden Fall einige Demonstrationen aus dem vergangenen Jahr jetzt in konkrete Projekte weiterführen. Es ist ein Feld, auf dem wir unsere Stärken ausspielen können: ein großes Partnernetzwerk, worüber wir die Sensoren beziehen, die Connectivity-Lösungen unserer Schwester T-Mobile sowie unsere Data-Center-Expertise und Erfahrung mit der Analyse und Aufbereitung von Daten.

Last modified onDienstag, 06 Februar 2018 16:57
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