Tuesday, June 09, 2026

Mehrwert für Manager

Bau | Immobilien

Die Immobilienpreise in Österreich steigen wieder, doch der Markt ist nicht in seine alte Leichtigkeit zurückgefallen. Käufer prüfen genauer, Finanzierungen bleiben empfindlich, und energetische Schwächen werden schneller zum Preisargument. „Transparenz ist im Kaufprozess entscheidend“, sagt Tim Hermeling, CEO von ohne-makler.at, der den Markt aus der Perspektive provisionsfreier Privatverkäufe beobachtet. Seine Diagnose: Energieeffizienz, Sanierungskosten und Finanzierung entscheiden zunehmend darüber, ob eine Immobilie zügig Käufer findet oder im Preis nachgeben muss. In den Städten stützt die knappe Lage den Markt, außerhalb der Ballungsräume werden Energieeffizienz und Sanierungsbedarf schneller zum Verkaufsproblem.

Laut neuen Marktdaten gehen die Preise in Österreich für Wohnungen, Häuser und Baugrundstücke wieder nach oben. Ein Trend, den Sie auch sehen?

Tim Hermeling: Ja, wir sehen, dass sich der Markt nachhaltig stabilisiert hat. Und das nicht erst seit diesem Jahr. Bereits seit 2024 erholen sich die Immobilienpreise wieder etwas. Sowohl was die Angebots- als auch was die tatsächlichen Verkaufspreise angeht.

Besonders in stark nachgefragten Lagen, beispielsweise den städtischen Ballungszentren von Wien, Graz, Linz und Salzburg ist das Preisverhalten spürbar robuster als noch in den vergangenen Jahren. Das bedeutet aber nicht, dass jeder Preis automatisch durchsetzbar ist. Denn Käufer prüfen heute sehr genau: Lage, Zustand, Energiekosten, Finanzierung und Kaufnebenkosten. All das spielt in der Preisfindung eine Rolle.

Eng verzahnt ist das mit der wieder etwas höheren Inflation. In Kombination mit den aktuellen Energiepreise werden die Verbraucherkosten so nach oben gekurbelt. Reallöhne steigen nicht parallel dazu. Die Frage nach eingespartem Geld stellt sich so umso mehr. Auch bei Immobilien.

Was wir sehr begrüßen: Immer mehr Privatverkäufer trauen sich zu, professionell und mit großer Reichweite zu verkaufen. Und das in Eigenregie, ohne einen teuren Makler. Maklerprovisionen werden als verzichtbarer finanzieller Ballast gesehen, der den Verkaufsprozess nur unnötig teuer gestaltet. Das war vor fünf oder zehn Jahren nicht so ausgeprägt und bestärkt uns in dem, was wir tun.

Wie bewerten Sie die ersten sechs Monate 2026 insgesamt, nun das vierte Jahr in Folge nach der Zinswende?

Hermeling: Die ersten sechs Monate 2026 zeigen aus meiner Sicht einen Markt, der sich wie auch in den zwei Vorgängerjahren, an die neue Normalität angepasst hat.

Ich persönlich glaube nicht, dass noch irgendjemand die Nullzinsphasen für zukünftig möglich hält. Geschweige denn, dass wir diese günstigen Rahmenbedingungen so schnell wiedersehen werden. Eher halte ich das für eine historische Ausnahme auf dem Finanzierungsmarkt.

Die Phase der großen Verunsicherung nach der Zinswende ist aber nicht vollständig vorbei. Das zeigt die wieder ansteigende Inflation, die zu einer Zinswirkung führen könnte. Aber davon ab sehen wir: Wer verkaufen möchte, muss heute besser vorbereitet sein, transparenter kommunizieren und den Preis belastbar herleiten. Zugleich wünschen sich Verkäufer einfache Prozesse, Nutzerkontrolle, starke Reichweiten und wirksame Sichtbarkeit, damit Inserate möglichst präsent gelistet sind. Genau das bieten wir und damit konnten wir uns in den letzten Monaten am Markt sehr gut platzieren.

Laut Gallup-Umfrage immer wichtiger: Immobilien kaufen, die nachhaltig sind. Besonders bei Wohnungen. Sagen Ihre Kunden das Gleiche?

Hermeling: Ja, das Thema Nachhaltigkeit spielt definitiv eine größere Rolle. Unsere Kunden merken vor allem, dass Käufer sehr viel genauer auf Energieeffizienz, Heizkosten und Sanierungsbedarf achten. Das gilt bei Wohnungen genauso wie bei Häusern.

Beide Verkaufsparteien wissen: Marode Fenster, alte Gasheizung, schlechte Dämmung: All das muss in den Folgejahren zwingend saniert werden. Da wird sehr genau schaut, um finanziell kein Wagnis einzugehen.

Viele Interessenten wollen wissen: Was kommt nach dem Kauf noch auf mich zu? Wie hoch sind die laufenden Kosten? Welche Elemente im Haus oder in der Wohnung müssen bis wann zu welchen Kosten saniert werden?

Eigentümer sollten diese Fragen ernst nehmen und entsprechende Informationen frühzeitig und transparent bereitstellen. Sie sollten außerdem damit rechnen, dass ein Sanierungsstau und ein schlechter energetischer Zustand den Preis spürbar nach unten drücken können.

Geht die Schere zwischen alten umweltunfreundlichen und innovativen Gebäuden so weiter auseinander?

Hermeling: Ich gehe davon aus, dass diese Schere weiter auseinandergeht. Gebäude mit guter Energieeffizienz, moderner Technik und überschaubaren Betriebskosten werden für Käufer attraktiver.

Bei älteren Objekten mit schlechtem energetischem Zustand muss mit spürbaren Abschlägen gerechnet werden. Erst recht, wenn die Immobilie weit außerhalb von Wien, Graz, Linz und Salzburg steht.

Das heißt nicht, dass solche Immobilien unverkäuflich sind. Sie müssen aber realistisch eingepreist werden und Verkäufer sollten offen mit möglichen Sanierungsthemen umgehen. Wer zum Beispiel schon Angebote für Modernisierungen oder eine Einschätzung zu Sanierungskosten vorlegen kann, nimmt Interessenten viel Unsicherheit.

Gibt es da Unterschiede in Stadt und in den großen Flächenländern?

Hermeling: Ja, die Unterschiede sind deutlich. In Städten und sehr gefragten Lagen bleibt die Nachfrage grundsätzlich stärker, weil Lage und Knappheit viel Gewicht haben. Dort werden auch ältere Immobilien oft noch gut nachgefragt, wenn Preis und Lage stimmen.

In ländlicheren Regionen schauen Käufer dagegen häufig noch genauer auf laufende Kosten, Sanierungsbedarf und langfristige Nutzbarkeit. Wenn dort ein Objekt energetisch in schlechten Zustand ist und zusätzlich viel investiert werden muss, schlägt sich das im Preis oder in längeren Vermarktungszeiten nieder.

Und macht es einen Unterschied, ob jung oder alt kauft?

Hermeling: Ja, tendenziell schon. Jüngere Käufer achten oft stärker auf Energieeffizienz, Nachhaltigkeit und planbare Nebenkosten, weil sie langfristig kalkulieren und häufig ohnehin eine engere Finanzierung haben.

Für sie ist wichtig, dass nach dem Kauf nicht sofort hohe zusätzliche Sanierungskosten entstehen. Ältere Käufer entscheiden auch nach Lage, Alltagstauglichkeit und Sicherheit, etwa Barrierefreiheit, moderner Infrastruktur oder geringer Instandhaltungsaufwand. Am Ende gilt aber für alle Altersgruppen:

Transparenz ist im Kaufprozess entscheidend. Je klarer Zustand, Kosten und Potenzial einer Immobilie dargestellt werden, desto leichter fällt die Kaufentscheidung und desto weniger Überraschungen gibt es für beide Seiten bis zur Vertragsunterzeichnung.

Wie wird der Immobilienmarkt in der zweiten Jahreshälfte Ihrer Meinung nach ausschauen?

Hermeling: Ich gehe fest davon aus, dass die anfangs beschriebene Markterholung weiter anhält. Dichtbesiedelten Städten und ihren umliegenden Lagen gehört die Zukunft des österreichischen Immobilienmarktes.

Kosten und Finanzierung werden parallel die wichtigsten Themen sein. Ich würde mich da abschließend immer nach dem Zinsniveau umschauen.

Denn eine Änderung der Leitzinsen nach oben könnte zu einem gewissen Preisdruck am Markt führen, weil die Finanzierung dadurch wieder teurer wird. Umso wichtiger ist unser Angebot mit provisionsfreien Immobilien, bei denen der Käufer die Maklerkosten spart. Bleiben weitere Krisen aus, bin ich aber zuversichtlich, dass sich der Immobilienmarkt positiv entwickeln wird.

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