Tuesday, June 09, 2026

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Bau | Immobilien

Die Absicherung von Baustellen hat sich in Österreich in den vergangenen Jahren von einer rein praktischen Herausforderung zu einer komplexen rechtlichen und versicherungstechnischen Fragestellung entwickelt. Gemeinsam mit der VAV Versicherung zeigt der Bau & Immobilien Report, dass Maßnahmen wie Videoüberwachung und mobile Brandschutzkonzepte dabei keine bloßen Zusatz­instrumente mehr sind, sondern integrale Bestandteile eines rechtlich relevanten Risikomanagements.

Bild: iStock


Baustellen stellen aus Sicht der Bauwesenversicherung ein besonders dynamisches Risiko dar. Sie zeichnen sich durch wechselnde Bauzustände, eine Vielzahl beteiligter Unternehmen sowie eine erhöhte Exposition gegenüber externen Einflüssen aus. Statistische Erhebungen zeigen, dass rund 80 bis 90 Prozent der Bauunternehmen in Österreich bereits von Baustellendiebstählen betroffen waren. Teilweise wird von täglich etwa zehn Diebstählen ausgegangen, während sich die jährlichen Schadenssummen im zweistelligen Millionenbereich bewegen. Gleichzeitig berichten über 70 Prozent der Verantwortlichen von einer Zunahme solcher Vorfälle. Diese Entwicklung stellt einen wesentlichen Treiber für die zunehmende Professionalisierung von Sicherheitsmaßnahmen dar.

Glossar: Obliegenheiten
Obliegenheiten sind im österreichischen Versicherungsvertragsgesetz, insbesondere in § 6 VersVG, geregelt. Es handelt sich um Verhaltensanforderungen, deren Verletzung zu einer Einschränkung oder zum Verlust des Versicherungsschutzes führen kann. Die Rechtsfolgen hängen vom Verschuldensgrad ab und reichen von anteiligen Kürzungen bis zur vollständigen Leistungsfreiheit.


Big Brother is watching you?

Vor allem in den letzten Jahren haben sich – aufgrund steigenden wirtschaftlichen Drucks sowie Anforderungen von Versicherungen – Sicherheitslösungen, insbesondere mobile Videoüberwachungssysteme, von einer punktuellen Maßnahme zu einem faktischen Standard entwickelt.

Die Vorteile der Videoüberwachung sind dabei vielschichtig. Sie entfaltet zunächst eine präventive Wirkung, indem sie potenzielle Täter abschreckt. Darüber hinaus ermöglicht sie eine kontinuierliche Überwachung auch außerhalb der Arbeitszeiten und reduziert damit typische Sicherheitslücken. Ein wesentlicher Vorteil liegt in der Beweissicherung. Im Versicherungsfall kann der Schadenshergang durch die Aufzeichnungen objektiv nachvollzogen werden, was die Durchsetzung von Ansprüchen erheblich erleichtert.

Ein weiterer zentraler Vorteil ist die Möglichkeit der Echtzeitintervention. Moderne Systeme erkennen Bewegungen automatisiert und lösen unmittelbar Alarm aus. Dies ermöglicht eine schnelle Reaktion und kann Schäden bereits im Entstehungsstadium verhindern. Ergänzend dazu verbessert die Videoüberwachung die interne Organisation, da Abläufe nachvollziehbar werden und Konflikte zwischen den Projektbeteiligten leichter geklärt werden können.

Was tun, bevor es brennt?
Neben der Videoüberwachung stellt der Brandschutz eine weitere zentrale Säule der Baustellensicherheit dar. Baustellen sind aufgrund provisorischer Installationen, offener Bauzustände und brandgefährlicher Tätigkeiten besonders anfällig für Brände. Gleichzeitig fehlen in frühen Bauphasen häufig feste Brandschutzsysteme, wodurch temporäre Lösungen erforderlich werden.

Mobile Brandschutzkonzepte bieten hier erhebliche Vorteile. Sie können flexibel an den jeweiligen Bauzustand angepasst werden und stellen sicher, dass Risiken kontinuierlich adressiert werden. So erkennen mobile Brandanlagen etwa Rauch und Hitze in einem sehr frühen Stadium und ermöglichen damit eine rasche Reaktion.

Darüber hinaus gewährleisten temporäre Löschsysteme eine unmittelbare Brandbekämpfung, wodurch eine Ausbreitung verhindert werden kann. Organisatorische Maßnahmen wie klar definierte Fluchtwege, strukturierte Lagerung von Materialien und regelmäßige Kontrollen erhöhen die Sicherheit zusätzlich. Der Einsatz von Brandwachen stellt sicher, dass besonders risikoreiche Tätigkeiten überwacht werden.

Auch im versicherungsrechtlichen Kontext bieten Brandschutzkonzepte wesentliche Vorteile. Sie reduzieren nicht nur die Eintrittswahrscheinlichkeit von Schäden, sondern stärken auch die Position des Versicherungsnehmers im Schadensfall. Die Einhaltung entsprechender Maßnahmen wird regelmäßig als Teil der Obliegenheiten gewertet. Klare Zuständigkeiten, definierte Prozesse und eine lückenlose Dokumentation sind als Nachweis der Einhaltung der Obliegenheiten unerlässlich und können entscheidend sein, um Leistungskürzungen im Schadensfall zu vermeiden.

Grafik im Bau & Immobilien Report zum Thema: https://online.fliphtml5.com/jlgle/bau-05_2026-klein/#p=31


Fazit
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass Videoüberwachung und mobile Brandschutzkonzepte heute nicht mehr nur technische Instrumente sind, sondern zentrale Elemente eines rechtlich geprägten Sicherheitskonzepts darstellen. Angesichts steigender Schadenszahlen, wirtschaftlichen Drucks und versicherungsrechtlicher Anforderungen haben sie sich in Österreich zu einem neuen Standard entwickelt. Ihre konsequente und rechtssichere Umsetzung ist entscheidend für den Erhalt des Versicherungsschutzes und den nachhaltigen Erfolg von Bauprojekten.

 

Der Autor

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Mag. Mario Adamek ist Abteilungsleiter Allgemeine Haftpflicht/Bauwesen bei der VAV Versicherungs-Aktiengesellschaft. Die VAV wurde vor mehr als fünfzig Jahren als »Versicherung für die Bauwirtschaft« in Österreich gegründet, heute ist sie sowohl im Privatkundengeschäft als auch im Firmenkundengeschäft tätig. Das Versicherungsunternehmen verfügt über langjährige Expertise vor allem in den Bereichen Bauwesen, Haftpflicht und Sachversicherung. Die VAV ist Teil der VHV Gruppe mit Sitz in Hannover.
www.vav.at 

 

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