Sonntag, Juni 16, 2024

Multimedia aus der Cloud ins Auto – so sieht das neue Online-Bordprogramm der Deutschen Telekom aus. Über eine Breitbandanbindung wird via WLAN-Hotspot während der Fahrt aus einem Angebot an Videos, TV und digitalen Büchern gewählt.

Von Karin Legat aus Berlin

Drehen wir die Uhr zurück: Bei Urlaubsfahrten in meiner Kindheit war von Multimedia noch keine Rede. Im Winter gab es außer Schneelandschaft nichts zu sehen. Im Sommer dominierten Sonne und Hitze, die Suche nach einem schattigen Platz war Aktivität genug. Für Unterhaltung sorgten Micky-Maus-Hefte, Wortspiele mit meiner Mutter oder Ratespiele zu Kennzeichen der anderen Autofahrer. Heute erobert Multimedia die Automotive-Landschaft. Mit »Drive and Enjoy« präsentierte die Deutsche Telekom auf der Internationalen Funkausstellung (IFA), wie Unterhaltung im Auto künftig aussehen kann. Über eine Breitbandanbindung gelangen Multimediainhalte via WLAN-Hotspot direkt aus der Cloud ins Auto. »Bisher waren ISL – Inter Switch Link – und Hotspot im Regelfall an Gebäude gebunden. Auch Flugzeuge weisen die nötige Infrastruktur auf. Wir setzen dieses Konzept nun auch im Auto um«, berichtet Christian Kennecke, Produktmanager Drive and Enjoy. »Unser Konzept ist aber nicht an das Auto gebunden. Denkbar ist es auch für Busfernreisen oder in der Bahn.«

Leuchtende Augen

Das Feedback der Messebesucher bezeichnet Kennecke als überwältigend. »Wir haben bewusst sehr viele Familien mit Kindern durchgelotst. Dabei haben die Kinder ihren Eltern erklärt, wie unser System abläuft«, lacht er. »Es kam keine Kritik, nur Ideen für Weiterentwicklungen, etwa Gaming, Internetbrowser und Facebook. Die Besucher spinnen schon den nächsten Gedanken weiter. Wir konzentrieren uns aber derzeit auf Breitband.« In der Zukunft sei eine Erweiterung des Angebots sicher möglich. »Wir haben uns für Entertainment entschieden, denn wir wollen etwas bieten, was nicht bereits mitgeführt wird«, betont er und bezieht sich dabei auf Facebook.

»Den Account haben die meisten bereits am Handy.« Für die Konzeptstudie hat die Deutsche Telekom eine Auswahl an Filmen und Hörbüchern getroffen. Im regulären Produkt ist aber das gesamte Programm inkludiert. Von Cloud bis Livestream wie das Internet-TV KIKA kann aus etwa 18.000 Dateien gewählt werden. Als Besonderheit nennt Kennecke die Einbindung eines Startup-Unternehmens aus Berlin, das Bücher auf wenigen Seiten zusammenfasst. Ein Roman auf 15 Seiten ist auch für eine kürzere Urlaubsfahrt eine gute Ablenkung.

Mama Multimedia?

Die Gefahr der weiteren Desozialisierung sieht der Telekom-Produktmanager nicht. »Ich finde den Einwand zwar berechtigt, aber man muss sich das aktuelle Nutzungsverhalten ansehen. DVD-Player und Gameboy kommen schon heute intensiv zum Einsatz. Mit Drive and Enjoy bietet sich Eltern nun die Möglichkeit, gezielt zu steuern, was Kinder an Entertainment nutzen.« Auch während der Fahrt kann via Display kontrolliert werden, ob auf altersgerechte Medien zugegriffen wird. »Wir unterstützen den Multimediatrend nicht, sondern reagieren vielmehr darauf«, betont Kennecke.

Der Ablauf

Die Technik hinter dem Onboard-Programm: Eine spezielle App für mobile Endgeräte (iPads und iPhones) ermög­licht den Mitfahrenden die Auswahl und den Abruf der Inhalte aus dem Bordprogramm. Filme dürfen dabei nicht von den Kindern gekauft werden, dies erfolgt über die Eltern, die zuvor die Metadaten zum Film beziehungsweise Spiel erhalten. Die Freigabe läuft über ein iPad, gestreamt wird über den Hotspot. Filme, digitale Bücher und Spiele müssen dabei nicht heruntergeladen werden. Sie werden live gesehen. »WLAN und LTE sind dafür ausreichend«, versichert der Produktmanager.

Sicherheit ist gewährleistet

Ablenkung am Steuer verursacht jeden zehnten Autounfall. Das hat die deutsche Telekom bei der Entwicklung von Drive and Enjoy berücksichtigt. Fahrer und Beifahrer können das Bordprogramm Dank Integration in BMW Connected-Drive bequem während der Fahrt über das Fahrerdisplay einerseits und die Bedienelemente in der Armatur andererseits bedienen. »Wir sind von BMW zertifiziert, mit unserem Programm in den fließenden Verkehr zu gehen«, beruhigt Kennecke. Auch akustisch ist es keine Ablenkung, das Programm wird über Kopfhörer wiedergegeben. »Bei der IFA haben Interessierte vielleicht einen falschen Eindruck erhalten. Dort gab es keine Kopfhörer. Wir waren gezwungen, auf sie zu verzichten, da sie uns gestohlen wurden.« Natürlich gibt es auch Hörmedien, die vom Fahrer definiert werden. Diese sieht Kennecke aber nicht als gravierende Ablenkung, denn »Hörbücher höre ich bei längeren Fahrten schon jetzt. Zuletzt habe ich auch die Ein-Stunden-Diskussionsrunde zur Wahl im Radio verfolgt. Solange keine bewegten Bilder den Fahrer ablenken, solange sehe ich in der Nutzung von Medien kein Problem.«

Pricing

Drive and Enjoy soll künftig als Entertainmentvariante oder als eigenständiges Produkt gebucht werden. Die Kosten dafür stehen noch im Raum. »Es gibt verschiedene Geschäftsmodelle: entweder eine Monats- oder Jahresflat, die eine bestimmte Anzahl an Filmen inkludiert, oder Klick-per-View, wie bei Videoload. Wir wollten das IFA-Feedback von Presse, Kunden und Partnern abwarten.« Wann die Konzeptstudie folglich zu einem marktreifen Produkt wird, steht noch nicht fest.

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