Freitag, Dezember 02, 2022

Künstliche Intelligenz, Augmented- und Virtual Reality und Wearables werden zunehmend im Gesundheitsbereich eingesetzt. Als potenziell große Innovation wird das sogenannte „Healthcare Metaverse“ gehandelt. Es lockt mit Versprechungen von Effizienz und besseren Therapien - aber was bedeutet diese Entwicklung für unsere Gesundheitsdaten? 

Bereits seit einigen Jahren befindet sich der Gesundheitsbereich in Deutschland in einem digitalen Umbruch. Die Pandemie hat diesen Prozess weiter beschleunigt und deutlich gemacht, welche digitalen Angebote hier dringend benötigt werden. Für viele Expert*innen könnte das „Healthcare Metaverse“ in diesem Kontext zum Gamechanger werden. Die Management- und Technologieberatung BearingPoint und das Handelsblatt Research Institute (HRI) haben die Potenziale des neuen Metaverse in einer Studie genauer untersucht. 

Telemedizin gewinnt zunehmend an Bedeutung. Vor allem seit der Pandemie haben sich Fernbehandlungen weiter etabliert, insbesondere für Sitzungen mit Psycholog*innen. Allerdings bleibt die Immersion dabei eher gering, da Ärzt*innen und Patient*innen sich nur am Bildschirm sehen. Träfen sich beide hingegen als Avatare im Metaverse, können sie sich eher als Personen wahrnehmen und möglicherweise besser interagieren. Mittels Simulation könnten Ärzt*innen auch Operationsverläufe und etwaige Komplikationen ihren Patient*innen transparenter und anschaulicher erklären.

Stefan Savu, Partner bei BearingPoint, meint dazu: „Ein zentraler Aspekt für das Metaverse ist das Konzept des digitalen Zwillings – dem Avatar – also eine digitale Kopie von uns selbst. Übertragen auf ein Healthcare Metaverse bedeutet das: Der Avatar wird mit den Gesundheitswerten und -merkmalen der realen Person ausgestattet, z.B. den Vitalparametern wie Puls, Blutdruck, Körpertemperatur, Atemfrequenz, aber auch der Krankheitsgeschichte oder den Ess- und Sportgewohnheiten.“ So ließen sich beispielsweise die Auswirkungen bestimmter Ess- oder Sportgewohnheiten auf die Gesundheit in 20 Jahren extrapolieren – oder auch, was passiert, wenn sich diese ändern, erklärkt Savu. Der digitale Zwilling könne zudem für Prognosen zum Auftreten von beispielsweise Herz-Kreislauf-Erkrankungen genutzt werden.

Die meisten der Befragten hoffen, dass das Metaverse - wie auch die Telemedizin - zur besseren Erreichbarkeit von Ärzt*innen beitragen kann. (Quelle: BearingPoint)

Hemmschuh Datensicherheit

Eine wichtige Säule für das Metaverse sind Daten. Doch bisher ungelöste Fragen der Datensicherheit stehen deren Digitalisierung bisher im Weg – vor allem im Bereich Gesundheit. Das Misstrauen in der Bevölkerung hinsichtlich Datensicherheit ist nach wie vor groß. Das zeigt eine neue Umfrage von BearingPoint, nach der 46 Prozent der Befragten ihre Gesundheitsdaten in einem Healthcare Metaverse nicht genügend vor dem Zugriff unbefugter Dritter geschützt sehen. Damit ein Metaverse aber gut funktionieren kann, braucht es das Vertrauen der Menschen in die Sicherheit ihrer Daten und ein gutes Zusammenspiel der relevanten Player im Gesundheitsbereich. Erst durch die Datenfreigabe der Nutzer und das Vernetzen mit Ärzt*innen können neue Erkenntnisse aus Gesundheitsdaten abgeleitet werden.

„Das Metaverse bietet noch nie dagewesene Möglichkeiten, die Gesundheit der Menschheit zu revolutionieren. Mit Blick auf die Vorbehalte in der Bevölkerung hinsichtlich Datenschutz und angesichts der Tatsache, dass 90 Prozent der über 55-Jährigen noch nie von einem Healthcare Metaverse gehört haben, braucht es dringend Informationskampagnen, um die neuen Möglichkeiten zur Gesundheitsprävention den Menschen näherzubringen“, meint Sven Jung, Head of Economic Intelligence beim Handelsblatt Research Institute.

„Aus unserer Sicht wird es in Zukunft auch immens wichtig sein, die unterschiedlichen Akteure enger zusammenzubringen. Das bedeutet, dass jeder Einzelne ein erhöhtes Augenmaß auf die Sicherheit eigener Daten haben muss. Die Vertrauenspersonen Hausärzt*innen oder Fachärzt*innen, Krankenhäuser und Krankenkassen, müssen in neue Möglichkeiten der Gesundheitsversorgung involviert werden, damit sie als Botschafter für die neuen Technologien fungieren. Erst wenn die Möglichkeiten der Technologie verstanden werden, können sie der Bevölkerung vermittelt werden“, so Jung abschließend.

Die gesamte Studie finden Sie unter folgendem Link: www.bearingpoint.com

 

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