Monday, April 20, 2026

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KI und unternehmerische Entscheidungen: Es ist eine Frage der Chancen und Grenzen. Ein Gespräch auf der Digital X in Wien im März (Link) mit Henning Beck. Er ist Neurowissenschaftler, Biochemiker und deutscher Meister im Science Slam.

Fotocredit: Sandra Oblak


Wie unterscheiden sich menschliche Entscheidungsprozesse von KI – und warum ist das für Unternehmen entscheidend?

Henning Beck: Menschen denken immer vom Ende her. Sie überlegen sich, was das Ziel in der Zukunft ist und wie man dahin kommt. Das ist genau das Gegenteil davon, wie Sprachmodelle arbeiten. Die optimieren und berechnen stets aus der Vergangenheit in die Gegenwart gerichtet. Zwei plus zwei ergibt immer vier – man entscheidet sich ja nicht willkürlich dafür. Eine unternehmerische strategische Entscheidung lässt sich aber nicht mathematisch fassen. Das Ziel des Erfolgs und der Weg mit all den notwendigen Unsicherheiten und Freiheiten muss der wesentliche Faktor sein, aber sicherlich nicht eine bestimmte Technologie, nur weil sie da ist.

Welches Herausforderungen haben Menschen bei KI?

Beck: Die Leistungsfähigkeit von generativer KI bedeutet, dass wir in Zukunft alle Arten von digitalen Medien erstellen können. Jeder kann sich seinen eigenen Radiosender bauen, den eigenen Kinofilm erstellen, Musik und Computerspiele erschaffen. Das sind erstaunliche Möglichkeiten. Bemerkenswert ist auch, dass es die erste von Menschen hergestellte Technologie ist, die sich nicht verlässlich verhalten soll. Alles bislang Menschengemachte – die Brille, die Sie tragen, Kleidung, Schreibwerkzeuge – verhält sich verlässlich und vorhersehbar. Wenn ich bei einem Sprachmodell fünfmal die gleiche Frage eingebe, bekomme ich fünf verschiedene Antworten. Das schreit geradezu danach, dass Menschen es kritisch hinterfragen.

Wo bleibt der Mensch unverzichtbar?

Beck: Wenn Menschen in der Lage sind, zu erklären, nach welchem Prinzip eine Technologie funktioniert – zum Beispiel eine Dampfmaschine – können sie diese verlässlich und reproduzierbar verbessern. In der Industrialisierung hat das zu einem massiven Produktivitäts- und Wissensschub geführt. Kann ich mit KI aber überhaupt nach diesem Prinzip skalieren? Es lohnt sich hier ein Vergleich mit der Verlässlichkeit des Menschen selbst. Auch Mediziner*innen schaffen keine hundertprozentig richtigen Anamnesen. Das erwartet auch niemand von einem Menschen.

Greift man aber zur Unterstützung auf Analysen aus KI-Systemen mit großen Datenmengen zurück, kann die Verlässlichkeit des gemeinsamen Ergebnisses ungemein gesteigert werden. Trotzdem hat die Technik ihre Grenzen. Die auftretenden neuen Lungenerkrankungen in der Pandemie waren mit den bisherigen Trainingsdaten nicht erkennbar.

Wenn ich also etwas komplett Neues vor mir habe, kann sich der Mensch derzeit noch viel besser darauf einstellen als die Maschine. Die Rolle des Menschen, mit Regelbrüchen umgehen zu können, mit anderen kooperieren, kritisch hinterfragen – da gibt es genügend Tätigkeiten, die nicht durch KI ersetzbar sind. Bei all den Effizienzbestrebungen wird es immer ein Delta, einen Restbereich für den Menschen geben, in dem neue Ideen, Produkte und Jobs entstehen.

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