Mittwoch, August 19, 2026

Mehrwert für Manager

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Wirtschaftliches Wachstum entsteht heute dort, wo Unternehmen auf Grundlage gut aufbereiteter Daten fundierte Entscheidungen treffen. Werner Theißen, Geschäftsführer von Konica Minolta in Deutschland und Österreich, erläutert, weshalb Kundenorientierung, Profitabilität und Kulturwandel zu Zukunftsfragen für den Mittelstand werden.

Bild von Werner Theißen
Werner Theißen ist CEO von Konica Minolta Deutschland und Österreich.

Wachstum trotz Gegenwind beginnt für mich mit einer unbequemen Frage. Sehen wir der Realität des Marktes wirklich ins Auge, oder verteidigen wir vor allem das, was uns früher erfolgreich gemacht hat? Gerade der Mittelstand kennt dieses Spannungsfeld nur zu gut. Viele Unternehmen sind stark geworden, weil sie nah am Kunden waren, zuverlässig geliefert und ihre Märkte verstanden haben. Doch wenn sich Märkte schneller verändern als jene Routinen, mit denen wir ihnen begegnen, wird genau diese Stärke zur Bremse.

Ich bin davon überzeugt, dass Zukunftsfähigkeit dann entsteht, wenn Unternehmen relevante Signale frühzeitig erkennen, sie ernst nehmen und in konkrete Entscheidungen umsetzen. In der Debatte um Digitalisierung steht jedoch häufig die Technologie im Mittelpunkt. Moderne und sichere Systeme sind zweifellos eine wichtige Voraussetzung, doch über den tatsächlichen Erfolg eines Digitalisierungsprojekts entscheidet selten die Technologie allein. Ausschlaggebend ist vielmehr, ob die richtigen Daten vorhanden sind und ob diese sinnvoll interpretiert werden, denn nur so können sie zu besseren Entscheidungen führen.

Mit den richtigen Daten zu wirtschaftlichem Erfolg

Viele mittelständische Unternehmen verfügen heute über mehr Daten als je zuvor, doch das führt nicht automatisch zu besseren Geschäftsmodellen und Entscheidungen. Gründe dafür sind unklare Zuständigkeiten, fehlende Datenkompetenz und eine Unternehmenskultur, die den Austausch von Wissen nicht aktiv fördert. So bleiben wertvolle Erkenntnisse oft in einzelnen Abteilungen stecken und die Geschäftsführung kennt zwar die Kennzahlen, weiß aber oft nicht die Zusammenhänge dahinter.

Genau hier liegt für mich der Kern von „Mehrwert durch Daten”. Daten entfalten ihren Wert erst dann, wenn sie richtig interpretiert, geteilt und gemeinsam für bessere Prioritäten, Investitionsentscheidungen und Prozesse genutzt werden. Das erfordert jedoch den Mut, die eigenen Zahlen ehrlich zu betrachten – auch dann, wenn diese etablierte Annahmen infrage stellen.

Die Kundenperspektive im Fokus: Prinzip „Market First“

Wir von Konica Minolta erleben das selbst. Wir kommen aus Märkten, die sich massiv verändern, und es reicht nicht mehr, Bewährtes einfach gut zu verwalten. Deshalb haben wir mit „Market First“ eine von drei strategischen Initiativen ins Zentrum gerückt, die für alle Mitarbeitenden gilt und die uns handlungsfähiger, kundennäher und wirtschaftlich stärker machen soll. 

„Market First“ rückt die Kundenperspektive konsequent in den Mittelpunkt. Statt zu fragen: Was können wir anbieten?  fragen wir: Was braucht der Kunde wirklich? Die Grundlage unseres Handelns bilden dabei tatsächliche Kundenbedürfnisse und datengetriebene Lösungen. Partizipation ist dabei eine klare Voraussetzung. Es braucht Spielmacher und Mitspieler auf allen Ebenen, die den Erfahrungsschatz der Organisation nutzen – aus Vertrieb, Service, Beratung, Technik und Marketing. Denn eine Kennzahl allein sagt noch nicht, was zu tun ist. Erst im Zusammenspiel mit Marktkenntnis, Kundenerfahrung und Prozessverständnis wird aus ihr eine tragfähige Entscheidung und nachhaltiger wirtschaftlicher Erfolg.

Zukunftsfit durch neue Perspektiven

Ein aktuelles Kundenprojekt zeigt, wie viel Potenzial in einem Perspektivwechsel steckt. Ein Großhändler für Telefonhardware und technische Lösungen erkannte eine Marktveränderung: Während klassische Copyshops zunehmend verschwinden, bleibt der Bedarf an kurzfristigen, wohnortnahen Druck-, Kopier- und Scanservices insbesondere in Großstädten bestehen. Daraus entstand die Idee, diese Dienstleistungen dort anzubieten, wo Menschen ohnehin täglich vorbeikommen, beispielsweise in Kiosken und Spätis mit langen Öffnungszeiten. Gemeinsam mit unserem Kunden haben wir ein skalierbares Modell entwickelt, von dem alle Beteiligten profitieren: Die Shopbetreiber erzielen zusätzliche Erlöse, Endkunden erhalten einen wohnortnahen Zugang, der Großhändler betreibt ein wachstumsfähiges Geschäft und unsere Technologie findet einen neuen Anwendungskontext.

Für mich ist das Wachstum trotz Gegenwind: Wir haben eine Marktveränderung durch Daten und Beobachtung erkannt, sie mit unternehmerischem Mut angepackt und dabei in der gesamten Wertschöpfungskette gedacht. Genau diese Haltung ist für den Mittelstand zentral. Wirtschaftliche Unsicherheit, Fachkräftemangel, geopolitische Spannungen sowie steigende Anforderungen an Effizienz und Nachhaltigkeit zwingen Unternehmen dazu, ihre Ressourcen gezielter einzusetzen. Relevante Daten sind dabei eine unverzichtbare Entscheidungsgrundlage, vor allem dann, wenn sie nicht als Reportingpflicht, sondern als Führungsinstrument verstanden werden.

Marktveränderungen mutig neu denken

Zukunft entsteht nicht im Rückspiegel. Sie entsteht dort, wo Unternehmen ihren Daten Beachtung schenken, Silos überwinden und den Mut haben, neue Antworten zu entwickeln. Natürlich verspricht Wachstum trotz Gegenwind nicht, dass alles leichter wird. Aber es ist eine bewusste Entscheidung: die Entscheidung, handlungsfähig zu bleiben, wenn die Rahmenbedingungen schwieriger werden.