Mittwoch, Oktober 21, 2026

Mehrwert für Manager

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Mit dem Boom von künstlicher Intelligenz und Cloud-Diensten steigt der Bedarf an Rechenleistung und damit auch an leistungsfähiger Infrastruktur. Für Österreich eröffnet das Chancen auf Investitionen, Wertschöpfung und mehr digitale Souveränität. Gleichzeitig wächst die Kritik am enormen Bedarf an Strom, Wasser und Flächen. Welche Rolle soll Österreich im internationalen Wettbewerb um Rechenzentren spielen? Wie lassen sich wirtschaftlicher Nutzen und Ressourcenverbrauch vereinbaren, und welche politischen Rahmenbedingungen braucht es dafür? Report(+) hat drei Expert*innen um ihre Einschätzung gebeten.

Mann mit Laptop vor Serverwand
Bild: iStock

Welche Rolle spielen Rechenzentren heute in der Wirtschaft? Wie steht es hier um den Standort Österreich?

Martin Madlo, Präsident Austrian Datacenter Association

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"Rechenzentren sind das Rückgrat unserer digitalen Wirtschaft. Ohne sie funktionieren weder Cloud-Dienste noch KI, Industrie 4.0, unser Gesundheitssystem oder die moderne Verwaltung. Österreich verfügt über eine gute digitale Infrastruktur, droht aber im internationalen Wettbewerb zurückzufallen. Während andere europäische Länder gezielt in Rechenkapazitäten investieren, fehlen bei uns klare Rahmenbedingungen. Damit riskieren wir, Wertschöpfung, Investitionen und digitale Souveränität ins Ausland zu verlagern."

 

Helmut Miernicki, Geschäftsführer ecoplus, die Wirtschafts­agentur des Landes Niederösterreich

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"Rechenzentren sind eine zentrale Infrastruktur der digitalen Wirtschaft und ermöglichen datenintensive Anwendungen im KI Bereich. Österreich und Europa haben gegenüber den USA noch großes Potenzial. Niederösterreich schafft mit seiner Strategie klare Rahmenbedingungen für eine geordnete Entwicklung."


Hanna Braun, KI-Expertin bei Attac Österreich

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"Aktuell gibt es etwa 52 Rechenzentren in Österreich, vergleichsweise wenig. In Europa bauen vor allem US-Konzerne diese Rechenzentren. Auch wenn Industrievertreter*innen jetzt auf den großen Boom hoffen: Rechenzentren verbrauchen viel Boden, Wasser und enorme Mengen Strom, schaffen jedoch wenige Arbeitsplätze. Die Auslastung vieler Rechenzentren ist zudem unklar. So nutzen Rechenzentren in den Niederlanden nur rund ein Drittel ihrer reservierten Kapazität. Aufsichtsbehörden weltweit warnen aufgrund der exorbitanten Verschuldung für den Bau von Rechenzentren vor einer enormen KI-Finanzblase."


Sind die Sorgen um Ressourcenverbrauch von Rechenzentren gerechtfertigt?

Martin Madlo: "Rechenzentren benötigen Energie, daran gibt es nichts zu beschönigen. Die Diskussion muss aber auf Fakten statt auf Emotionen beruhen. Entscheidend sind Standort, der Energiemix und die Nutzung von Abwärme. Moderne Rechenzentren können wertvolle Beiträge zur Netzstabilität leisten. Wir müssen ihren Ressourcenverbrauch transparent bewerten, aber auch ihren wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Nutzen berücksichtigen. Pauschale Ablehnung ist ebenso falsch wie unkritische Zustimmung."

Helmut Miernicki: "Richtig ist: Rechenzentren brauchen Fläche, Energie und leistungsfähige Netze. Entscheidend ist daher die konkrete Ausgestaltung. Mit geeigneten Standorten und effizienten Konzepten kann ein Mehrwert für die Region geschaffen werden."

Hanna Braun: "Ja. Die Internationale Energieagentur prognostiziert, dass sich der weltweite Stromverbrauch durch KI (und damit auch durch Rechenzentren) bis 2030 verdoppeln könnte. Rechenzentren würden so viel Strom verbrauchen wie die gesamte japanische Wirtschaft und könnten drei Prozent des globalen Verbrauchs ausmachen. Dabei gibt es schon heute Berichte über steigende Energiekosten und überlastete Stromnetze. Rechenzentren verhindern somit die dringend nötige Reduktion von Emissionen und verschärfen die Klimakrise. Gerade nach der Rekordhitze und Dürre dieses Sommers sollte uns das zu denken geben."


Welche politischen Maßnahmen wünschen Sie sich für diesen Markt?

Martin Madlo: "Österreich braucht endlich eine nationale Rechenzentrumsstrategie. Während Deutschland und andere europäische Länder längst konkrete Ziele verfolgen, entstehen bei uns zunehmend unterschiedliche Regelungen auf Landesebene. Wir brauchen österreichweit einheitliche, verlässliche Rahmenbedingungen, eine abgestimmte Energie- und Standortplanung sowie raschere Genehmigungsverfahren. Ziel muss sein, Digitalisierung, Wettbewerbsfähigkeit und Nachhaltigkeit gemeinsam voranzubringen."

Helmut Miernicki: "Es braucht klare Rahmenbedingungen für Genehmigungen, Flächenbedarf, Energieversorgung und Infrastruktur. Diese Leitplanken setzt Niederösterreich mit seiner Rechenzentrumsstrategie und beugt so dem Wildwuchs vor."

Hanna Braun: "Wir benötigen eine stärker politisierte und transparente Debatte darüber, von wem, für wen und zu welchem Zweck Rechenzentren gebaut werden sollen – oder auch nicht. Oftmals werden sie für Überwachungs- und Kriegstechnologien genutzt, aber auch für enorme Mengen an KI-Slop. Aktuell steigern sie die Profite und Überwachungsmöglichkeiten von US-Konzernen, während die Menschen die Folgen tragen müssen: durch Umweltbelastung und potenziell höhere Strompreise. Wenn wir Technologie nicht in einer autoritären Weise, sondern demokratisch und solidarisch ausbauen und nutzen wollen, dürfen wir Entscheidungen darüber nicht den Konzernen überlassen."

 

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