Mittwoch, Februar 28, 2024

Die IT-Branche wird seit Jahren vom Thema Cloud Computing beherrscht. In der Bauwirtschaft werden noch verhältnismäßig wenige Daten und Programme ausgelagert und extern betrieben. Dass der Stellenwert der »Wolke« in Zukunft steigen wird, darüber sind sich alle einig, nicht aber über die Frage, ob die Bauwirtschaft jetzt schon dafür bereit ist. Während für die einen die Vorteile deutlich überwiegen, warnen andere von Sicherheitslücken. Werner Scheidl und Helmut Houdek über die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt.


Pro: Die Vorteile überwiegen bei weitem
»Ob die Bauwirtschaft reif für Lösungen aus der Cloud ist, ist weniger eine technische, sondern viel mehr eine psychologische Frage. Die Auslagerung von Software und Daten in ›fremde Hände‹ ist jedenfalls eine Sache des Vertrauens. Wer ist der Cloud-Anbieter? Wo liegen die Daten tatsächlich? Hat jeder Nutzer seine explizit eigene und individuell verschlüsselte Datenbank? Ist die Verfügbarkeit sichergestellt und können die Daten jederzeit auf eigenen Medien gesichert werden? Bei Cloud-Lösungen wird von Kritikern das Argument des hohen Risikos der Datensicherheit angeführt. Das eigentliche Risiko ist, wie überall, nur der Faktor Mensch. Wer seine Daten auf der eigenen Festplatte in Sicherheit glaubt, der wird überrascht sein. Denn laut einer aktuellen Erhebung (Quelle KPMG) ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Mitarbeiter die Unternehmensdaten stiehlt, viel größer als jene des Datenklaus durch Unbekannte in der Cloud. Hat der Cloud-Anbieter seine Hausaufgaben erfüllt, steht den Vorteilen einer Cloud-Lösung also nichts im Weg. Die von Ort und Endgerät unabhängige Verfügbarkeit der Daten, sowie die einfache und flexible Teamarbeit sind für große und kleine Unternehmen wichtig, um rasch zu reagieren und damit Zeit und Kosten zu sparen. Hohe Investitionen entfallen, die Software ist automatisch up-to-date, zeitintensive Updateinstallationen sind nicht notwendig. Auch wenn ein Restrisiko bleibt (siehe OpenSSL), die Vorteile überwiegen. Es ist wie mit der Mobilität: nicht absolut sicher, aber absolut sinnvoll und vorteilhaft, um das Ziel zu erreichen.«
Werner Scheidl, Geschäftsführer W. Scheidl KG, PC trade partnership

Contra: Der Kunde muss die Wahl haben
»Der aktuelle Hype um Cloud Computing ist durchaus nachvollziehbar. Studien zeigen, dass der Markt stark wächst. In Deutschland etwa wird mit einem jährlichen Zuwachs von 40 Prozent gerechnet. Aber die Baubranche ist eine eher konservative Branche. Dazu haben einige Vorfälle in der Vergangenheit, wo Nutzerdaten großer Cloud-Anbieter gehackt wurden, bei vielen Kunden für Unsicherheit und Irritation gesorgt.
Es ist unbestritten, dass Cloud-Lösungen ihre Vorteile haben. Man muss aber auch offen über die Nachteile sprechen. Dazu zählt auf jeden Fall die Verfügbarkeit. Mit Cloud-Lösungen ist man immer von einer Internetverbindung abhängig, diese ist in Regionen mit schlechter Netzversorgung aber nicht immer verfügbar.
Zudem ist man mit Cloud-Lösungen sehr stark vom Anbieter abhängig. Kunden stellen sich zu Recht die Frage, was mit ihren Daten passiert, wenn der Vertrag ausläuft oder ein Anbieter in Konkurs geht. Wie überall gilt auch in unserer Branche, dass der Kundennutzen im Vordergrund stehen muss. Es geht darum, gemeinsam mit dem Kunden die bes­te Lösung zu finden. Für kleinere Unternehmen können Cloud-Lösungen durchaus sinnvoll sein, weil es nicht nötig ist, alles selbst im Haus zu haben. Bei großen Unternehmen, die ohnehin über eine eigene IT-Infrastruktur und Ressourcen verfügen, wird diese Frage hausintern gelöst. Ein öffentlicher Cloud-Zugang wird hier nicht gewählt.
Das Wichtigste aber ist, dass die Kunden die Wahlmöglichkeit haben. Aus heutiger Sicht kann man festhalten, dass Cloud-Lösungen in der Baubranche noch kein Muss sind. Desktoplösungen haben noch lange nicht ausgedient.«
Helmut Houdek, Geschäftsführer Auer Bausoftware

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