Samstag, Juli 20, 2024

Geschäftsführer Bernhard Rabenreither freut sich, dass mit dem Enercon-Deal die Maba-Umweltdivision erweitert und 35 neue Arbeitsplätze geschaffen werden konnten.Bernhard Rabenreither, Geschäftsführer der Maba Fertigteilindustrie, im Interview.

Er spricht über das Potenzial von Betonfertigteilen im Umwelteinsatz, erklärt, warum Beton nicht gleich Beton ist und er keine Berührungsängste mit anderen Baustoffen hat.


Die Maba Fertigteilindustrie erweitert ihre Umweltdivision um die Produktion von Betonfertigteilen für Windkraftanlagen. Für Enercon, den größten deutschen Hersteller von Windkraftanlagen, produziert Maba für 60 Windkrafttürme Einzelsegmente von bis zu 42 Tonnen.
 
Report: Über welches Know-how in Sachen Windkraft verfügt die Maba?
Bernhard Rabenreither: Wir sind in der Lage, Großfertigteile in hoher Präzision zu fertigen. Die Windkraftteile, die wir für die Firma Enercon fertigen, sind dem Prinzip nach den Tübbingsteinen von Tunneln, wie wir sie in großer Zahl produzieren, sehr ähnlich. Wir verfügen also exakt über das Know-how, das für die Produktion der Windkrafttürme gefordert wird. Deshalb waren wir auch nach nur zweieinhalb Monaten lieferfähig.

Report: Nach der Entwicklung eines Amphibienleitsystems sowie eines Biogasbehälters wurde 2009 die erste Fischaufstiegshilfe von Maba vorgestellt. Wie hat sich dieser Bereich entwickelt?
Rabenreither: Unser enature Fishpass wurde gemeinsam mit der Boku entwickelt und hat von Anfang an sehr positive Reaktionen erhalten. Ein vor allem für Kraftwerksbetreiber wichtiger Aspekt ist der geringe Wasserverbrauch, da kein Umgehungsgerinne benötigt wird. Das ist die ökonomische Seite. Die ökologische Seite ist, dass die gesamte Fischfauna die vorhandenen Unterbrechungen durchwandern kann. Drei dieser Aufstiegshilfen sind bereits realisiert und jetzt kommen noch zwei sehr große im Maltatal dazu.
 
Report: Wo im Umweltbereich haben Betonfertigteile noch Potenzial?
Rabenreither: Beton ist ein Baustoff, der viele Belastungen aushält. Die Vorfertigung bringt einen hohen Qualitätslevel und hat viele wirtschaftliche Vorteile – ideal für Bauten mit ökologischen und ökonomischen Ansprüchen. Deshalb wird in unserer Forschungsabteilung schon intensiv an neuen Produkten und Anwendungen im Umweltbereich gearbeitet.

Report: Themen wie Innovation und Forschung hat man lange Zeit eher nicht mit Beton in Verbindung gebracht. Jetzt investieren alle Marktteilnehmer fleißig in F&E. Ist die Branche eher spät auf den Zug aufgesprungen, dafür jetzt aber richtig zügig unterwegs?
Rabenreither: Unsere Branche investiert schon sehr lange in Zukunftsthemen. Aber über lange Jahre mussten vor allem die Grundbedürfnisse von Wohnen und Infrastruktur erfüllt werden. Nun sind neue und höhere Anforderungen entstanden, der Baustoff Beton wird laufend in neuen Segmenten eingesetzt. Denn Beton ist nicht gleich Beton. Alleine in unserem Werk in Wöllersdorf gibt es hunderte verschiedene Rezepturen und Anwendungsgebiete. Dazu nützen wir auch die Masse von Beton aus, etwa im Lärmschutz oder der Gebäudeklimatisierung.

Report: Imagemäßig ist der Holzbau am Vormarsch. Holz gilt als ökologisch und nachhaltig.
Rabenreither: Ich glaube, dass es für jeden Baustoff ein richtiges Einsatzgebiet gibt. Es gibt da auch keine Berührungsängste mehr. Beide Seiten haben erkannt, dass es gemeinsam besser geht.

Report: Wie finden Sie es, wenn Hubert Rhomberg seinen Lifecycle Tower als Holzhochhaus vermarktet und weitgehend verschweigt, dass auch jede Menge Beton zum Einsatz kommt?
Rabenreither: Damit habe ich kein Problem. Wir gehen derzeit einen etwas anderen Weg und werden im nächsten Jahr auch schon die ersten Ergebnisse präsentieren können.  

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