Sonntag, Mai 19, 2024

Jürgen Horak, seit Juli an der Spitze von Dimension Data, ist einer der jüngsten CEOs am IT-Markt in Österreich. Der 38-Jährige hat sich genaue Ziele gesetzt und ist überzeugt: »Consumption-based Services« sind die Zukunft.

Report: Herr Horak, welche konkreten Ziele haben Sie sich als neuer Geschäftsführer von Dimension Data gesetzt – oder welche Ziele wurden Ihnen gesetzt?

Jürgen Horak: Die Ziele haben wir uns selbst setzen können – das ist einer der Vorteile unseres Unternehmens. Dimension Data lässt seinen Landesorganisationen einen großen Freiheitsgrad zu. Diese werden international unterstützt, können aber ihre Entscheidungen lokal selbst treffen. Wir wollen in den nächsten Jahren unseren Bekanntheitsgrad in der gesamten Angebotsbreite verbessern. Wir wollen auch weiterhin schneller wachsen – zumindest zweistellig – als der Gesamtmarkt. In den vergangenen zwei Jahren ist uns das bereits gut gelungen. Und wir werden stärker unser Portfolio mit den Angeboten unserer Konzernschwestern NTT Data, NTT Security und dem Housing-Partner e-shelter verbinden und vereinfachen. Ziel ist es, sich mit weiterhin unter eigenem Namen, aber bereichsübergreifend als Gruppe zu positionieren. Mittelfristig soll auch die Umsatzgrenze von 100 Millionen Euro in Österreich geknackt werden. Uns ist dabei aber wichtig, dies profitabel und mit stabilen Arbeitsplätzen zu schaffen.

Report: Wie sehen übliche Renditen im IT-Service-Geschäft aus?

Horak: Wenn man den gesamten Markt betrachtet, bewegt man sich irgendwo zwischen 0,5 und 2 %. Es ist wirklich wenig. Bei Dimension Data können wir sagen: Wir schneiden in Österreich im Vergleich mit der Gruppe sehr gut ab, es gibt aber natürlich immer Luft nach oben. Ebenso wie unsere Kunden müssen auch wir weiterhin daran arbeiten, effizienter zu werden, Angebote schneller zu den Kunden zu bekommen, die Servicequalität zu verbessern, Prozesse zu automatisieren und Standardisierungen voranzutreiben – stets gepaart mit der Flexibilität, die wir lokal haben und die unsere Kunden erwarten.

Report:  In welchen Bereichen ist Dimension Data am österreichischen Markt stark?

Horak: Man kennt uns sehr gut im Unified-Communications-Bereich. Wir sind mit Kommunikationstechnologie groß geworden und haben zuletzt auch die Expertise aus der Marke NextiraOne sehr gut unter dem neuen Namen fortführen können. Ein zweiter bekannter Bereich ist die Netzwerk-Integration, wo unterschiedliche Themen rund um Unternehmensnetzwerke abgedeckt werden. Potenzial sehen wir noch bei IT-Security und für unsere Datacenter-Sparte. Wir haben als Systemintegrator keine eigenen Produkte, deshalb ist unser Mehrwert das Servicegeschäft. Darunter fallen auch Consulting Services, wo wir auf viel Erfahrung und Know-how zu Vorgehensweisen und Best-Practice-Beispielen von Kunden weltweit zugreifen können. Unsere Palette wird dann ergänzt von Support und Managed-Services sowie nutzungsabhängigen Modellen, also alles in Richtung Cloudservices.

Report: Gibt es eine typische Unternehmensgröße, die Sie ansprechen?

Horak: Wir bedienen vom KMU – im Segment zehn bis 50 Arbeitsplätze – bis zum großen internationalen Konzern Unternehmen jeder Größe, vom öffentlichen Bereich und Gesundheitswesen bis zu kleineren Firmen, die gerade in Österreich wichtig sind. Dimension Data hat in jedem Bundesland direkte Ansprechpartner für die Kunden. Auf der anderen Seite sind wir ein globaler Konzern, der in 58 Ländern mit 35.000 Mitarbeitern vertreten ist. Damit können wir weltweit einheitliche Servicekonzepte für große, internationale Kunden bieten.

Report: Wie schätzen Sie die weitere Entwicklung von Cloudservices ein? Wird jedes Unternehmen früher oder später davon ergriffen?

Horak: Eindeutig ja, das zeigen auch die Gespräche mit den Kunden. Die Sicherheitsbedenken sind weitgehend beantwortet, jetzt geht es oft um Dinge wie interne Bestellprozesse in den Organisationen. Wenn im Ablauf der Bestellbetrag und Rechnungsbetrag in den Positionen Angebot, Bestellung und Abrechnung ident sein müssen, funktioniert das bei Cloudservices nicht. Es wird ja nur das gezahlt, was genutzt wird. Das sind aber lösbare Aufgaben. Ich bin überzeugt, dass die Cloud in jedem Unternehmen genutzt werden wird – sei es als Software-as-a-Service etwa in der HR oder als Infrastructure-as-a-Service in der IT. Irgendwann wird es wie beim Strom sein: Die Services kommen einfach aus der Steckdose. Das ist nur noch eine Frage der Zeit. Es wird aber stets auch die Möglichkeit von gemischten Servicemodellen geben.

Report: Wie sieht eine leistbare IT-Sicherheit für Unternehmen aus? Gibt es hier vielleicht neue Ansätze?

Horak: Dimension Data hat zu den aktuellen Bedrohungen und Entwicklungen einen »Global Threat Intelligence Report« herausgegeben, der im Wesentlichen auch Themen sieht, die gar nicht so technologiegetrieben sind. Natürlich gibt es technische Mechanismen wie Sand-Boxes, mit denen man auch neuen Sicherheitsbedrohungen entgegentreten kann – solche Lösungen zu implementieren ist auch extrem wichtig –, doch hinkt man den Angreifern immer etwas hinterher. Der Report zeigt aber recht deutlich, dass die laufende Instandhaltung der eigenen Infrastruktur die eigentlich wichtigste Sicherheitsmaßnahme ist. Wenn die Lücken bei Firewalls, Switches, Betriebssystemen bis zu Anwendungen wie dem Adobe Flash Player regelmäßig geschlossen werden, hat man schon viel getan. Herkömmliche Angreifer tun sich da schon schwer und werden sich woanders einfachere Opfer suchen. Wer nicht selbst ständig patchen will, kann dies auch einem IT-Dienstleister übertragen.

Der zweite Punkt betrifft die User als oft schwächstes Glied in der Kette. Es braucht klare Regeln – bei uns im Unternehmen wird dies „Authority Matrix“ genannt –, die jedem bekannt sind. Sie legen zum Beispiel fest, wer Überweisungen tätigen darf und wer dies nach dem Vier-Augen-Prinzip autorisieren muss. Dann sollten sich Unternehmen jeder Größe einen Plan für den Fall des Falles überlegen. Ähnlich dem Feueralarm sollten diese Pläne auch regelmäßig geübt werden und Rollen im Unternehmen festgelegt werden. Wer kann den Angriff abwenden oder den Schaden minimieren? Wer koordiniert im Unternehmen und nach außen? Wer ist für die Kommunikation von Kunden und Shareholdern zuständig?

Report: Ihre Vorgängerin Margarete Schramböck ist zu A1 Telekom Austria gewechselt. Gibt es Geschäftsbeziehungen zwischen den beiden Unternehmen?

Horak: Wir hatten auch in der Vergangenheit immer wieder Mobilfunkverträge von A1. Auf der anderen Seite gab es Servicegeschäft im Ausland, das wir für die A1 übernommen hatten. In einigen Bereich arbeiten wir also zusammen, in anderen sind wir Mitbewerber – es gibt also eine Coopetition, die wir auch vorhaben weiterzuführen. Ich schätze Margarete Schramböck sehr, habe viel von ihr gelernt und wünsche ihr alles Gute in ihrer neuen Aufgabe.

Report: Wo sehen Sie Dimension Data in zehn Jahren?

Horak: Ich war früher bei Nokia Siemens Networks tätig und überlege gerade: Wie hätten vor zehn Jahren die damaligen Geschäftsführer auf diese Frage geantwortet? Das erste iPhone ist vor neun Jahren auf den Markt gekommen. Wir alle wissen, was mit der Branche seitdem passiert ist.

Ich versuche trotzdem eine Antwort: Dimension Data ist eine fixe Größe am IT-Markt. Wir sind ein attraktiver Arbeitgeber für unsere Mitarbeiter und ein stabiler Partner für unsere Kunden. Ich persönlich gehe davon aus, dass wir in zehn Jahren wesentlich stärker in der NTT integriert sein werden, auch wenn es derzeit dazu keine Eile gibt. Wir werden weiterhin flächendeckend den Markt in Österreich abdecken. Und ich bin fest davon überzeugt, dass in zehn Jahren das Thema »Consumption-based Services« nicht mehr diskutiert werden wird. Es wird der Normalzustand.

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