Wednesday, April 22, 2026

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Vernetzt zu sein, aber nicht abhängig, wünscht Robert Mallinson, Co-CEO und Geschäftsführer von LANCOM Systems heimischen Unternehmen.

Robert Mallinson: »Wenn Europa wettbewerbsfähig bleiben will, dann ist das Netzwerk ein integraler Bestandteil.«


In welcher Weise beschäftigt Ihre Unternehmenskunden das Thema digitale Souveränität?

Robert Mallinson: Mit einem Blick auf die weltweiten Krisen derzeit sehen wir, dass auch Unternehmen in Europa ihre Lieferketten und Partnerschaften neu bewerten. Europa muss hier gemeinsam handeln. Wir brauchen eine starke Europäische Union, die an einem Strang zieht. Gerade in der IT herrscht eine große Abhängigkeit von Herstellern aus Übersee und Asien. Dazu kommen auch regulatorische Anforderungen an die Unternehmen wie der Cyber Resilience Act, NIS2 oder DORA. Gerade Familienbetriebe, größere Einzelhändler und Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen suchen jetzt Wege für eine digitale Souveränität. Und auch im Behördenumfeld, beispielsweise in Deutschland, sehen wir inzwischen eine Fokussierung auf europäische Technologie. Es hat gedauert, aber diese Bewegung ist jetzt da.

Können wir uns Souveränität leisten?

Digitale Souveränität hat natürlich ihren Preis. Wir haben in Europa höhere Lohnkosten und Energiekosten, das spielt alles mit hinein. Aber ich bin überzeugt: Am Ende des Tages geht es viel um Skaleneffekte. Je mehr wir gemeinsam agieren, je mehr wir auch gemeinsam in Europa produzieren und unsere Lieferketten absichern, desto wettbewerbsfähiger werden wir.

Im Fokus der Debatte um digitale Resilienz stehen meist Cloudservices und große Plattformanbieter. Wie aber sieht es mit der Technologiekette bis auf Netzwerkebene darunter aus?

Im Moment liegt der Fokus oft auf der Applikation: wo sie läuft und auf welcher Plattform. Aber genauso wichtig ist die Frage, wie Informationen von A nach B transportiert werden. Auch das sollte in Europa qualitativ hochwertig, performant, sicher und digital souverän sichergestellt werden, inklusive der Lieferkette. Gerade das Thema Netzwerk kommt in der Diskussion viel zu kurz. Wenn Europa bis 2030 eine Gigabit-Gesellschaft werden will, brauchen wir leistungsfähige Konnektivität und Netze. Das gilt für Schulen, für den Gesundheitsbereich, für Produktion, Logistik oder auch Nachhaltigkeitsthemen. Eine sichere Infrastruktur und sichere Connectivity sind am Ende des Tages die Grundlage dafür, dass Innovation überhaupt stattfinden kann.

Welche Alternativen bieten Sie in diesem Bereich?

Wir fokussieren uns als LANCOM gemeinsam mit unserem Schwesterunternehmen Rohde & Schwarz Cybersecurity auf vier zentrale Geschäftssegmente. Das erste ist Corporate Networking. Dazu zählen Bereiche wie Retail, Finance oder Healthcare. Das zweite ist öffentliche Infrastruktur. Gerade auch hier in Österreich arbeiten wir daran, dass Kommunen, Verwaltungen und öffentliche Netze sicher miteinander kommunizieren können.

Ein drittes Segment ist der sicherheitsnahe Bereich. Durch die Unternehmen der Rohde & Schwarz-Gruppe sind wir dort sehr tief verankert und unterstützen auch intern mit unseren Netzwerktechnologien. Das vierte Segment ist das, was wir kritische Infrastruktur nennen: Energiewerke, Wasserwerke, Smart Buildings. In diesen Bereichen geht es darum, ganze Systeme abzusichern, oft auch gemeinsam mit Technologiepartnern, etwa bei Kameraüberwachung oder Alarmsystemen.

Unser Angebot ist hier sehr breit: von der Standort- und Campusvernetzung bis hinein ins Rechenzentrum. Wir haben ein klassisches Netzwerkportfolio vom Router über Firewalls, Switching bis zu WiFi. Dazu kommt gemeinsam mit Rohde & Schwarz Cybersecurity der Hochsicherheitsbereich, also wenn es um Verschlüsselung auf Layer-2- und Layer-3-Basis geht. Für eine effiziente Steuerung sorgt dann unsere Management-Cloud. So entsteht ein sehr rundes Portfolio.

Wie souverän kann Hardware »Made in Europe« überhaupt sein, wenn zentrale Chipsets und Komponenten weiterhin in Asien produziert werden?

Man muss da ehrlich bleiben: Auch wir beziehen, wie viele andere Hersteller, einen Großteil unserer Komponenten aus Taiwan. Die geopolitischen Entwicklungen beobachten wir sehr genau, denn das ist sicherlich für uns alle ein kritischer Punkt. Gleichzeitig versuchen wir, Schritt für Schritt mehr Wertschöpfung nach Europa zu holen. Wir schauen uns gemeinsam mit unserer Muttergesellschaft genau an, wie mehr im eigenen Haus produziert werden kann. Unsere Router und WLAN-Komponenten, also Access Points, werden zum Teil heute noch in Deutschland gefertigt. Der gesamte Software-Code und der Software-Stack stammen aus Deutschland.

Wenn ich das auf einer Skala von eins bis zehn bewerten müsste, dann würde ich sagen: Wir sind heute vielleicht bei sieben oder acht. Um wirklich eine zehn zu erreichen, also inklusive europäischer Komponentenfertigung, wird es sicher noch zwei bis drei Jahre brauchen. Dafür braucht es Investitionen. Wir sehen ja, dass Unternehmen wieder darüber nachdenken, Chipproduktion nach Europa zu holen. Aber grundsätzlich bin ich überzeugt: Die Europäische Union wird und muss hier wieder stärker investieren.

Am Ende geht es darum, vernetzt zu sein, aber nicht abhängig zu werden. Wir wollen internationale Kooperationen, wir wollen transatlantische Beziehungen. Aber Europa muss in der Lage sein, seine eigene Wertschöpfung und technologische Handlungsfähigkeit abzusichern. Das ist der entscheidende Punkt.

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