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Green Investment

Green Investment Foto: iStock

Hitzewellen, heftige Stürme und Unwetter – die Wetterkapriolen nehmen zu. Es braucht eine Energiewende und den Ausbau erneuerbarer Energieträger. Green Finance spielt dabei einen wesentlichen Part.

Die Kombination aus anhaltend niedrigen Zinsen und zunehmenden Klimakatastrophen sorgt dafür, dass grüne Investitionsmöglichkeiten immer mehr in den Fokus gelangen. Auch der österreichische Kapitalmarkt hat das Nachhaltigkeitspotenzial erkannt. Banken springen immer öfter auf den grünen Zug auf, Unternehmen emittieren Green Bonds, Vorsorgekassen bieten Anlagen in nachhaltige Projekte, die Wiener Börse unterhält eine Green- und Social-Bonds-Plattform und mit VÖNIX gibt es einen Nachhaltigkeitsbenchmark am Aktienmarkt.

Der Begriff grün ist allerdings nicht klar definiert. Atomstrom wird beispielsweise in Frankreich als nachhaltig definiert, in Österreich ist er fern dieser Kategorie. Dadurch sind viele Anlegerinnen und Anleger laut UniCredit Bank Austria verunsichert. »Ein einheitlicher, vergleichbarer Kriterienkatalog würde hier zu Klarheit und Sicherheit verhelfen«, stellt Volker Moser von der UniCredit Bank Austria fest. Die EU-Kommission arbeitet bereits an der Entwicklung europäischer Nachhaltigkeitsstandards. Die Verordnung dürfte noch in diesem Jahr beschlossen werden und 2020 in Kraft treten.

In Österreich legt das Österreichische Umweltzeichen für nachhaltige Finanzprodukte einen Standard für grüne Investmentprodukte. Auch die ÖGUT prüft und zertifiziert Finanzprodukte nach Nachhaltigkeitskriterien.Die neu gegründete Plattform Cleanvest bietet Fondsanalysen an. »Wir durchleuchten derzeit 2.913 Fonds nach acht mit NGOs abgestimmten Nachhaltigkeitskriterien«, erklärt Gründer Armand Colard – hinsichtlich Investments in grüne Technologien, fossile Brennstoffe oder Atomenergie. »Filtert man streng nach allen Kriterien, bleiben 22 Fonds über«, sieht Colard noch Aufholbedarf im Investment-Bereich.

Grüner Weg

»Der Markt der grünen Veranlagungsmöglichkeiten wächst kontinuierlich«, berichtet Susanne Hasenhüttl, Expertin für grünes Investment bei der ÖGUT. Beim Windkraftpionier W.E.B pflichtet man dem bei. »Wir merken verstärktes Interesse der Investoren nach Anlagemöglichkeiten«, informiert Finanzvorstand Michael Trcka. »Wenn wir mehr als ein Jahr keine Anleihe-Emission haben, fragen die Menschen aktiv bei uns nach.«
Auch andere Betreiber freuen sich über das rege Interesse von Anteilszeichnern. Bei Kraftwerksprojekten von Kärnten Solar ist eine Beteiligung zwischen 3.000 und 21.000 Euro möglich. Obwohl es bei keinem Projekt einen Investor gibt, der sich mit mehr als 21.000 beteiligt, sind diese stets sehr schnell ausfinanziert. Bei kleineren Projekten in der Größenordnung von 30 bis 50 kWp geschieht das zum Teil innerhalb von Minuten, heißt es dort.

In Österreich erreichen nachhaltige Geldanlagen laut ÖGUT ein Volumen von 21,8 Mrd. Euro. Der Engpass für die Umsetzung der Energiewende liegt laut Andreas Wollein, Verbund, nicht beim Kapital, sondern im Fehlen genügender Projekte. Die Lösung wären klare regulatorische und gesetzliche Rahmenbedingungen und vor allem deutlich schnellere Genehmigungsverfahren für nachhaltige Projekte. »Wenn wir heute 20 Jahre brauchen, um ein Leitungsbauprojekt umzusetzen, muss ich an den Rahmenbedingungen etwas ändern, nicht an der Verfügbarkeit des Kapitals.«

41 % Steigerung

Bild oben: Susanne Hasenhüttl: »Die ÖGUT bietet ein Energieeffizienzprojekt in Brasilien als Investment: LED-Beleuchtung für Uni Rio Preto mit einer Laufzeit von 5 Jahre und 7 % Zinsen.« 

Als langfristige Veranlagung in die Energiewende hat sich die Windkraft Simonsfeld am Veranlagungsmarkt aufgestellt. Windkraftwerke laufen bis zu 25 Jahre, die Einspeisetarife und die Finanzierung der Kraftwerke sind ebenfalls langfristig angelegt. »Dementsprechend wünschen wir uns auch nachhaltig orientierte Investoren,« betont Pressesprecher Winfried Dimmel.

Das Weinviertler Windkraftunternehmen bietet in erster Linie außerbörsliche Aktien, 2.000 AktionärInnen haben bisher investiert und betreiben 86 Windkraftwerke. Im Vorjahr hat die Windkraft Simonsfeld 13 neue Anlagen errichtet. Dieser Wachstumsschub und die aktuelle Klimadebatte haben der Nachfrage nach der Aktie kräftigen Rückenwind verschafft, die Aktie ist von 192 Euro im Jänner auf 271 Euro im August gestiegen, eine Steigerung um 41 %. Das Unternehmen sieht sich trotz der kräftigen Wertsteigerung in relativ kurzer Zeit weiterhin als langfristige Veranlagung. Bei der W.E.B-Aktie zeigt die Richtung ebenfalls deutlich nach oben. »Als Unternehmen sind wir gewachsen. Auch die verstärkte Aufmerksamkeit auf grüne Investments hat dazu wesentlich beigetragen«, analysiert Finanzvorstand Trcka.

Bürger einbeziehen

»Die klassischen Marktteilnehmer, insbesondere Banken können die ihnen zugedachte Rolle am Finanzierungsmarkt aufgrund regulatorischer Vorgaben immer weniger erfüllen«, so Richard Petz von Unser Kraftwerk. Umso wichtiger werden Bürgerbeteiligungen, auch um Vorbehalte abzubauen und Bürger in die Planungs- und Errichtungsphasen einzubinden.

Ohne privates Investment würde es erneuerbare Energie in der bestehenden Form nicht geben, urteilt man in der Branche. Für die Erreichung der Klimaschutzziele sind künftig Innovationen und mehr Kapital erforderlich, allein in der EU 180 Milliarden Euro jährlich. Diese Summen wird die öffentliche Hand laut ÖGUT nicht allein aufbringen können. Dazu sind institutionelle Investoren gefordert – ebenso die vielen kleinen Privatinvestoren –und es braucht Aufklärungsarbeit.

Im Bereich der Photovoltaik spielt das Investment von Privatpersonen eine besondere Rolle. »Während bei Erzeugungstechnologien wie Wind- oder Wasserkraft vor allem größere Investoren dahinterstehen, schafft die PV eine Beteiligungsmöglichkeit für alle«, erklärt Vera Immitzer, Geschäftsführerin von PV Austria. Hausbesitzer können sich eine PV-Anlage anschaffen, um damit den produzierten Strom unmittelbar zu nutzen. »Damit schaffen wir eine Energiewende, die eine echte Mitmachbewegung wird.«

Angesprochen auf die Entwicklung der Bürgerbeteiligung trotz steigender Teilnahme von Banken und Versicherungen am grünen Kapitalmarkt, bemerkt Susanne Hasenhüttl, ÖGUT: »Ich denke, die Bürgerbeteiligung wird weiterhin wichtig bleiben, auch wegen der Einbindung der Bevölkerung.« Michael Trcka von W.E.B Windenergie unterstützt diese Position. »In den Anfängen waren es nicht Banken, sondern engagierte Privatpersonen, die Projekte finanziert haben, an die sonst noch wenige glaubten. Wir können davon ausgehen, dass Bürgerbeteiligung daher auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen wird.«


Nachgefragt

Der Energie Report fragt Helmut Siegler, UniCredit Bank Austria, nach dem Stellenwert von grünem Investment. Siegler: »Wir sehen Environment, Social und Governance, ESG, als eines der Schlüsselthemen für Kapitalmärkte in den nächsten Jahren, der sich bereits in einem dynamischen Entwicklungsprozess befindet. Besonders bei jüngeren Anleger­Innen nimmt die Nachfrage stark zu. Hier kommt ein gewisser Generationeneffekt zum Tragen.« Aktuell bietet die UniCredit Bank Austria mit Amundi Austria einige grüne Fonds an, ausgezeichnet mit dem Österreichischen Umweltzeichen, darunter Amundi Öko Sozial Rent und Amundi Öko Sozial Stock sowie Pioneer GF 224 und GF EM Bond. Als aktuelles grünes Investment bietet sich der Amundi CPR Climate Action Fonds, der einem klimabezogenen Rating unterliegt.

Last modified onDonnerstag, 26 September 2019 15:04
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