Lafarge will klimaneutral werden

Die neue Dekarbonisierungs-Roadmap ist Lafarge-CEO Berthold Kren ein echtes Anliegen. Die neue Dekarbonisierungs-Roadmap ist Lafarge-CEO Berthold Kren ein echtes Anliegen.

Lafarge hat eine neue Dekarbonisierungs-Roadmap vorgestellt. Das ehrgeizige Ziel unter den neuen CEO Berthold Kren: Klimaneutralität bis 2040.

Seit zweieinhalb Monaten steht DI Berthold Kren an der Spitze der Lafarge Zementwerke GmbH. Schon bei seiner Antrittsrede stellte der Umwelttechniker klar, dass seine Bestellung als CEO von Lafarge Österreich und Central Europe (Ungarn, Slowenien, Kroatien und Tschechische Republik) ein klares Zeichen der LafargeHolcim-Gruppe zu Nachhaltigkeit und Klimaneutralität ist. „Ich bin zutiefst überzeugt, dass wir unsere Klima-Aufgaben technisch in den Griff bekommen. Ich bin ein Kind der 1970er Jahre und erinnere mich noch gut, dass wir zum Beispiel den sauren Regen, durch konsequente Maßnahmen der Industrie lösten. Unsere Herausforderungen an Klima-Fitness sind heute mannigfach höher, dennoch können unsere Werke bis 2040 CO2 -neutral sein. “ Die führende Rolle der Industrie unterstrich auch die LafargeHolcim-Gruppe mit ihrer neuen Initiative “Business Ambition for 1,5°C”, die am 21. September 2020 von LafargeHolcim als erstem globalen Baustoffunternehmen unterzeichnet wurde. LafargeHolcim verpflichtet sich zur Erreichung von Klima-Zwischenzielen bis 2030, die von der Science-Based-Targets Initiative (SBTi) validiert werden.

Forderung nach Klimaneutralität bedeutet gewaltige Anstrengungen
In jüngster Zeit überschlugen sich die Forderungen nach rascher Umsetzung der Klimaneutralität. Österreichs Bundespräsident Alexander Van der Bellen setzte bei seiner Rede vor der UNO-Vollversammlung hohe Ziele für Österreich und pochte auf Klimaneutralität bis 2040. Ähnlich formulierte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen das Ziel der Treibhausgas-Reduktion der EU bis 2030 um mindestens 55 Prozent (auf Basis der 1990er Werte). Lafarge CEO Berthold Kren stellt klar: “Bisher lautet das offizielle Ziel minus 40 Prozent. Die Verschärfung auf mindestens 55 Prozent soll helfen, das Pariser Klimaschutzabkommen einzuhalten. Dies bedeutet für uns als Industrie gewaltige Anstrengungen, vor allem angesichts der Rahmenbedingungen, die auf unsere Branche im nächsten Jahr zukommen.” Damit spielte Berthold Kren auf den ab 1.1.2021 neu geltenden Nationalen Allokationsplan an. Berthold Kren weiter: “Die Verknappung der Roh- und Zumahlstoffe (Flugasche, Schlacken, etc.) für die Zementproduktion, die CO2 Problematik und die laufenden anstehenden Investitionen können natürlich eine Preissteigerung bewirken. Während Ersatzbrennstoffe ausreichend verfügbar sind, wird der Anteil an Zumahlstoffen durch die Schließung von Kraftwerken oder die stagnierende industrielle Produktion stetig knapper. Auch wenn wir in Österreich mit unseren Teams und Werken gut aufgestellt sind, müssen wir noch stärker unsere Hausaufgaben machen, um diese ehrgeizigen und notwendigen Ziele zu erreichen.” Angesichts der Forderungen nach Klimaneutralität bis zum Jahr 2040 scheint das Statement des CEMBUREAUs (Europäischer Zementverband), das im Juni diesen Jahres den medial viel beachteten “Green Deal” einzementiert hat, schon fast überholt. So hieß es damals ehrgeizig: die Zementindustrie wird bis 2050 klimaneutral. Anhand der 5C-Strategie (Clinker, Cement, Concrete, Construction, Carbonation) wurde ein Fahrplan präsentiert. Auch der österreichische Marktführer Lafarge Zementwerke hat eine Dekarbonisierungs-Roadmap entwickelt, die sich an der 5C-Strategie orientiert.

Die Roadmap im Detail
Das Unternehmen startet 2020 mit einer ausgezeichneten ökologischen Performance seiner beiden Zementwerke (Mannersdorf und Retznei). Primärrohstoffe wie Kohle, Öl oder Gas werden schon lange nicht mehr für den CO2-intensiven Brennprozess des Klinkers herangezogen. Lafarge setzt auf hochwertige Ersatzroh- und Brennstoffe (wie beispielsweise aus der Unternehmenstochter ThermoTeam), die je nach Werk zwischen 85 (Mannersdorf) und 100 Prozent (Retznei) liegen. Um dies zu bewerkstelligen, sind die beiden Zementwerke mit hochmodernen Kalzinatoren zur Steigerung der Energieeffizienz bzw. einer SCR-Anlage zur NO x -Reduktion ausgerüstet. "Der in unseren Öfen hergestellte Klinker stellt mit 66 Prozent den Hauptbestandteil unseres Produktportfolios dar und ist damit der Hauptverursacher des CO 2 -Rucksacks", erklärt Kren. “Im Vergleich zum europäischen Zielwert von 732 kg CO 2 /Tonne Klinker im Jahr 2030 sind wir heute schon bei <775 kg CO 2 /Tonne Klinker - ein internationaler Spitzenwert.
Dennoch setzen wir uns mit weiteren Energieeffizienzmaßnahmen für 2030 mit 700 Kilogramm CO 2 /Tonne Klinker ein mehr als ambitioniertes Ziel.”
Lafarge schneidet auch beim zweiten “C”, sprich bei den Zementen, gut ab. „Für 2030 haben wir uns zum Ziel gesetzt, den Klinkeranteil auf 60 Prozent zu senken. Dies bedeutet eine CO 2 -Absenkung von heute etwa 500 Kilogramm / Tonne Zement auf <450 Kilogramm / Tonne Zement. Wir werden in innovative Technologien investieren und neue klinkerarme Zemente auf den Markt bringen. Dies erfolgt bereits ab 2021”, erklärt Berthold Kren. Vertriebs- und Marketingdirektor Gernot Tritthart ergänzt: “Wir bauen auf ehrliche Lösungen, so wie es unsere Kunden von uns gewohnt sind. Bei diesen neuen Zementen werden wir weiterhin Leistungsfähigkeit und Dauerhaftigkeit auf gewohntem Niveau anstreben.”
Beim dritten “C”, bei Concrete, oder Beton, liegt Österreich weltweit führend bei derzeit durchschnittlich 240 kg CO 2 pro Kubikmeter Stahlbeton. Berthold Kren erläutert: “Mit der Reintegration der Perlmooser Beton haben wir wieder die Möglichkeit, unsere weltweite Beton-Expertise lokal einzusetzen, wobei wir einen Fokus auf Kreislaufwirtschaft und
Recycling setzen werden.”
In der Construction, beim vierten “C” punktet Lafarge durch innovative Anwendungen, die sehr stark die thermischen Vorteile mineralischer Baustoffe in den Vordergrund bringen. Die mineralische (zementgebundene) Dämmung AIRium, die sogar das Österreichische Umweltzeichen ziert, sowie die Innovationsbetone Fundatherm und Isolationsbeton, zeigen die großen Hebel des Unternehmens bei nachhaltigen Gebäudelösungen und der damit verbundenen CO 2 -Reduktion auf. “Zusätzlich sind wir ein langjähriger Verfechter von Heizen und Kühlen mit Beton, bzw der multifunktionalen Nutzung von Betonbauteilen”, erläutert Gernot Tritthart. Zahlreiche Demonstrationsprojekte zeigen, das die thermische Bauteilaktivierung sowohl in Einfamilien- und Mehrparteien-Häusern aber auch im sozialen Wohnbau bestens funktioniert und den richtigen Schritt zu Klimaneutralität setzt. Aber auch auf der Straße setzt Lafarge auf Beton. Als Mitbegründer des Forschungsvereins “EcoRoads - nachhaltige Betonstraßen” tritt das Unternehmen für den flächendeckenden Einsatz von Beton im hoch- und niederrangigen Straßennetz ein. “Betonstraßen sind langlebig und spritsparend. Vergleicht man den Spritverbrauch von LKWs im Sommer auf Asphalt- und Betondecken, so stellt man einen sechs Prozent geringeren Spritverbrauch aufBetonfahrbahnen fest”, so Berthold Kren.
Das Unternehmen blickt auch nach 2020 über den CO 2 -Tellerrand und arbeitet gemeinsam mit Universitäten und Forschungseinrichtungen an schlanken, CO2-optimierten Bauweisen.
Mit der Carbonation sind wir beim fünften “C” angelangt. Beton spielt schon heute im globalen CO 2 -Kreislauf eine wichtige Rolle. Der Baustoff Beton entzieht der Atmosphäre
große Mengen CO 2 . Gernot Tritthart dazu: “Beton nimmt über seine Lebensdauer durch die Recarbonatisierung circa dreizehn Prozent des bei der Produktion emittierten CO 2 wieder auf. Durch verbessertes Recycling könnte dieser Wert mehr als verdoppelt werden.”


2030: <50 kg CO 2 /Tonne Zement
Bis 2030 wird das Unternehmen dank der kontinuierlichen Anstrengungen bei den 5Cs das Zwischenziel von <400 kg CO 2 /Tonne Zement erreicht haben. Einen wahren Meilenstein in Sachen Klimaneutralität bis 2040 setzt das Projekt Carbon2ProductAustria (C2PAT). Die Pilotanlage soll im Jahr 2030 rund 700.000 Tonnen CO 2 aus Österreichs größtem Zementwerk, dem Lafarge Werk in Mannersdorf abscheiden. CO2 soll als wertvolle Ressource für die industrielle Weiterverwendung etabliert werden. Mit dieser Pilotanlage kann Lafarge in Österreich den CO 2 -Wert im Zement auf unter 50 Kilogramm bringen. “Und für diese 50 Kilogramm CO 2 werden wir sicher auch noch eine Maßnahme entwickeln”, bekräftigt CEO Berthold Kren.

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