Freitag, Juni 21, 2024

Autonomie und Autarkie stehen auf der Wunschliste vieler Menschen. Wie können Energiespeicher und nachhaltige Erzeugung zusammenarbeiten? Welche zukünftigen Schnittstellen werden Netzbetreiber bei dezentralen Einspeisungen und im Smart Grid einnehmen?

Der Report-Publikumstalk zu smarten Geschäftsmodellen, Netzen und Anwendern fand am 19. Mai im stilvollen Ambiente im "der kunstraum" in den Wiener Ringstraßen Galerien statt. Knapp 100 Interessierte waren gekommen, um gemeinsam mit Vertretern von Netzbetreibern, Selbstversorgern und Technik die Herausforderungen und Möglichkeiten eines künftigen Zusammenspiels von Netz, Erzeugern und Energiespeichern zu diskutieren.

"1998 hatten wir fünf Photovoltaikanlagen im Netz, deren Betreiber uns auch alle persönlich bekannt waren. Mittlerweile haben wir mehr als 10.000", blickt Johannes Zimmerberger, Geschäftsführer Linz Strom Netz GmbH auf große Veränderungen des Energiemarktes. Klarer Auftrag der Netzbetreiber sei es, Energie im Netz aufzunehmen und zu verteilen – mitunter stößt man aus Kostengründen aber selbst an Grenzen. "Wir sind nicht gegen den Anschluss von neuen Anlagen. Wir sehen uns als Ermöglicher der Energiewende und setzen auf ein Miteinander." Dass Haushalte mit eigenem Energiespeicher auf einen Anschluss an das Stromnetz komplett verzichten, ist für Zimmerberger technisch nicht sinnvoll. Das Netz sei aus ökonomischer Sicht der beste Speicher. "Wenn einer einspeist, und der andere Energie verbraucht, dann brauche ich nicht unzählige kleine Speicher zu errichten."

"Bei einer Versorgungssicherheit in Österreich von jenseits der 99 Prozent kommt auf die Stromnetze nun eine spannende Entwicklung zu. Mit einer Photovoltaik-Anlage am Dach ist eine Zwei-Wege-Kommunikation nötig", erklärt Christof Zernatto, Sprecher Forum Versorgungssicherheit. "In Zeiten geringerer Erzeugung ist sichergestellt, dass man den Strom aus dem Netz beziehen kann. Bei einer Überproduktion wieder will man den Strom, den man selbst nicht verbraucht, selbst ins Netz speisen können – der dann auch verrechnet wird." Dies seien große Herausforderungen, die auf die Netze zukommen. Dessen sollten sich Politik und Gesellschaft bewusst sein.

"Das Zusammenspiel zwischen thermischen Speichern und anderen Speichern ist in der Praxis noch nicht ausgereift und genügend erprobt. Wir haben in einer Forschungsanlage in einem Einfamilienhaus in Trausdorf im Burgenland unterschiedlichste Speichertechnologien installiert und probieren diese im Alltag aus", berichtet Martin Wieger, Geschäftsführer IEWM GmbH und Bewohner eines „Absolut Autark“-Hauses. Gewerkeübergreifend mit einem ganzheitlichen Gebäudemanagement zu denken - die Verbindung von Photovoltaik, Wärmespeicher und Stromspeicher - ist für den Experten erfolgsentscheidend. "Durch die Vielzahl der Speicher haben wir prinzipiell die Möglichkeit, übers ganze Jahr autark zu sein", stellt er nach der ersten absolvierten Heizperiode Winter 2015/2016 fest.

Für Hubert Fechner, Leitung Erneuerbare Urbane Energiesysteme, FH Technikum Wien, ist durch die herrschende Klimadiskussion nun die Dekarbonisierung unserer Energiesysteme angesagt. Auch wenn viele Speicher- und alternativen Erzeugungstechnologien bislang in den Errichtungskosten teuer waren – "Alleine Photovoltaik ist in den letzten zehn bis fünfzehn Jahren um ein Vielfaches billiger geworden. Von 2008 bis 2015 sind die Anlagenpreise von 5.000 Euro auf 1.500 Euro pro Kilowatt Leistung gesunken. Einen ähnlichen Trend sehen wir bei den Speichern", rechnet Fechner vor. "Waren früher diese Investitionen eigentlich undenkbar, rücken sie durch die Preisentwicklungen mehr und mehr in den Bereich des Möglichen."

Fotos und Video:
http://bit.ly/1U9abO3
www.youtube.com/watch?v=XPxZpbkXswI

Ein Nachbericht in voller Länge erscheint in der Juni-Ausgabe des "Energie Report".

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