Donnerstag, September 24, 2026

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Wir wollen nicht mehr bauen! Wirklich?

Die aktuelle Diskussion um Klima- und Umweltpolitik wird zunehmend schärfer und radikaler. Alles soll mit nachwachsenden Rohstoffen gebaut werden. Oder noch besser, es soll gar nicht mehr gebaut werden, denn »Österreich ist ja bereits gebaut«, wie sogar Branchenvertreter behaupten. Das ist nicht nur falsch, sondern auch gefährlich und lässt den Bau zum Sündenbock verkommen.

Es ist mehr als alarmierend, dass es ganz offensichtlich nur mehr Wenige stört, wenn man planwirtschaftliche Forderungen nach Eigentumsentzug im Alter – weil man auf zu großer Fläche wohne – ventiliert oder über Strafabgaben für zu viel Wohnraum diskutiert. Neuer Wohnraum sei nicht notwendig, wird da argumentiert, zudem sei der Neubau ohnehin verantwortlich für den Flächenfraß und daher auch für den Klimawandel.

Realitätsfremd
An anderer Stelle fördert man an allen Ecken und Enden völlig unreflektiert nachwachsende Rohstoffe (nawaro). Diese haben zweifelsfrei ihre Berechtigung, aber ausschließlich damit die Klimawende herbeizureden, ist mehr als fahrlässig und fernab jeder Realität. Denn wie soll denn bitteschön diese enorme Nachfrage dann gedeckt werden? Und dass man für diese nawaro ungeniert Bauordnungen und Anforderungen verbiegt, stört auch niemanden, Hauptsache man hat sein Foto zur Eröffnung nicht vor einer Beton- oder Ziegelwand gemacht.

Beispiel gefällig? Die Richtlinien der »Nachhaltigen Beschaffung« (naBe) lehnen einen lückenlosen Nachweis der nachhaltigen Gewinnung/Bewirtschaftung von nawaro ab, lediglich 50% reicht hier dem BMK. Wie das nun mit dem grundsätzlichen Ziel dieser naBe-Richtlinie vereinbar ist, bleibt unbeantwortet. Man könnte hier fast interpretieren, man strebt bewusst keine Produkt- und Technologieneutralität an. Man vergisst dabei jedoch stets, dass es alle Baustoffe braucht, um der Gesellschaft Wohnraum und Infrastruktur beistellen zu können, weil nawaro in dieser Menge alleine den Bedarf nie stillen werden können, von der Untauglichkeit in gewissen Einsatzbereichen ganz abgesehen (Kläranlagen, Verkehrswegebau, etc.).

Wie beide Beispiele zeigen, unterliegt die Diskussion meist einer unreflektierten Übernahme von Behauptungen, die oft falsch oder zumindest unvollständig rezitiert und interpretiert werden. Und ja, wir sind auch selbst Schuld. Wenn Branchenvertreter der Meinung sind »Österreich ist gebaut«, darf man sich nicht wundern, wenn der Bürger diese Aussage auch nicht versteht und den Bau generell verunglimpft und das kommentiert mit: »Wir wollen eben nicht mehr, dass gebaut wird«. Wäre Österreich gebaut, bräuchte es in dieser Lesart hinkünftig dann weder Architekten noch Bauingenieure?

Die Branche ist gefordert
Wo ist hier die Vernunft geblieben? Wo sind die Mahner, die dieser Haltung endlich Einhalt gebieten? Dieses Schrebergartendenken schadet doch nur der Gesellschaft, vor allem den zukünftigen Generationen. Es braucht zweifelsfrei ein Umdenken, aber der Bau ist Grundversorger und wird es auch bleiben. Lassen Sie uns den Baubereich gemeinsam positiv besetzen und nicht mit populistischen Aussagen ins schlechte Licht rücken. Das macht uns das Leben nur schwerer und gibt den radikaleren Gruppierungen nur Futter für deren Diskussion.

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