Monday, February 09, 2026

Mehrwert für Manager

Ticker

Gefangen in der Wachstumsfalle, Teil 1

Die Wachstumsfalle: Oft ist im Kontext von Wirtschaft auch gleichzeitig von Wachstum die Rede. Dem liegt die Annahme zugrunde, dass ein Unternehmen zwangsläufig wachsen müsse, um die entstandenen Produktivitätsgewinne gewinnbringend einzusetzen und um “Ressourcen”, in den meisten Fällen ist damit Personal gemeint, zu halten. Käme es nicht zu dem erwarteten Wachstum, so müsse man sich zwangsläufig von Mitarbeitern trennen, um die Existenz eines Unternehmens nicht zu gefährden.

Warum ist diese Annahme gefährlich? Warum sägen Unternehmen damit sogar am eigenen Ast? Erfahren Sie mehr in der mehrteiligen Reihe „Gefangen in der Wachstumsfalle“.

Welche Annahmen werden zugrunde gelegt?

Der Begriff Wachstum tritt in der Unternehmenswelt in verschiedenen Ausprägungen zu Tage. Beispielsweise werden Umsatz- oder Gewinnziele formuliert oder Produktivitäts- bzw. Effizienzsteigerungen werden anvisiert. In meiner Berufslaufbahn ist es mir schon öfters untergekommen, dass Produktivitätssteigerungen im kleinen einstelligen Prozentbereich als völlig unzureichend galten. Die Manager der Vorstandsetagen messen sich gegenseitig nicht nur an der Höhe ihres persönlichen Gehalts und der Größe ihres Dienstwagens, sondern auch an den erzielten Produktivitätssteigerungen.

Durch die Annahme eines gewissen Wachstums werden Investitionsentscheidungen gerechtfertigt und getätigt. Die Fixkostenstrukturen folgen diesen Annahmen. Tritt das erwartete Wachstum nicht ein, fallen die Fixkosten dennoch an und es kann zu zwei grundsätzlichen Szenarien führen:

  • Die anfallenden Fixkosten sind in einem Rahmen, der dem betroffenen Unternehmen nicht weh tut. Es wird lediglich ein möglicher Gewinn reduziert oder im schlimmsten Fall fällt dieser weg. Das Unternehmen bleibt an sich stabil und ist nicht gefährdet. In diesem Fall werden häufig versprochene Boni für die Mitarbeiter gestrichen, während Boni für das Top-Management bestenfalls reduziert werden.

  • Die angefallenen Fixkosten übersteigen eine bestimmte Höhe. Das betroffene Unternehmen gerät in Zahlungsschwierigkeiten und es kommt zu Entlassungen.

In beiden Fällen werden der Markt und das Verhalten der Kunden für das Ausbleiben des Wachstums und die daraus resultierenden Konsequenzen verantwortlich gemacht. Doch was bringt das? Ist es wirklich so wichtig, immer nur zu wachsen?

Wachstum: Ein fatales Dogma

Die Natur kennt ein immerwährendes Wachstum
nur in einer einzigen Lebensform. Diese Lebensform vernichtet jedoch den Organismus, von dem sie lebt. Ein Krebsgeschwür wächst immer weiter und weiter, bis der Körper, von dem er lebt, nicht mehr lebensfähig ist. In der Folge tötet kontinuierliches Wachstum, es ist extrem ungesund. Genauso verhält es sich auch in der Wirtschaft. Unternehmen, die ständig auf Wachstum ausgerichtet sind, tun alles dazu, sich selbst zu vernichten. Dies ist vielleicht nicht unmittelbar eindeutig, wird aber klarer, wenn man die langfristigen Konsequenzen beleuchtet.

  • Wohin soll ein Unternehmen dauerhaft wachsen? Die Menge an Kunden und an Ressourcen ist immer begrenzt, kann niemals unendlich sein.

  • Konkurrenz belebt das Geschäft. In der Tat ist es nicht nur für Kunden, auch für Unternehmen, gut, Wettbewerb zu haben. So kann man voneinander lernen und kontinuierlich besser werden. Meiner Einschätzung nach gehört zum Unternehmertum unter anderem auch der Respekt den Wettbewerbern gegenüber. Dieser ist aber nicht mehr gegeben, wenn man aufgrund des eigenen Wachstumswahns in einen Verdrängungswettbewerb geht, der auch zum Verdrängungskrieg werden kann. Das hat dann nichts mehr mit wirtschaftlichem Handeln, sondern mit Gier zu tun.

  • Man wird blind für Verbesserungen. Ein Unternehmen, dass immer nur auf Effizienz schaut, wird nicht mehr Zeit und Aufwand investieren, um neue Dinge auszuprobieren. Denn Ausprobieren und Lernen sind zunächst sehr ineffizient, aber dennoch sehr effektiv. Wenn man durch Wachstumsdenken effektivitätsblind wird, ist man nicht mehr in der Lage, Möglichkeiten der kontinuierlichen Verbesserung zu erkennen.

An diesen Punkten sieht man deutlich, dass die Gesetzmäßigkeit, die auf natürliche Organismen zutrifft, auch für Unternehmen gilt.

Nicht erwähnt wurden bisher die sozialen Folgen eines einseitig auf Wachstum ausgerichteten Handelns. Wenn Menschen lediglich auf “Ressourcen” reduziert werden und aufgrund von Rationalisierungsmaßnahmen ihre Existenzgrundlage verlieren, besteht eine große Gefahr sozialer Spannungen, wie man sie aktuell in vielen Ländern der Welt, auch in Europa, beobachten kann. Durch die immer größer werdende Spreizung zwischen “arm” und “reich” fühlen sich viele Menschen abgehängt, was sich unter anderem am Wählerzulauf zu fragwürdigen und extremistischen Parteien und Kandidaten zeigt.

Erfahren Sie im zweiten Teil der Serie „Gefangen in der Wachstumsfalle“, was Unternehmen tun können beziehungsweise sogar müssen, um in Zukunft erfolgreich zu sein.

×
Stay Informed

When you subscribe to the blog, we will send you an e-mail when there are new updates on the site so you wouldn't miss them.

Machen Sie auf Ihre Arbeit aufmerksam!
US-BIP – nur in der Schlagzeile gut

By accepting you will be accessing a service provided by a third-party external to https://www.report.at/

Firmen | News

Firmen | News
29 January 2026
Firmen | News
Fußball gehört in Österreich zu den beliebtesten Sportarten und begeistert Menschen jeden Alters gleichermaßen. Ob im Verein, beim Freizeitkick mit Freunden oder in der Schule – der Ball rollt in Österreich nahezu überall. Doch obwohl dieser Sport, d...
Firmen | News
von Dr. Werner Vogels, Vice President und Chief Technology Officer, Amazon.com Wir stehen am Beginn einer neuen Ära, in der KI den Menschen in den Mittelpunkt stellt, Autonomie fördert und drängende Probleme wie Einsamkeit, Bildungsungleichheit und S...
Firmen | News
20 January 2026
Firmen | News
In einer zunehmend digitalen und vernetzten Welt, in der virtuelle Kommunikation dominiert, gewinnen haptische Botschaften als greifbare Ausdrucksform persönlicher Wertschätzung wieder deutlich an Bedeutung. Personalisierte Karten verbinden Tradition...
Marija Kotnig
15 January 2026
Firmen | News
Ihr Neujahrsvorsatz beinhaltet Weiterbildung für Ihr Team? Bei Quality Austria erhalten Sie genau die richtige Unterstützung. Bei Buchungen im Zeitraum von 01.01.2026 bis 21.02.2026 profitieren Sie von 10 % Bonus auf alle Inhouse-Trainings. Tipp: Der...

Neue Blog Beiträge

09 February 2026
Qualität und Effizienz
Die handelnden Akteure sind sich einig: Österreichs Wirtschaft dramatisch anzukurbeln, ist eines der wichtigsten Ziele für das junge Jahr 2026. Mit einem neuen, offenen Managementrahmen unterstützt Quality Austria heimische Unternehmen dabei, zukunft...
15 January 2026
Architektur, Bauen & Wohnen
Beton spielt in der modernen Wasserversorgung eine zentrale Rolle. Seine Festigkeit, auch unter Wassereinfluss, und Beständigkeit gegenüber äußeren Einflüssen machen ihn zum idealen Material für Anlagen, in denen Trinkwasser gespeichert und verteilt ...
15 January 2026
Architektur, Bauen & Wohnen
Freibier für alle! So oder so ähnlich lautete ein Spruch in meiner Jugendzeit der vermitteln sollte, dass es sinnvoll ist, den Menschen Bier zu geben, um sie bei Laune zu halten. Egal wann, egal wo und vor allem gratis. Wir haben das damals...