Freitag, Oktober 09, 2026

Mehrwert für Manager

Bau | Immobilien

Mit CRAHOI haben Porr und Liebherr ein Projekt realisiert, das Materialflüsse auf der Baustelle automatisch dokumentieren soll. Dafür gab’s den Innovationspreis der Bayerischen Bauindustrie.

Der Kran als Datenquelle

Bild: Mit CRAHOI lässt sich jedes einzelne Element eindeutig identifizieren und sein Transport und Einbauort nachvollziehbar dokumentieren.


Trotz fortschreitender Digitalisierung müssen auf Baustellen viele Daten immer noch manuell erfasst werden. Genau hier setzt das Forschungs- und Entwicklungsprojekt CRAHOI – kurz für »Crane Hook Identification« – von Liebherr und Porr an. CRAHOI nutzt den Baukran als digitalen Daten-Hub und soll Materialbewegungen automatisiert dokumentieren.

Die Grundidee hinter CRAHOI entstand im Rahmen der Bachelorarbeit der Porr-Projektleiterin Estefania Betancourt. Daraus entwickelte sich ein gemeinsames Konsortialprojekt unter Beteiligung von Forschung und Industrie. Ziel war es, Kranaktivitäten und Materialflüsse auf Baustellen digital und möglichst ohne zusätzlichen manuellen Aufwand zu erfassen. Entscheidend sei dabei laut Porr die enge Zusammenarbeit zwischen Baustellenpraxis und Maschinenhersteller gewesen. Anforderungen aus dem Baustellenalltag wurden gemeinsam mit dem technischen Know-how von Liebherr laufend weiterentwickelt.

Die Funktionsweise
Technisch basiert CRAHOI auf RFID-Technologie. An Bauteilen angebrachte RFID-Tags werden während des Hebevorgangs direkt über das Kranhakengerät erkannt. Dafür hat Liebherr mit dem Smart-Crane-Konzept die Kran-Telemetrie, also die Zustands- und Betriebsdaten, mit den ID-Sensordaten direkt auf dem Kran zusammengeführt. Diese eindeutige Bauteil ID wird mit Krantelemetriedaten und BIM-Daten verknüpft und als digitaler Fußabdruck erfasst. Über diese Kombination lässt sich nicht nur der Bauteiltyp, sondern jedes einzelne Element eindeutig identifizieren und sein Transport bzw. Einbauort nachvollziehbar dokumentieren. Laut den Projektpartnern funktioniert die Erkennung unabhängig von Sichtverhältnissen, Licht oder Wetterbedingungen.

Der Mehrwert
Aus Sicht der Porr liegt der wesentliche Nutzen vor allem in der automatisierten Datenerfassung direkt aus dem Baustellenprozess. Dokumentationsaufgaben sollen reduziert und gleichzeitig
belastbare Echtzeitdaten für Baufortschritt und Materialflüsse verfügbar gemacht werden. Darüber hinaus verspricht CRAHOI bessere Auswertungsmöglichkeiten etwa bei Hubzeiten oder Abläufen auf der Baustelle. Auch die Abstimmung mit Lieferanten und Nachunternehmern soll erleichtert werden. Ein weiterer Schwerpunkt des Projekts liegt auf der Integration der Daten in bestehende digitale Prozesse. Porr war dabei nach eigenen Angaben nicht nur Test­anwenderin, sondern auch an der Konzeption und Weiterentwicklung beteiligt. Dazu gehörten die Definition konkreter Anwendungsfälle, die Organisation von Baustellentests sowie die Verknüpfung der erfassten Daten mit BIM- und Lieferantensystemen.

Praxiseinsatz
Getestet wurde CRAHOI bereits unter realen Baustellenbedingungen. Zu den bisherigen Einsatzorten zählen eine Referenzbaustelle der RWTH Aachen sowie die Porr-Baustellen »Wohnanlage Grüne Allee« in Villach und das »Leopoldquartier« in Wien. Dennoch handelt es sich derzeit noch um ein Testsystem. Aktuell arbeiten Liebherr und Porr an den nächsten Entwicklungsschritten – insbesondere mit Blick auf Skalierbarkeit, Integration in bestehende Systeme und den stabilen Betrieb im Baustellenalltag.

Schon jetzt wurde das Projekt mit dem 2. Platz des Innovationspreises der Bayerischen Bauindustrie 2026 in der Kategorie Digitale Transformation, Prozessinnovation und Baulogistik ausgezeichnet.n

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