Freitag, Juni 21, 2024

Mauerwerksabdichtung mittels Injektage. Einer der häufigsten Anlässe für Gebäudesanierungen sind Feuchtigkeitsschäden im Mauerwerk. Angebote für Mauertrockenlegungen scheinen manchmal auf suspekte Weise esoterisch, es gibt aber auch professionelle Lösungen.

Mauerfeuchtigkeit entsteht langsam und von außen unsichtbar. »Durch die Kapillarwirkung gelangt Feuchtigkeit vom Boden bis in etwa 1,5 Meter Höhe. Dort besteht eine natürliche Grenze - das Gewicht der Wassersäule in den Kapillaren ist zu groß, um weiter aufzusteigen«, informiert Baumeister Paul Tupy. Betroffen sind vor allem poröse Baustoffe wie Ziegel oder Sandstein. Salze sind Begleiter der Feuchtigkeit. Die Folge ist die Zerstörung der Putzstruktur, eine reduzierte Wärmedämmung und Schimmelbildung. Ohne wirksame Horizontalsperre sind laut Tupy dem kapillaren Feuchtigkeitstransport Tür und Tor geöffnet. Bituminöse Abdichtungsbahnen (Erdpech) und Kunststoff bilden die Materialien für diese Sperren. Im Neubau sind sie Stand der Technik, früher waren sie die Ausnahme. In höherwertigen Bauten wie Kirchen und Schlössern wurden Steinplatten als Sperrschicht eingelegt, einfache Bauten blieben ohne Sperre. An Gründerzeitbauten sieht man heute die Folgen des direkten Kontakts mit dem Erdreich. Feuchtigkeitsschäden moderner Gebäude entstehen meist durch undichte Dächer oder Terrassen.

Naturwissenschaftlich anerkannt

Die ÖNORM B 3355 listet drei Varianten für Mauertrockenlegungen auf, die naturwissenschaftlich anerkannt, in ihrer Wirkungsweise nachvollziehbar und wiederholbar sind (siehe Kasten). Mauerkontaktlose Verfahren, die sich auf Radiowellen, Funkfelder oder Erdstrahlen beziehen wie Aquapol, sind nicht erfasst.

»Meiner persönlichen Erfahrung nach erzielen die mechanischen und das Injektageverfahren die größten Erfolge«, berichtet Tupy aus der Praxis. Die Aufbringung von Sanierputz begünstigt die Mauertrocknung weiter und hält Mauersalze zurück. Für größere Wohnbauten empfiehlt der Baumeister das Injektageverfahren, da damit der geringste Eingriff in die statische Substanz verbunden ist und die Wohnungen ohne größere Beeinträchtigung bewohnbar bleiben.


Mauertrocknungs-AGB
»Das Einschlagen von Edelstahlblechen ist nicht temperaturempfindlich, alle anderen Verfahren sollten nicht unter 5 °C durchgeführt werden. Häufig empfiehlt sich die Vortrocknung des Mauerwerks mit Heizstäben. Die Austrocknung der Poren bei der Injektage ist deshalb wichtig, um sie für die Aufnahme von Injek­tagematerial aufnahmefähiger zu machen«, informiert Wolfgang Diglas von Kerasan Mauerwerksanierung. Heizkanonen werden in erster Linie zur Bautrocknung beim Herstellungsprozess eingesetzt. »Heizen ist nur in Kombination mit ausreichender Lüftung nützlich«, berichtet Eduard Paschinger von WD-AUSTRIA. Denn: Durch eine gute Dämmung bleibt die feuchte Luft im Raum, kondensiert an der Decke und fördert die Schimmelbildung. Luftaustausch muss gewährleistet sein.

Weg zum Profi

»Bei Gebäuden mit feuchten Mauern ist Trockenlegung Pflicht. Sie ist das Basispaket für lebenswertes Wohnen und die eigene Gesundheit«, hält Tupy fest und rät zu professionellen Baumeistern. »Mauertrockenlegung muss in ein umfassendes Sanierungskonzept einbezogen werden. Sonst kann man alle paar Jahre neu verputzen. Das macht keinen Sinn und behebt keine Mängel:« Abhängig von Zugängigkeit, Mauerdicke und -material, Verfahren und Durchfeuchtungsgrad muss laut Kerasan Mauerwerksanierung mit Kosten ab 200 Euro/m² gerechnet werden.


>> Die drei Varianten der Mauertrockenlegung ach Önorm:

> Mechanische  Verfahren: Die Mauer wird abschnittsweise horizontal aufgestemmt oder durchgesägt, eine wird Sperrbahn eingelegt. Nachteil: Setzungsschäden können auftreten, erforderlich sind plane Fugen, für Mischmauerwerk ist diese Methode daher nicht geeignet. Eine Alternative sind gewellte Chrom-Stahlbleche, die mit Druckluft eingeschlagen werden.

> Injektageverfahren: Im Abstand von zehn bis 15 Zentimeter werden Bohrlöcher à 16 bis 25 Millimeter gesetzt und mit Injektageflüssigkeit gefüllt. Dadurch werden die feinen Poren des Ziegelmauerwerks verengt oder verschlossen und der kapillare Feuchtigkeitstransport gestoppt. Diese Methode zeigt auch bei feuchten Mauern Wirkung.

> Aktive Elektroosmose: Im Mauerwerk werden Elektroden verlegt, Gleichspannung wird aufgebaut. Diese verhindert das weitere Aufsteigen von Feuchtigkeit.

 

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