Mittwoch, Juli 24, 2024
Innsbrucks neues Hochglanz-Quartier
Der Rohbau des für Handel und Gastronomie angedachten Bereichs steht bereits. In den kommenden Wochen startet die Vermarktung der Mietflächen. (Fotocredit: Toni Rappelsberger)

Die Raiffeisen-Landesbank Tirol revitalisiert in Innsbruck ihren alten Standort - den sogenannten Turm. Im neuen Look soll das »Raiqa« mit Vier-Sterne-Hotel, Handel und Gastro ein neuer Ankerpunkt der Stadtmitte werden.  

Seit Oktober 2022 baut die Strabag den alten Turm zu einer neuen Shopping- und Lifestylewelt um. Dafür wurde das ehemalige Bestandsgebäude der RLB bis auf sein Stahlbeton-Skelett zurückgebaut. Parallel werden die umliegenden Gebäude neu gebaut. Besonders an dem Projekt ist nicht nur seine schiere Größe - auf der Baustelle sind mehr als 100 Fachkräfte und fünf Kräne im Einsatz - sondern auch das nachhaltige Gesamtkonzept. »Konkret trägt der in den letzten Monaten aufwendig zurückgebaute und revitalisierte alte Turm ressourcenschonend wesentliche Teile des zentralen Neubaus«, erklärt Reinhard Mayr, der Vorstandsvorsitzende der RLB. Gegenüber einem konventionellen Totalabbruch spare man so 30 Prozent CO2-Emissionen ein. 

»Das Raiqa macht eine frühere Passage zum hochwertigen Lebensraum«, freut sich Mayr. »Für die Realisierung der Begegnungsräume im Quartier ist außerdem mit dem kürzlich fertiggestellten Rohbau für den Bauteil B – dieser betrifft die Handelszeile und das darüberliegende Terrassenrestaurant - ein wichtiger Schritt getan, dieser Bauabschnitt dient außerdem der wirtschaftlichen Belebung des städtischen Raums.«

Der Turm wird bis auf das Stahlbetonskelett aus über 15 Meter weit gespannten Trägern behutsam zurückgebaut. (Foto: Toni Rappelsberger)


Bestehende Strukturen nutzen

Nachhaltige Quartiersentwicklung heißt auch Bauen im Bestand - Gebäude sanieren und sie einer neuen Nutzung zuführen. Dabei vereint die Strabag bei umfangreicheren Entwicklungsprojekten ganz unterschiedliche Nutzungsformen wie Wohnen, Einkaufen und Arbeiten. Auch beim Raiqa sollten möglichst viele Teile des bestehenden Gebäudes wiederverwendet werden. Das allerdings bringt auch so einige Herausforderungen mit sich, wie Markus Pfeifer, Technischer Direktionsleiter Tirol & Vorarlberg bei der Strabag, erklärt: »Wir bauen hier im Herzen der Stadt, deshalb war es bisher besonders herausfordernd, die verschiedenen Projektphasen so zu koordinieren, dass Rückbau und Neubau gleichzeitig anlaufen konnten. Die beengten Platzverhältnisse erforderten eine genaue Logistikplanung.«

Ikonische Architektur

Ein Architektur-Highlight im Haupthaus ist der sogenannte Hammerkopf. Der Gebäudeflügel kragt ab dem sechsten Stock (insgesamt sind neun Stockwerke geplant) aus, befindet sich noch aber in Vorbereitung. »Beim Hammerkopf sind besonders die statischen Anforderungen zu beachten. Denn da es sich um einen sogenannten auskragenden Baukörper handelt, arbeiten wir gerade mit einer hochkomplexen Unterstellung aus 100 Tonnen Stahl, die den Hammerkopf so lange stabil hält, bis die Bauarbeiten so weit fortgeschritten sind, dass er sich selbst tragen kann«, so Pfeifer.

In den letzten Wochen wurden der Schalungstisch in rund 20 Metern Höhe errichtet und der Bewehrungsstahl zum Gießen der Bodenplatte für den Hammerkopf vorbereitet. Im Vollausbau wird diese schließlich ein Gesamtgewicht von rund 1.800 Tonnen und 16 Hotelzimmer tragen - und gleichzeitig gänzlich ohne Stützen auskommen und scheinbar schweben.

Blick auf den Schalungstisch für den Hammerkopf. (Foto: Toni Rappersberger)


Ein weiteres architektonisches Signature-Element entsteht im Hauptgebäude, mit dem Atrium im gemeinsamen Foyer von RLB Bank und Radisson Hotel. Es wurde im Rahmen der Rohbauarbeiten auf einer Grundfläche von 440 m2 und über eine Höhe von 35 Metern herausgelöst und bietet (noch) eine freien Sicht auf die erhaltene Stahlbeton-Skelettstruktur des ehemaligen Hochhauses und - dank Überdachung mit Glas - den Blick bis in den Himmel. »Wir haben im Zuge unserer Analyse des Turms 78 beeindruckende, über 15 Meter frei gespannte Träger entdeckt. Im Atrium schaffen sie als freigelegte historische Struktur nun Identität. Damit spielt Freiraum im Atrium eine wichtige Rolle, von ebensolcher Bedeutung ist das Atrium aber auch als Kommunikationsstruktur – den Raum für Dialog und Verbindung schaffen Treppen, Lifte, Podeste und sogar eine Brücke«, meint Architekt Christoph Pichler von Pichler & Traupmann.

Fortschritt nach Plan

Bis zum Sommer des kommenden Jahres sollen die Rohbauarbeiten abgeschlossen sein. Im Frühjahr 2024 wird der Holzbau auf das vierte Obergeschoß aufgesetzt. Bis zum Ende dieses Jahres werden noch zentrale Elemente des Haupthauses, wie etwa die RLB-Bankstelle im Foyer und der Veranstaltungssaal im vierten Obergeschoß im Rohbau, fertiggestellt. Im Plan liege das Großprojekt auch bei den Kosten, informiert Christof Splechtna, Vorstandsmitglied in der RLB. Insgesamt werden rund 155 Millionen Euro investiert.

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