Sonntag, Mai 26, 2024
Impulse für die moderne Bauwirtschaft
Das Kolloquium der VÖZ fand am 16. November in Wien statt. (Fotocredit: Felix Büchele/Felixfoto)

Das VÖZ-Kolloquium „Forschung & Entwicklung für Zement und Beton“ stand heuer im Spannungsfeld von Sanierung, Dekarbonisierung und Energiespeicherung. Das Fazit: Die Bauwirtschaft muss sich neu denken - und mehr Verantwortung übernehmen. Hoffnung machen Forschungserfolge und erste grüne Projekte.

Mehr als 300 Branchenvertreter*innen nahmen an an der Veranstaltung teil. Sebastian Spaun, VÖZ-Geschäftsführer, freute sich über das rege Interesse und das Feedback: »Der Infrastrukturbereich stellt die Weichen für die grüne Transformation – und hier sind wir offensichtlich auf einem zukunftsfitten Weg.«

Architekt und Bauingenieur Werner Sobek schlug zum Auftakt dennoch einen mahnenden Ton an: »Das Bauwesen steht weltweit für knapp 60 Prozent des Ressourcenverbrauchs, knapp 50 Prozent des Massenmüllaufkommens und für knapp 50 Prozent der klimaschädlichen Emissionen. Wenn wir weiter so bauen wie bisher, und wenn wir dabei auch noch den Nachholbedarf der Menschen im globalen Süden sowie die Zunahme der Weltbevölkerung innerhalb der kommenden Generation um 25 Prozent berücksichtigen, dann führen wir die menschliche Gesellschaft schon in wenigen Jahren an den Rand des Abgrunds.« Sobek ruft auf: »Wir müssen das Bauschaffen deshalb von Grund auf neu denken.«

Werner Sobek appellierte in seiner Keynote an die Bauwirtschaft zu einem stärkeren Bewusstsein für die Klimaschäden der Bauindustrie und rief zu mehr Verantwortungsübernahme auf. (Foto: Felix Büchele/ Felixfoto)


Aufruf zu mehr Verantwortung

Bauen neu zu denken war dann das Stichwort für die Podiumsdiskussion zwischen Werner Sobek, Martin Hrunek, Abteilungsleiter für die Infrastruktur-Großprojekte der Wiener Linien, Andreas Fromm, Geschäftsführer der Asfinag, Berthold Kren, CEO Holcim und Helmut Leibinger, Geschäftsführer der Net Zero Emission Labs (Teil der Rohrdorfer). Moderiert wurde die Runde von Gisela Gary.

Martin Hrunek wünschte sich mehr und stärkere Richtlinien aus der Politik: »Ich bin davon überzeugt, dass weitere normative und unterstützende Regelwerke den Prozess der Ökologisierung beschleunigen könnten. Der Einsatz von Recyclingmaterialien muss noch stärker gefördert werden. Hier braucht es weitere Entwicklungsarbeit wie etwa im Bereich Recycling-Beton sowie wie Normungsarbeit, um einen rechtlich einwandfreien Rückhalt bei Ausschreibung und Einsatz von recycelten Materialien zu haben.« Andreas Fromm betonte wiederum den Aspekt der Langlebigkeit: »Natürlich ist das klimafreundlichste Bauprojekt jenes, das gar nicht erst umgesetzt wird. Nachhaltig wirtschaften bedeutet aber auch, die uns bereits zur Verfügung stehenden Infrastrukturen möglichst lange zu nutzen und weiter zu erhalten.« 

Die Podiumsdiskussion fand zum ersten Mal zwischen Entscheidungsträger*innen aus Industrie, Bau und Infrastruktur statt. Hier: Andreas Fromm von der Asfinag. Er betonte: »Wir arbeiten täglich daran, Baustoffe so klimafreundlich wie möglich einzusetzen und die CO2-Bilanz kontinuierlich zu reduzieren.« (Foto: Felix Büchele/ Felixfoto)


Welchen Beitrag die Industrie bereits leistet, erklärte Berthold Kren: »Österreichs Zementindustrie produziert den CO2-ärmsten Zement weltweit und Österreich ist das Land, in dem die Klinkerherstellung beim Ausstieg aus fossilen Brennstoffen am weitesten fortgeschritten ist.« »Null CO2 – das geht! Wir sind mit unserer Forschungsarbeit schon sehr weit – erste Pilotprojekte zeigen das Erfolgspotential auf. Ich bin davon überzeugt, dass der Baustoff Beton das Fundament für eine grüne Zukunft ist«, bestärkte ihn Helmut Leibinger.

Forschungsergebnisse aus erster Hand

Johannes Dox von der ÖBB Infrastruktur AG und Nicole Rosza von der Smart Minerals GmbH präsentierten anhand der Carbonatisierung von Holzbeton-Lärmschutzwänden, wie Beton als CO2-Senke funktioniert. Drei Beispiele, wie die Dekarbonisierung von Zement von der Forschung bis zum Einsatz in der Praxis gelingt, veranschaulichte Cornelia Bauer von der Vereinigung der Österreichischen Zementindustrie gemeinsam mit Tanja Manninger von der Smart Minerals GmbH anhand der Forschungsprojekte CarboRate, LeptoCalc und Getemperte Tone. Zum Thema Energiespeicherung sprach Michael Steineder von Smart Minerals über den Einsatz von Beton für Großwasserwärmespeicher. Wie gut sich Beton durch die Bauteilaktivierung auch als Langzeit-Speicher für Windstrom eignet, erklärte Joachim Durach von der Concrete Rudolph GmbH.

Bewährtes aus Beton

Ein Pionierbau feiert dieses Jahr übrigens sein 150-jähriges Jubiläum: »Unser Wiener Wasser fließt seit Eröffnung der 1. Hochquellenleitung vor 150 Jahren nur mithilfe des natürlichen Gefälles aus den Alpen nach Wien.« Die erste Wiener Hochquellenleitung ist damit das Rückgrat der Wasserversorgung der Stadt und wird darum stets zukunftsfit gehalten, wie Norbert Klicha von der Stadt Wien schilderte: »Die veränderten klimatischen Bedingungen sowie das Bevölkerungswachstum der Stadt Wien erfordern eine Anpassung – von der Bewirtschaftung des Schutzwaldes bis zum Ausbau der Infrastruktur. Zusätzlich wird Ökostrom aus Wasserkraft erzeugt und die Freiflächen auf Wasserbehältern werden für Photovoltaikanlagen genutzt.« 

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